Ab wann darf mein Baby Fencheltee trinken?

MITTWOCH, 06.11.2019 Lotte L.

Fencheltee gilt als natürliches Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden. Säuglingen sollte er jedoch nur im Maße angeboten werden. Wir klären auf, wie der Kräutertee wirkt, ab wann ein Baby ihn trinken darf, und was man bei der Zubereitung und Anwendung beachten sollte.

1.   Wie wirkt Fencheltee bei einem Baby?

Traditionell wird Fenchel als natürliches Heilmittel bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt. Den in Fenchelsamen enthaltenen ätherischen Ölen wird eine beruhigende, entkrampfende, schleimlösende, entzündungshemmende und verdauungsanregende Wirkung nachgesagt.

Aufgrund seiner Heilwirkung wird Fencheltee auch bei Babys und kleinen Kindern angewendet. Am bekanntesten ist die Wirkung des Kräutertees bei Verdauungsbeschwerden, Bauchschmerzen und Blähungen. Da die ätherischen Öle im Fenchel den Magen-Darm-Trakt und die Verdauung anregen, werden Krämpfe im Bauch gelöst und gestaute Gase können entweichen. Daher wird der Tee auch häufig bei Drei-Monats-Koliken eingesetzt.

Daneben wirkt Fencheltee als natürliches Beruhigungsmittel, das bei Ein- und Durchschlafproblemen helfen kann. Wegen seiner schleimlösenden Wirkung wird er auch bei Erkältungen und gegen Husten verabreicht. Bei stillenden Mütter soll der Fencheltee die Milchproduktion anregen.

Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die die medizinische Wirksamkeit und positiven Wirkungen von Fencheltee nachweisen können. Allerdings berichten Eltern und Hebammen immer wieder über gute Erfahrungen mit dem Tee.

Heutzutage wird oft kontrovers diskutiert, ab wann und wie viel Fencheltee man einem Säugling geben darf.

2.   Ab wann darf mein Baby Fencheltee trinken?

Bei der Frage, ab welchem Alter Babys Fencheltee trinken dürfen, gehen die Meinungen weit auseinander und Empfehlungen variieren stark. Das kann ganz schön verwirrend sein.

Grundsätzlich gilt: Säuglinge, die voll gestillt werden, benötigen keine zusätzliche Flüssigkeit. Denn in der Muttermilch ist alles enthalten, was ein Kind braucht. Einem gesunden Stillkind Fencheltee zu geben ist daher schlicht nicht notwendig.

Die zusätzliche Gabe von Fencheltee wird auch für Flaschenkinder nicht empfohlen, solange sie Anfangsnahrung bekommen. Da die Pre-Milch den Eigenschaften der Muttermilch angeglichen ist, gelten diese beiden Getränke als die idealen Durstlöscher - selbst im Sommer, wenn ein Kind besonders viel trinken soll.

Fencheltee ist in erster Linie ein Arzneitee. Die sanfte Medizin sollte bei Still- und Flaschenkindern vor allem bei Beschwerden (z.B. Verdauungsproblemen) in kleinen Mengen verabreicht werden, am besten in Absprache mit der Hebamme oder dem Kinderarzt.

Zusätzliche Flüssigkeit erst ab der Einführung von Beikost

Experten raten, einem Baby erst mit Einführung der Beikost (häufig: nach Einführung des dritten Breis) Flüssigkeit anzubieten, also etwa mit einem halben Jahr. Idealerweise wird hier aber frisches, klares Wasser empfohlen. Fencheltee kann „im Maße“ zur Abwechslung zu Mahlzeiten gegeben werden.

Einige Gründe sprechen gegen die Gabe von Fencheltee, bevor ein Still- oder Flaschenbaby Beikost erhält:

Der Tee hat von Natur aus einen süßlichen Geschmack, so dass Babys ihn in der Regel gern trinken. In großen Mengen getrunken füllt der Tee den kindlichen Magen, was dazu führen kann, dass das Hungergefühl reduziert wird und der Stillrhythmus durcheinander gerät. Wenn Still- oder Flaschenkinder unnötigerweise viel zusätzliche kalorienarme Flüssigkeit zu sich nehmen, entsteht die Gefahr einer Unterversorgung mit Nährstoffen.

Es kann verwirren, dass in jeder Drogerie Baby-Fencheltee für Säuglinge ab der 1. oder 2. Lebenswoche angeboten wird. Von der Stiftung Öko-Test werden Anbietern Punkte abgezogen, die eine Verzehrsempfehlung ab der zweiten Woche oder früher aussprechen, da die Gabe von Fencheltee an gesunde Kinder nicht erforderlich ist.

Fencheltee nur im Maße

Es gilt als unbedenklich, Babys ab und an Fencheltee anzubieten, er sollte aber mit Bedacht und nicht über einen längeren Zeitraum hinweg verabreicht werden. In der Regel werden nicht mehr als ca. 30-50 ml pro Tag empfohlen.

Denn zum einen verkehrt sich bei einer übermäßigen Gabe die Wirkung des Tees und er verursacht erst recht Bauchschmerzen und Blähungen. Zudem ist Fencheltee in den letzten Jahren immer wieder kritisiert worden, weil er sogenannte Phytoöstrogene enthält. Es gibt Hinweise, dass diese sekundären Pflanzenstoffe bei dauerhafter Anwendung unerwünschte Wirkungen mit sich bringen.

Man liest häufig, dass stillende Mütter Fencheltee trinken sollten, da er die Milchbildung fördert und die Wirkstoffe kindlichen Blähungen und Koliken entgegenwirken können. Allerdings wird auch hier der Konsum „in Maßen“ empfohlen, d.h. ca. zwei bis drei Tassen täglich. Um ganz sicherzugehen, sprichst du die Dosierung am besten mit deinem Arzt ab.

3.   Wie bereite ich Fencheltee zu?

In Drogerien und Apotheken ist Fencheltee als Teebeutel oder in Pulverform erhältlich. Man kann den Tee aber auch einfach selber herstellen. Dazu zerdrückt man zuerst die Fenchelsamen (auch Fenchelfrüchte genannt), damit das enthaltene Öl austreten kann. Für eine Tasse Tee werden dann 1 bis 2 Teelöffel der Samen mit 250 ml kochendem Wasser übergossen.

Der Kräutertee sollte dann zugedeckt je nach gewünschter Stärke 5 bis zu 10 Minuten ziehen. Dann empfiehlt es sich, den Tee zeitnah trinken, denn die ätherischen Öle im Fenchel verflüchtigen sich nach einiger Zeit.

4. Was muss man bei der Anwendung noch beachten?

Wenn Du Deinem Kind Fencheltee geben möchtest, solltest du auf folgendes achten:

  • Wichtig: für Säuglinge sollte man ihn nicht so lange ziehen lassen bzw. ihn stark mit Wasser verdünnen.
  • Den Tee nicht süßen, weder mit Zucker noch mit Honig. Zucker ist ungesund für die wachsenden Babyzähne und das Kind gewöhnt sich womöglich an süße Getränke. Bei Fertigtee solltest du ebenfalls sicherstellen, dass er keinen Zucker enthält.
  • Der Tee sollte die richtige Temperatur haben, nicht zu kalt und nicht zu heiß. Am besten testet man ein paar Tropfen Tee auf dem Handgelenk.
  • Ein Teefläschchen, das neben dem Stillen dargereicht wird, kann beim Säugling zu einer Saugverwirrung führen. Denn für das Saugen an der Flasche braucht das Kind sehr viel weniger Saugkraft als an der Brust, was zu Problemen beim Stillen führen kann. Stillkinder sollten daher den Fencheltee bei Beschwerden aus einem Becher oder einem Löffel trinken.
  • Bei Drei-Monats-Koliken und starken Verdauungsprobleme kann Fencheltee in Kombination mit anderen Kräutern verabreicht werden, z.B. Anis oder Kümmel. Am besten hältst du Rücksprache mit deinem Kinderarzt.
  • Handelt es sich um Teebeutel oder Pulvermischungen, solltest du prüfen, ob der Tee von einem unabhängigen Testinstitut getestet wurde. Es wird empfohlen, die Marken von Fertigtees wegen möglicher Belastungen regelmäßig zu wechseln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beim Thema Fencheltee für Babys große Uneinigkeit herrscht, und dass es Argumente für und gegen seine Anwendung gibt. Letztlich liegt die Entscheidung natürlich bei dir, ob du deinem Baby Fencheltee geben willst oder nicht. Es kann hilfreich sein, sich mit der Hebamme oder dem Kinderarzt über die Vor- und Nachteile des Kräutertees auszutauschen.

pin

Ein gestilltes Baby braucht erst dann zusätzliche Flüssigkeit, wenn Beikost eingeführt worden ist, also etwa ab dem 6. Monat. Dann kann man ab und zu Fencheltee anbieten, er ist aber vor allem zur Linderung von gesundheitlichen Problemen gedacht.

MeinSpatz Gezwitscher

Bei Bauchschmerzen und Blähungen hat sich auch der sogenannte „Fliegergriff“ bewährt. Hier erfährst du, wie du ihn bei deinem Baby anwenden kannst.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.