Abstillen ist superleicht – oder etwa doch nicht?

MONTAG, 05.02.2018

Stillen ist leicht. Und Abstillen auch. Klar. Im Idealfall schon. Aber wann gibt es den schon bei Kindern?

Ich habe gestillt. Aus Überzeugung. Weil ich es sinnvoll und gut fand. Und vor allem äußerst praktisch. Wunde Brustwarzen und eine Brustentzündung konnten mich nicht davon abbringen. Doch beim Abstillen stieß ich an meine Grenzen …

Der richtige Zeitpunkt

Unsere Tochter sollte den besten Start ins Leben haben, den ein Kind haben kann. Dazu gehörte für mich auch das Stillen. Damit sie genau das bekommt, was ein Kind braucht und was ihm guttut. Also habe ich mich schon früh mit einschlägiger Literatur befasst, in der erklärt wird, wann der beste Zeitpunkt ist, um Beikost einzuführen. Wie gut, dass unser Kinderarzt der gleichen Ansicht war. Damit war es beschlossene Sache: Nach vier Monaten Muttermilch sollte unsere Kleine den ersten Brei bekommen. Und damit sollte auch das Abstillen eingeleitet werden.

Klang in der Theorie echt gut. Nach und nach wird eine Milchmahlzeit durch andere Nahrung ersetzt. Sanftes Abstillen. Kann ja nicht so schwer sein. Dachte ich mir. Bis Tag X kam. Voller Vorfreude saß ich am Tisch, meine Tochter auf dem Schoß, ein Löffelchen in der Hand, eine wohltemperierte Miniportion Gemüse im Schüsselchen. Um das Ganze abzukürzen: Sie aß nichts. Absolut gar nichts. Und verlangte nach der Brust. Kein Wasser, kein Brei. Nichts außer Muttermilch wollte sie. In den folgenden Tagen probierte ich es mit anderem Gemüse. Erfolglos. Also doch wieder voll stillen.

„Du MUSST abstillen!“

Beim nächsten Mama-Baby-Treffen erzählte ich von meinen erfolglosen Versuchen, der Kleinen Beikost schmackhaft zu machen. Und mir ein sanftes Abstillen zu ermöglichen. Neben mir fünf Babys plus zugehörige Mamas, die mich alle entgeistert anschauten: „Aber du MUSST anfangen, abzustillen! Sie MUSS doch was anderes kriegen! Allein schon, um möglichen Allergien vorzubeugen!“ Na toll. Mein Kind würde anscheinend fürs Leben gezeichnet sein. Um das Ganze noch schlimmer für mich zu machen, berichteten die anderen voller Stolz davon, dass sie ja durchs Abstillen so viel Freiheit gewonnen hätten. Jetzt könnte sich Papa am Abend endlich mal allein um den Nachwuchs kümmern, während Mama ausgeht. Ohne Abpumpen. Ach ja – und dann noch die Super-Mama, gesegnet mit einem Sohn mit mächtig Appetit. Ihr Kleiner war mit sechs Monaten komplett abgestillt und aß am Familientisch mit.

Der Kinderarzt war ebenfalls keine große Hilfe. Auch er war der Ansicht, dass ich meine Tochter einfach dazu bringen MÜSSE, endlich mal was anderes zu sich zu nehmen. Schließlich sei es mit einem halben Jahr an der Zeit, sich von Mamas Brust zu verabschieden. Dumm nur, dass meine Kleine das anders sah. Noch dümmer, dass ich schon bald wieder anfangen sollte zu arbeiten, da mein Mann und ich uns die Elternzeit teilen wollten. Flasche nahm sie auch nicht. Was tun?

Und dann kam die Breze

Doch dann kam dieser eine Tag. Dieser Tag, an dem mein Mann unserer Tochter ein Stück Breze in die Hand gab. Und sie genüsslich anfing, es einzuspeicheln und … ja … zu essen! Der Bann war gebrochen! Einen Tag später starteten wir den Versuch mit der Flasche. Zum x-ten Mal. Und siehe da – auf einmal akzeptierte sie es. Und trank die angerührte Milch. Und das immer öfter. Und mit wachsendem Appetit. Nach und nach kam sie auch bei Gemüse und Obst auf den Geschmack. Schon bald nahm sie nur noch einmal in der Nacht die Brust. Mit neun Monaten war sie komplett abgestillt. Und ich war die glücklichste Mutter der Welt.

Abstillen ist echt nicht schwer! Ganz ehrlich! Was es schwierig macht, ist der Druck von außen, oder den man sich selbst macht. Es gibt ihn einfach nicht, diesen einen, allgemeingültigen Zeitpunkt, an dem man anfangen MUSS mit dem Abstillen. Meine Kleine war einfach noch nicht so weit, sich von Mamas Brust zu verabschieden. Ich habe mir – und wahrscheinlich auch ihr – viel zu viel Stress gemacht. Immerhin habe ich daraus gelernt. Und bei meinem Sohn einfach abgewartet, wann er Interesse an anderer Nahrung zeigt. Und nicht mehr nach der Brust verlangt. Und siehe da: Es hat super funktioniert. Fast von allein. Ganz ohne Stress. 

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Was tun, wenn dein Kind absolut nichts vom Abstillen hält? Unsere Autorin erzähl von ihrer Erfahrung.

MeinSpatz Gezwitscher

Nach den Erfahrungen die unsere Autorin gemacht hat, sollte es eigentlich nicht verwundern und doch haben wir über diese Worte aus dem Duden gestaunt: „du musst die Kleine abstillen“. DIE Instanz für die deutsche Sprache verwendet diesen Satz als Beispiel, in der Bedeutungsübersicht des Wortes „abstillen“. Also um zu veranschaulichen, wie das Wort verwendet wird. Zufall oder Abbild unserer Gesellschaft?