Albtraum 3-Monats-Koliken: Ein Brief an erschöpfte Mamas

DONNERSTAG, 04.07.2019 Lotte L.

3-Monats-Koliken sind für Eltern sehr belastend. In dieser mitfühlenden Botschaft an alle betroffenen Mütter beschreibt eine Mama ihre Erfahrungen, was gegen Schreiattacken, Bauchweh und Blähungen hilft.

Unsere Autorin hat mit ihrer Freundin Nina über das Thema Dreimonatskoliken gesprochen. Nina weiß, wovon sie spricht: auch ihr kleiner Sohn hat schrecklich unter Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen gelitten. In dieser Nachricht möchte Nina allen erschöpften Mamas mit Schreibabys Mut machen: Es geht vorbei! Und vor allem: Ihr macht nichts falsch!

Liebe Mamas von Babys mit 3-Monats-Koliken,

Glaubt mir, ich fühle mit euch. Ich spüre eure Erschöpfung. Eure Traurigkeit und Enttäuschung darüber, dass ihr euch das alles ganz anders vorgestellt habt. Eure Hilflosigkeit, Verwirrung und Verzweiflung, weil ihr denkt, dass ihr etwas falsch macht, und nicht wisst, was es ist. Weil ihr einfach nicht mehr weiter wisst.

Ich sehe euch, wie ihr spät nachts durchs Zimmer lauft, euer schreiendes Baby wiegt, obwohl eure Arme schon lange furchtbar wehtun, obwohl ihr noch nichts gegessen habt, und ihr vor Kraftlosigkeit auf der Stelle umfallen könnten. Ich sehe, wie euch die Tränen die Wangen herunterlaufen, wenn ihr schnell in der Küche etwas Brokkoli verschlingt. Wie ihr sehnsüchtig auf die Keksdose im Regal blickt. Ich fühle, wie in euch Ärger auf das endlos schreiende Baby aufkeimt, und ihr euch deswegen furchtbar schuldig und wertlos fühlt. Ich ahne die Gereiztheit und Streits zwischen euch und euren Partnern, und wie ihr dauernd wegen Kleinigkeiten aneinander geratet, einfach weil ihr beide nicht mehr könnt. Ich fühle mit euch, denn ich war genau da, wo ihr gerade seid.

So sahen die Koliken bei uns aus

Uns wurde bewusst, dass unser Sohn Koliken hat, als er noch nicht einmal zwei Wochen alt war. Denn er schrie viel. Wenn ich sage viel, dann meine ich viel, richtig, richtig viel. Er schrie von 21 Uhr bis etwa 4 Uhr morgens ohne Pause, bis er dann vor Erschöpfung in einen kurzen Schlaf fiel, nur um wenig später um so lauter weiterzuschreien. Er hat wirklich kaum geschlafen. Wir wussten absolut nicht mehr weiter. Es wirkte, als habe er Schmerzen, denn er ballte seine kleinen Fäustchen und trat mit seinen Füßen unaufhörlich in die Luft. Sein kleiner Bauch war ganz hart. Er hatte auch dauernd Blähungen und entleerte seinen Darm etwa 9 bis 12 Mal pro Tag. Da war so viel Druck auf seinem Bauch, dass er sich in ein wahres Luftdruckgewehr verwandelte. Einmal flog beim Wickeln sein Geschäft quer durchs ganze Zimmer und landete auf dem Kopf unseres Hundes. Heute kann ich darüber lachen, aber zu dieser Zeit war es einfach schlimm. Uns war ganz klar, dass da etwas nicht stimmte. Ich hatte auch gelesen, dass man von Koliken spricht, wenn Babys täglich mehr als 4 Stunden am Stück schreien. Also entschieden wir uns recht bald, unseren kleinen Schreihals zum Arzt zu bringen.

So ist es endlich besser geworden

Unser Kinderarzt hat uns verschiedene Ratschläge gegeben. Seine erste Empfehlung war, vor dem Stillen die „wässrige“ Vormilch abzupumpen und immer nur mit einer Brust stillen, anstatt häufig die Seiten zu wechseln. Auf diese Weise kann das Baby vor allem die fettere Hintermilch zu sich nehmen und daher viel nachhaltiger satt werden.

Wegen möglicher Nahrungsunverträglichkeiten riet er mir, bestimmte Lebensmittel zu vermeiden, zum Beispiel Weizen, Zucker, Milchprodukte, Fisch, und Ei. Leider blieb nicht mehr sehr viel übrig, was ich noch essen durfte.

Nachdem ich diese beiden Ratschläge sofort umsetzte (unser Kleiner war etwa 1 Monat alt), hat er etwas weniger geschrien. Sein Bauch war aber immer noch sehr gebläht und er blieb, bitte entschuldigt meine Ausdrucksweise, eine echte Furzmaschine. Jetzt weinte er mehr nachts als tagsüber. Es begann jeden Tag etwa um 17 Uhr, mit der schlimmsten Schreiphase zwischen 21 und 23 Uhr.

Dann riet mir eine Freundin, keinen Knoblauch, keine Zwiebeln und keine Tomaten mehr zu essen, und das machte wirklich einen Riesenunterschied. Zwiebeln schienen die größten Übeltäter zu sein. Nachdem ich konsequent meinen Speiseplan umstellte, wurde es nach und nach besser. Ich habe auch regelmäßig Kümmelkörner und Fenchel gegessen. Meine Mutter mischte Mixturen aus Öl, Fenchel und Kümmel, womit wir den Bauch des Kleinen einrieben. Wir haben auch Massagen und Übungen zur Lockerung der Blähungen gemacht und ihn stundenlang getragen, geschaukelt und gewiegt.

Im Endeffekt bin ich nicht sicher, was genau geholfen hat. Aber die Koliken wurden nach und nach weniger. Nach etwa 6 Monaten war es sehr viel besser und nach 8 Monaten war seine Verdauung dann so gut wie normal.

Und so ging es mir damit

Ich war in dieser Zeit eigentlich andauernd deprimiert, traurig und erschöpft. Nicht nur ich, auch mein Mann und meine Mutter. Nie schlief ich mehr als zwei Stunden am Stück. Das war alles zu viel, besonders das Gefühl, etwas falsch zu machen. Von allen Seiten bekam ich widersprüchliche Ratschläge, was mich furchtbar verwirrte. Auch dass ich nur so wenige Sachen essen konnte, schlug mir auf die Laune. Ich liebe zum Beispiel Käse. Als ich einmal ein kleines Stück davon naschte, fühlte ich danach mich entsetzlich schuldig und egoistisch.

Liebe Mamas von Babys mit 3-Monats-Koliken,

dies ist eine furchtbar schwierige, anstrengende, zermürbende Phase in eurem Leben. Aber es ist eine Phase. Auch wenn ihr euch das gerade gar nicht vorstellen könnt, sie geht vorbei. Haltet noch ein bisschen durch. Im Moment ist es schlimm. Es ist schlimm für viele von uns und ihr seid nicht allein. Ihr gebt euer Bestes. Ihr macht alles genau richtig. Und Ihr seid wunderbare Mamas.

Eure Nina

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3-Monats-Koliken beginnen meist im Alter von zwei bis vier Wochen. Typische Anzeichen sind häufiges Schreien, ein gespannter Bauch und Blähungen. Viele Eltern mit einem Kolik-Baby fühlen sich hilflos und gestresst.

MeinSpatz Gezwitscher

In dieser Folge von unserem Nestgeflüster gibt ein Kinderarzt hilfreiche Tipps, was man bei einem Schreibaby und Dreimonatskoliken tun kann.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.