Babykleidung – neu oder gebraucht?

FREITAG, 14.12.2018

Bodys, Jäckchen, Strampler – die Kleidung für dein Baby muss nicht immer neu sein. Oder doch? Eine Mama erzählt, warum sie erstmal keine gebrauchten Klamotten wollte.

Ich habe lange auf mein erstes Baby gewartet. Während meine Schwester bereits sieben Kinder hatte, war ich immer noch nicht schwanger. Entweder war ich mit den falschen Typen zusammen oder es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt … Naja, irgendwie kam immer das Leben dazwischen. Als ich dann mit 34 den richtigen Mann liebte und auch sonst alles dafür sprach, wurde ich schwanger. Endlich. Ich zelebrierte jeden Moment: vom Schwangerschaftstest, über die Vorsorgeuntersuchungen und Umstandsklamotten, bis hin zu den ersten Anschaffungen

Einkaufen fürs Baby: Absolute Glücksmomente

Kinderwagen, Babyausstattung und Co. – ich liebte es, für mein Kind einzukaufen. Ich spazierte wie auf Wolken durch die Geschäfte und genoss jede Minute. Als wäre ich in einem geheimen Club aufgenommen worden: Jetzt durfte auch ICH Strampler, Bodys und Mützchen kaufen. Nicht für andere Kinder, nicht für andere Mamis, nein. Diesmal shoppte ich für mein Baby und mich. Das klingt jetzt unfassbar egoistisch und vermutlich ist es das auch. Aber ich hatte mir jahrelang vorgestellt, wie sich das Schwangersein anfühlen würde und wunderschöne Dinge für unser Kind zu kaufen, gehörte für mich irgendwie dazu. Es steigerte die Vorfreude und es machte das große Ereignis noch greifbarer.

Die Ernüchterung: Wer soll sich das leisten?

Nach und nach wich die Begeisterung erst ungläubigem Erstaunen und dann echtem Entsetzen! Jetzt mal ehrlich, wer bitte kann es sich leisten, derartige Preise zu zahlen? Ein guter Kinderwagen mit allem Drum und Dran kostet neu schon mal 800 Euro. Damit befinden wir uns noch nicht mal im Hochpreissegment. Wickeltaschen, schick und super praktisch – mit 80 Euro bist du dabei. Wie bitte? Ich ärgerte mich maßlos über diese Industrie. Es geht wie immer nur darum Geld zu machen und zwar mit dem schlechten Gewissen unerfahrener Bald-Mamis. Natürlich wollte ich nur das Beste und Schadstoffärmste und Sicherste und damit natürlich auch Teuerste. Puh.

Hormone ausblenden und Kopf wieder einschalten

Also versuchte ich wieder auf Normalmodus zu schalten. Alles neu kaufen? Das war finanziell für uns absolut nicht drin. Ich machte mir eine Liste: Was wollte ich unbedingt neu haben? Was konnte ich auch gut gebraucht kaufen? Auf der Neu-Liste stand die erste Kleidung meines Jungen nach der Geburt. Natürlich wusste ich, dass ihm die winzigen Bodys und Strampler nur wenige Wochen passen würden. Aber ich wollte die Mini-Klamotten danach in einer Kiste für meinen Sohn aufbewahren. Zusammen mit dem ersten Schnuller, den ersten Schuhen und so weiter. Deswegen sollten sie etwas Besonderes sein. Für die Zeit danach bekam ich einen riesigen Karton von meiner Schwester, die dank ihrer vielen Kinder wirklich genug Auswahl an ganz wunderbarer Kleidung hatte. Übrigens lernte ich auch den Vorteil von Second-Hand-Kleidung zu schätzen: Sie ist meist schon wirklich oft gewaschen und damit absolut schadstofffrei. Spätestens als die erste Windel auslief und den weißen Body gelblich-braun verfärbte, war ich froh, dass die Baby-Klamotte geschenkt war und nicht 20 Euro gekostet hatte.

Babykleidung günstig kaufen

Natürlich hat nicht jeder eine Schwester mit großer Kinderschar. Aber mittlerweile gibt es so viele wunderbare Portale, über die Mamis gebrauchte Kinderkleidung verkaufen, wie "Mamikreisel" oder "ubup". Kindergärten veranstalten regelmäßig Basare oder Flohmärkte, auf denen ich richtig tolle Schnäppchen machte. Das Beste: Auf den meisten Flohmärkten dürfen sich Schwangere bereits eine halbe Stunde vor allen anderen umsehen. Und siehe da, das wunderbare Gefühl schöne Dinge für mein Baby zu kaufen, stellte sich auch hier ein. Neben dem Preis gab es einen unbezahlbaren Bonus: Als Schwangere und später als frischgebackene Mama, bekam ich zusätzlich noch Tipps von den erfahrenen Muttis. Absolut hilfreich war und ist die WhatsApp-Gruppe unserer Gemeinde. Nahezu jede Mami des Ortes ist dabei, Neuzugänge werden formlos mit aufgenommen. Dieses Netzwerk umfasst mittlerweile 140 Teilnehmer, die unkompliziert und schnell über den Gruppenchat die gebrauchten Klamotten ihrer Kinder verkaufen. 

Ausnahme: Die ersten Schuhe

Mittlerweile habe ich zwei Jungs und brandneue Klamotten gibt es äußerst selten. Zum Glück, denn die beiden sind kleine, wilde Rabauken, die im Sand baden, über die grüne Wiese rollen und voller Eifer in ihre Matschküche eintauchen. Dazu brauchen sie Klamotten, die vor Dreck stehen dürfen und bei denen es kein Thema ist, wenn eine Naht aufgeht oder ein Ast im Wald ein Loch in den Stoff reißt. Eine Ausnahme machte ich aber doch. Die ersten Schuhe kauften wir in einem Fachgeschäft. Sie sollten gut sitzen, das Fußbett unterstützen und unsere Jungs bei den ersten Schritten begleiten. Und sie wanderten danach in die kleine Kiste, die ich für jeden meiner Lausebären machte.

Babykleidung – neu oder gebraucht? pin

Unsere Autorin wollte am liebsten alles für ihr Baby neu kaufen. Bis sie die Preise sah...

MeinSpatz Gezwitscher

Neu oder gebraucht? Diese Frage stellt sich nicht, wenn du deine Babykleidung selber nähst. Nastja von "DIY Eule" und Steffi von "DIY for Baby and me" verraten in diesem Youtube-Video 10 Dinge, die du beim Nähen für dein Baby beachten solltest.