Babyschwimmen – Spaß oder Tortur?

DONNERSTAG, 19.07.2018

Ich hatte mir das Babyschwimmen total super vorgestellt. Der reine Spaß war der Babyschwimmkurs dann doch nicht …

Da war zunächst einmal der Preis, der alles andere als ein Schnäppchen war. Aber für mein Kind war ich bereit, (fast) jede Summe hinzulegen. Dann die Wartezeiten. Schön, dass die lieben Kleinen schon im zarten Alter von drei Monaten am Kurs teilnehmen dürfen. Allerdings kenne ich keine Mama, die ihr Baby bereits in der ersten Woche nach der Geburt für den Kurs angemeldet hat. Was aber durchaus sinnvoll wäre, wenn das Kleine mit zwölf Wochen seine ersten Bahnen ziehen soll. Mir gelang es dann letztlich doch, einen offenen Kurs zu finden, zu dem wir einfach gehen konnten, wenn uns danach war.

Die Hitze im Schwimmbad findet meine Kleine gar nicht gut

Die Aufregung vor dem ersten Termin war riesig. Hatte ich Schwimmwindeln, Handtuch und Co. eingepackt? Ah – der Badeanzug für mich muss ja auch noch in die Tasche. Nichts wie los ins Schwimmbad! Die erste Herausforderung begann in der Umkleide. Ich hatte absolut unterschätzt, wie warm es wirklich ist, in einer Schwimmbadumkleide. Draußen herrschten Minusgrade und drinnen begann meine Kleine zu schreien wie am Spieß, weil sie direkt zu schwitzen anfing. Und auch ich war schweißgebadet. Immerhin musste ich irgendwie Kind, Wickeltasche und Schwimmutensilien in die Umkleide bugsieren. Ohne Kinderwagen (den man natürlich nicht mit reinnehmen durfte). Und ohne Babytrage (die hatte ich – natürlich – vergessen). Und die praktischen Buggys, die das Schwimmbad extra für Eltern mit Klein- und Kleinstkindern bereithielt, waren schon alle weg.

Grenzenloser Spaß im Wasser

Irgendwie schaffte ich es aber doch, meine Tochter und mich schwimmfertig zu machen. Auch wenn wir erst 10 Minuten nach Kursbeginn eintrudelten (immerhin waren wir nicht die Letzten!). Jetzt aber rein ins Becken. Und jetzt ging der Spaß tatsächlich los! Meine Kleine freundete sich sofort mit dem kühlen Nass an und schien sich sichtlich wohlzufühlen. Neugierig betrachtete sie die anderen Babys, lauschte den Liedern, die die Mamas (und der einzige anwesende Papa) trällerten und patschte fröhlich ins Wasser. Richtig angeknipst erschien mir meine viermonatige kleine Maus, die sonst am liebsten schlief und mir oft wesentlich ruhiger und weniger aufgeweckt als andere Gleichaltrige vorkam. Sie hatte ihr Element offensichtlich gefunden. Und ich war mehr als erleichtert, dass ich den ganzen Stress im Voraus nicht umsonst auf mich genommen hatte.

Nach dem Kurs: Schreikrämpfe

Die Freude, die meine Tochter im Wasser zeigte, war es dann auch, die mich jede Woche aufs Neue ins Schwimmbad trieb. Auch wenn die Kleine nach dem Kurs regelmäßig Schreikrämpfe bekam, weil sie lieber im wohltemperierten Nass liegen wollte, als an der schwülwarmen Luft des Schwimmbads zu strampeln. Aber auch das wurde besser, als der Spatz älter wurde und ich routinierter und schneller, beim Aus- und Anziehen, beim Abtrocknen. Außerdem fing ich an, ihr direkt nach dem Kurs etwas zu essen zu geben. Anfangs die Brust, später ein Obstgläschen. Das linderte die größte Wut.

Was ich besonders schön fand an den Babyschwimmkursen: Hin und wieder richtete es sich auch der Papa ein, mit der Kleinen am Kurs teilzunehmen. Eine total kostbare Zeit – für beide. Auch wenn ich diejenige war, die alles vorbereiten musste und mit dem Handtuch am Beckenrand wartete. Ich würde es jederzeit wieder tun.

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Sich mit seinem Baby in die Fluten werfen, ihm die Freude am Element Wasser und am Plantschen näherbringen. Das ist das, was wir uns unter Babyschwimmen vorstellen. Unsere Autorin hat da noch ein paar andere Erfahrungen gemacht...

MeinSpatz Gezwitscher

Die Tochter unserer Autorin ist mittlerweile Schulkindund schwimmt im Verein. Ob die frühe Wassergewöhnung daran schuld ist? Das wiederlegt allerdings die Erfahrung einer anderen Kollegin. Trotz Spaß beim Babyschwimmen, konnte ihre Tochter mit einem Jahr sowohl dem Meer, als auch kühlerem Schwimmbadwasser rein gar nichts abgewinnen. Erst mit 3,5 Jahren fand sie den Spaß am Naß wieder.