Darf dein Baby schon bei Oma und Opa übernachten?

MONTAG, 06.08.2018 Andrea Huber

Die erste Nacht ohne deinen Spatz? Tipps und Erfahrungswerte, wie die Übernachtung deines Babys bei den Großeltern reibungslos klappt. 

Monatelang warst du Tag und Nacht für dein Baby da. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem du gerne wieder einen Abend mit deinem Liebsten verbringen möchtest. Als Paar, ganz ohne Baby. Was wäre da naheliegender, als deinen kleinen Spatz bei Oma und Opa übernachten zu lassen? Aber ist dein Kind bereit dafür? Bist du bereit dafür? Kann ein Baby überhaupt schon über Nacht bei den Großeltern bleiben? So pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten, denn die erste Übernachtung hängt von mehreren Faktoren ab: Wie alt sind die Großeltern? Wie häufig sehen sich Enkel, Oma und Opa im Alltag? Wo wohnen sie? Wird dein Kind nachts noch gestillt? Und vor allem: Wie fühlst du dich dabei?

Einstellung der Eltern

Am besten funktioniert die erste Übernachtung, wenn dein Baby abgestillt ist. Vorher fühlt sich dein Spatz bei dir einfach am wohlsten. Schläft es mehrere Stunden am Stück und braucht vielleicht nur noch ein Fläschchen, könnt ihr darüber nachdenken. Die wichtigste Voraussetzung für eine Nacht bei den Großeltern ist deine Einstellung zu dem Thema. Dein Kind spürt, ob du es ihm wirklich zutraust oder nicht. Ob du dir zu viele Sorgen machst. Ob du vielleicht noch gar nicht bereit für eine Trennung bist. Wenn du es als selbstverständlich ansiehst, kein Drama aus dem Abschied machst oder eventuelle Bedenken nicht vor deinem Spatz äußerst, ist auch für dein Kind klar: Alles ist gut. Mami ist ruhig, Papi ist ruhig. Also gibt es auch für mich keinen Grund beunruhigt zu sein. Strahlt dann noch die Oma eine ordentliche Portion Zuversicht aus, seid ihr bereits auf dem besten Weg.

So bereitest du dein Kind auf die Übernachtung vor

Damit dein Kind gerne bei Oma und Opa bleibt, muss es bereits Vertrauen zu ihnen aufgebaut haben. Wenn ihr euch nur drei Mal im Jahr für ein paar Stunden seht, wird es vermutlich nicht funktionieren. Sind die Großeltern allerdings regelmäßig zu Gast und stehen sie auch schon mal nachmittags als Babysitter zur Verfügung, hat dein Schatz mit Sicherheit schon eine Bindung zu Ihnen aufgebaut. In dieser Zeit können die Großeltern dein Baby abends ins Bett bringen, sich zu ihm kuscheln, ihm das Fläschchen oder den Abendbrei geben – eben möglichst viel Nähe und Vertrauen aufbauen. Wenn du anfangs noch dabei bist, ziehe dich mehr und mehr zurück. Bis dein Baby sich daheim allein von Oma ins Bett bringen lässt. Eigentlich sollte es nun kein Problem sein, dass dein Kind bei den Großeltern übernachtet. Wenn du dir noch nicht ganz sicher bist, kannst du auch eine Nacht gemeinsam mit deinem Kind dort verbringen.

Der Abschied: Kurz und unaufgeregt

Bringe deinen Zwerg am Tag der Übernachtung nicht erst am Abend vorbei. Besser du fährst schon ein paar Stunden vor dem Zubettgehen los. Dann hat dein Kind mehr Zeit, sich an die Umgebung zu gewöhnen. Nehmt euch für die erste Übernachtung nichts Großes vor: So könnt ihr jederzeit zu eurem Spatz, wenn die Nacht für ihn doch zu lang wird. Verabschiede dich immer von deinem Kind: "Ich gehe jetzt, du bleibst bei Omi und morgen hole ich dich ab mein Schatz. Hab viel Spaß, ich hab dich lieb." So setzt du einen klaren Schlusspunkt. Manche Großeltern raten gern: "Geh einfach, wenn das Kind es nicht mitbekommt, dann merkt es nicht, dass du weg bist." Früher hat man das so gemacht. Ein tränenreicher Abschied sollte vermieden werden. Mittlerweile wissen wir, dass das der falsche Weg ist. Ist Mami plötzlich einfach so verschwunden, fühlen Kinder sich verlassen und bekommen es mit der Angst zu tun. Sie denken dann auch in anderen Situationen, dass Mama plötzlich verschwinden kann. Das führt eher zu verstärktem Klammern. Mit einem eindeutigen Abschied kann auch dein Spatz schon etwas anfangen. Trotz Tränen lernt er, dass Mami nicht einfach so geht. Die Großeltern sollten anschließend Verständnis zeigen, kurz trösten und das Kind dann ablenken. Vielleicht ist der Lieblingskeks im Haus? Oder das Lieblingskuscheltier zur Hand? Und gab es da nicht noch leckeren Pudding als Nachtisch?

Klare Regeln vereinbaren

Vereinbare mit den Großeltern klare Verhaltensregeln. So fällt es Dir leichter, dein Kind abzugeben. Wann sollen sie anrufen? Wie sollen sie das Kind ins Bett bringen? Welche Geschichte können sie vorlesen? Was und wann soll es Abendessen geben? Es kann sein, dass Oma und Opa sich von deinen Regeln etwas überrollt fühlen – schließlich haben sie bereits erfolgreich ein oder mehrere Kinder großgezogen. Wenn du ihnen erklärst, dass du ihnen zwar voll vertraust, dir der Abschied so aber leichter fällt, werden sie sich aber daran halten. Großeltern finden die Regeln von jungen Mamis vielleicht manchmal übertrieben. Aber sie sollten immer bedenken, dass es für Eltern kein leichter Schritt ist, das Baby über Nacht wegzugeben. Das kostet – vor allem beim ersten Mal – jede Menge Überwindung. 

Jedes Kind ist anders

Während manche Kinder schon mit einem halben Jahr bei Oma und Opa übernachten, schaffen andere die Trennung erst viel später. Sei nicht enttäuscht oder gar frustriert, wenn dein Kind nur zu Hause schlafen möchte. Jedes Kind ist anders und hat seinen eigenen Charakter. Das kann sogar unter Geschwistern völlig unterschiedlich sein. Lieblingsspielsachen, Naschereien, Kuscheldecken und Co. können helfen – und gaaaanz viel Liebe und Geduld.

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Du möchtest eine Nacht ohne dein Baby verbringen? Dafür mit deinem Partner? Mit diesen Tipps und Tricks funktioniert es.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mama aus der Redaktion ließ ihren kleinen Spatz mit acht Monaten das erste Mal bei Oma übernachten. Der Grund war einfach: Sie erwartete das zweite Kind und wollte, dass das Babysitten inklusive Übernachtung bis zur Geburt reibungslos funktioniert. Sie schlief in dieser Nacht zwar sehr unruhig. Ihr Sohn genoss die Zeit bei den Großeltern aber ohne jegliche Störfälle oder Tränen und übernachtet seitdem regelmäßig alle zwei Monate dort.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.