Das Baby ist da: Was bedeutet das für die Beziehung?

DONNERSTAG, 28.06.2018

Wenn aus einem Liebespaar Eltern werden, verändert sich vieles. Ein echter Balanceakt, den unsere Autorin zu meistern versucht…

Mein ganzer Körper schien regelrecht vor Liebe zu strahlen, als ich mit unserem ersten Sohn nach der Geburt nach Hause kam. Mein Mann hatte die Wohnung von oben bis unten geputzt und aufgeräumt. Für den Abend hatten wir uns vorgenommen, Sushi zu bestellen und unsere kleine Familie zu zelebrieren.

Es wurde Abend, ich machte unseren kleinen Spatz bettfertig und wollte ihn zum Schlafen in seinen liebevoll gerichteten Korb legen – und schwupps öffnete er die Augen. Dieses Spiel wiederholten wir einmal, zweimal, dreimal …

Am Plan festhalten

Mein Mann bestellte unterdessen das Abendessen, rückte die Kissen auf der Couch zurecht und suchte nach einem passenden Film. „Schatz, kommst du dann?“ Nach 20 Minuten hatte ich immer noch kein Glück. Der Zwerg wollte sich einfach nicht ablegen lassen. Ich zweifelte. Machte ich etwas falsch? Nachdem mein Mann nochmal nach mir rief, suchte ich die Schuld bei ihm: „Wenn du so laut bist, kann er ja gar nicht schlafen.“

Der Retter in der Not

Weitere zehn Minuten später kam mein Mann ins Schlafzimmer getrottet. Mit Tränen in den Augen und Baby im Arm sah ich ihn an und flüsterte: „Er lässt sich nicht ablegen! Es funktioniert nicht. Ich kann das nicht.“ Mein Mann umarmte uns und schob uns ins Wohnzimmer. Wir setzten uns und der kleine Schatz schlief nach einer weiteren Mahlzeit bauchlinks auf der Brust seines Papas.

Couching mit Baby

Zeit für Sushi. Ich verspeiste das – nach neun Monaten Abstinenz – beste Sushi aller Zeiten und fütterte nebenbei noch meinen Mann. Der war durch den Lütten ja in seiner Bewegungsfreiheit leicht eingeschränkt. Der Film lief leise, um den Zwerg nicht zu wecken, und ich kuschelte mich an den besten Papa der Welt. Irgendwoher wusste er, dass wir einfach das Beste aus der Situation machen mussten, wenn einfach nichts so funktioniert, wie es geplant war. Und eigentlich war es so – zusammen mit dem Baby – noch sehr viel schöner als geplant.

Liebesleben? Fehlanzeige

Schwierig war (und ist) die Sache mit dem Sex. Vor allem für meinen Mann. Ihn stört es einfach nicht, wenn der kleine Mann im Beistellbettchen liegt, während wir Sex haben. Mich schon! Auch wenn er meint, er wäre ganz schnell fertig: Ich will das nicht! Zumal mir der Sex auch nicht so sehr fehlt wie ihm. Gerade die erste Zeit nach der Geburt konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, jemals wieder Sex aktiv zu werden. Nach etwa vier Wochen, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, wieder Geschlechtsverkehr zu haben. Das Thema hat uns viele nervenaufreibende Diskussionen beschert. Inzwischen haben wir einen Kompromiss geschlossen: Wir lieben uns, wenn der Kleine schläft – und zwar einfach woanders und nicht im Bett. Mein Mann darf so zwar nicht ganz so oft ran, wie er gerne würde, aber hey – es ist ein Kompromiss (und besser als gar nichts).

Rituale für die Liebe

Wir haben gelernt, einige schöne Rituale zu etablieren, um unsere Paarbeziehung nicht zu gefährden: Kleine Botschaften am Spiegel, wenn einer das Haus verlässt und der andere nach einer langen Nacht noch mit dem Baby kuschelt, liebevolle Nachrichten am Handy zwischendurch und die abendlichen FaceTime-Telefonate zur Bettgehzeit, wenn Papa mal wieder später dran ist. Nichts davon möchte ich missen. Denn es sind die kleinen Dinge, die plötzlich wichtig werden, wenn so ein Mini-Menschlein aus einem Liebespaar Eltern macht. 

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Das erste Babyjahr ist psychisch und physisch ein Kraftakt. Viele Beziehungen gehen leider in dieser Zeit in die Brüche. Unsere Autorin erzählt, wie sie und ihr Partner dieses erste Jahr überstanden haben.

MeinSpatz Gezwitscher

Pflegt eure Beziehung! Das Baby spürt, wenn die Liebe seiner Eltern auf der Strecke bleibt. Statistisch gesehen leben sich die meisten Paare im ersten Jahr nach der Geburt auseinander. Lasst es am besten gar nicht erst soweit kommen. Bucht den Babysitter, auch wenn es anfangs schwerfällt, den kleinen Liebling allein zu lassen. Nach einer Date-Night geht ihr mit frischem Elan und einem neu aufgeladenen Liebesbarometer in die nächsten Tage.