Das Baby ist krank, was tun? Eine Kinderärztin klärt auf

DONNERSTAG, 26.04.2018

Was tun bei Ohrenschmerzen, Fieber oder Husten? Ab wann musst du mit deinem Baby zum Arzt? Was ist ein Fieberkrampf? Unsere Kinderärztin beantwortet die wichtigsten Fragen.

Normalerweise hast du als Mama ein ganz gutes Gefühl dafür, wann mit deinem Kind etwas nicht stimmt und wann es besser ist, einen Arzt aufzusuchen. Doch es gibt auch Situationen, in denen wir uns unsicher oder kurz davor sind, in Panik auszubrechen. Damit du auch in kritischen Situationen einen kühlen Kopf bewahrst, haben wir einer Kinderärztin ein paar Fragen gestellt, die dir dabei helfen sollen, Unsicherheiten zu bewältigen. Frau Dr. Spatz möchte aus privaten Gründen gerne anonym bleiben. Das respektieren wir natürlich. Damit du sie trotzdem besser kennenlernst, hier ein paar Infos über sie: Frau Dr. Spatz arbeitet stundenweise in einer Kinderarztpraxis. Den Rest der Zeit kümmert sie sich um ihre beiden Kinder. Sie hat sich für den Beruf der Ärztin entschieden, weil es ihr am Herzen liegt anderen zu helfen „Ein bisschen war er mir in die Wiege gelegt und dann hat es sich so ergeben, dass ich einen sinnvollen Beruf wollte, den man auf der ganzen Welt ausüben kann und mit dem man aktiv der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Und dann entwickelte es sich Schritt für Schritt zur Kinderheilkunde. Auch wegen dem breiten Spektrum und natürlich vor allem wegen der Kinder. Ich hab einfach gemerkt, dass es mir liegt.“

Und hier kommt unser Interview mit Frau Dr. Spatz, zum Thema „Das Baby ist krank, was soll ich tun?“:

Ich bin mir extrem unsicher, ob mit meinem Kind irgendwas nicht stimmt. Was kann ich tun?

„Bei einem Baby, also einem Kind unter einem Jahr, oder einem „schlechten Bauchgefühl“ gilt immer: Vorstellung beim Kinderarzt!“

Mein Baby ist vom Wickeltisch auf den harten Fliesenboden gefallen. Muss ich sofort ins Krankenhaus fahren oder den Notarzt rufen?

Bei Bewusstlosigkeit, Apathie, Erbrechen oder offensichtlich schweren Verletzungen ruft man natürlich sofort den Notarzt.  Ist das nicht der Fall, weint das Baby normal und lässt es sich so beruhigen wie immer und ist im Anschluss auch so, wie man es kennt, reicht die zügige Vorstellung beim eigenen Kinderarzt. Bei Auffälligkeiten innerhalb der nächsten Tage wie Erbrechen, Trinkschwäche oder Schläfrigkeit muss ebenfalls eine ärztliche Vorstellung, meist dann auch eine stationäre Überwachung in der Kinderklinik erfolgen.“

In der Nacht bin ich vom bellenden Husten meines Babys aufgewacht. Es scheint nur schwer Luft zu bekommen und der Husten hört einfach nicht auf. Was soll ich tun?

„Das klingt nach dem sogenannten „Pseudokrupp“. Typisch ist der bellende Husten, die ziehende Atmung und das nächtliche Auftreten. Ursache ist eine Schleimhautschwellung im Kehlkopfbereich. Babys sind davon eher selten betroffen.

Wichtig ist zunächst, das Kind zu beruhigen, Fenster auf oder raus an die frische Luft zu gehen und evtl. etwas Kühles zu trinken. Alternativ kann feuchtwarme Luft helfen, wenn man im Bad das warme Wasser laufen lässt.

Meist tritt mit diesen Maßnahmen eine ausreichende Besserung ein. Falls nicht, muss man ggf. zur Inhalation in eine Kinderklinik fahren. Ansonsten sollte beim ersten Mal eine Vorstellung beim Kinderarzt am Folgetag zur Kontrolle erfolgen. Dort wird evtl. ein Cortisonpräparat als Notfallmedikation aufgeschrieben. Häufig tritt der gleiche Hustenanfall in zwei aufeinanderfolgenden Nächten auf. Damit muss man rechnen.“

Woran erkenne ich einen Fieberkrampf und wie reagiere ich angemessen?

„Ein Fieberkrampf kann bei jedem Kind auftreten und hat nichts mit Epilepsie zu tun. Ein Fieberkrampf entsteht im raschen Fieberanstieg, so dass man oft erst dann merkt, dass das Kind überhaupt Fieber hat.

Das Kind atmet auffällig anders, ist nicht ansprechbar, verdreht die Augen und bekommt manchmal auch blaue Lippen.

Bleiben Sie ruhig, sprechen Sie ruhig mit Ihrem Kind und stellen Sie sicher, dass es gut liegt und sich nicht verletzen kann. Nichts in den Mund stecken oder schieben!

Man kann ein Fieberzäpfchen geben oder falls schon häufiger aufgetreten, ein Notfallmedikament.

Es ist eine beunruhigende und manchmal eben auch unklare Situation, so dass man immer einen Arzt rufen wird und auch soll. Meist erfolgt dann auch die Aufnahme in die Klinik um unter Überwachung sicher zu gehen, dass es tatsächlich nur ein Fieberkrampf ist.“

Mein Baby hat Ausschlag am gesamten Körper und dazu hohes Fieber. Müssen wir zum Arzt?

Ein Baby mit Fieber, egal wie hoch, muss immer kinderärztlich gesehen werden. Zeigt sich nach einigen Tagen ein flüchtiger Ausschlag und ist das Fieber verschwunden, kann es sich um eine Form des „3-Tage-Fiebers“ handeln. Aber auch diesen Ausschlag würde man im Babyalter nochmal kurz seinem Kinderarzt zeigen.“

Mein Baby wirkt total apathisch und hat keine Kraft mehr zu trinken. Woran liegt das?

„Beides können Anzeichen einer ernsthaften Infektion sein und es muss eine kinderärztliche Abklärung erfolgen. Falls ein Neugeborenes einfach noch sehr müde ist, schläft es ruhig und trinkt dann die nächste Mahlzeit problemlos und hungrig. Mehr als eine Mahlzeit lässt ein gesundes Kind nicht aus.“

Mein Baby erbricht laufend und behält nichts mehr bei sich. Wie kann ich ihm helfen?

„Ein Baby, das laufend erbricht und nichts mehr bei sich behält, darf weiter Muttermilch oder Babynahrung trinken, so wie es möchte, zusätzlich kann man versuchen, löffelweise kleine Mengen davon beizubringen. Medikamente sollten unter einem Jahr in diesem Fall nicht, oder nur unter ärztlicher Aufsicht, gegeben werden. Dauert die Situation länger als wenige Stunden und ist das Kind schon kraftlos, dann sollte eine Aufnahme in der Kinderklinik erfolgen, um eine Austrocknung zu verhindern.“

Sind die U-Untersuchungen verpflichtend oder nur eine Empfehlung?

In Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sind die U1 bis U9 seit 2008 bzw. 2009 verpflichtend. Einige bayrische Kindertagesstätten und Schulen verlangen sogar bei der Anmeldung einen Nachweis, dass die Untersuchungen durchgeführt wurden. In allen anderen Bundesländern besteht keine Pflicht zur U-Untersuchung. Allerdings werden Eltern schriftlich eingeladen, wenn sie die Termine nicht wahrnehmen. Wird nicht innerhalb von vier Wochen ein Kinderarzt aufgesucht, werden Gesundheits- und Jugendämter darüber informiert.

Diese Untersuchungen helfen dabei, Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus sollen beispielsweise Missbrauch oder Vernachlässigung rascher aufgedeckt werden.

Wie reagiere ich, wenn mein Baby ein Kleinteil verschluckt hat?

„Wenn ich sicher bin, dass ein Kleinteil runtergeschluckt und nicht eingeatmet wurde (plötzlicher Hustenanfall etc.) und mein Kind unauffällig ist, kommt es auf Material, Größe und Art des Gegenstandes an. Vieles „rutscht“ gut durch und wird einfach wieder ausgeschieden. Das sollten Sie mit ihrem Kinderarzt klären, oft auch einfach nur telefonisch.

Ist ihr Kind auffällig, hat eine komische Sprache, schluckt den eigenen Speichel nicht mehr hinunter oder hustet, dann besteht die erste Hilfemaßnahme darin, in Kopftieflage mindestens 5x kräftig zwischen die Schulterblätter zu klopfen. Am besten legt man das Baby oder Kind dazu schräg über den eigenen Schoß. Bleibt dies erfolglos, muss eine rasche Vorstellung in der Klinik erfolgen. Je nach Situation durchaus auch in Notarztbegleitung.

Der Heimlichhandgriff ist im Kindesalter nicht erlaubt.“

Beim Aufgießen des Tees ist heißes Wasser über die Hand meines Babys gelaufen. Soll ich die Stelle sofort kühlen? Oder direkt zum Arzt?

„Generell gehören heißes Wasser und Kinder weit auseinander. Bitte nie mit Baby auf dem Arm mit Teekochern etc. und heißem Wasser hantieren auch keinen heißen Tee oder Kaffee trinken. Baby sicher ablegen und dann genießen.

Ist doch eine Verbrühung geschehen, sofort mit kaltem Wasser kühlen (Kühlpads nur aus dem Kühlschrank, nie aus dem Gefrierfach!!!), Schmerzzäpfchen geben und beim Kinderarzt vorstellen.

Ist es tatsächlich nur eine kleine leicht gerötete Stelle und die Haut intakt, dann reicht kühlen meist aus. Sollte doch noch eine Blase entstehen, diese nicht eröffnen und im Zweifel nochmal ärztlich beurteilen lassen.“

Mein Baby hatte seit mehreren Tagen keinen Stuhlgang mehr. Muss ich mir Sorgen machen?

Geht es dem Kind gut, muss man sich keine Sorgen machen. Bei Umstellung der Milchnahrung oder Beginn mit Beikost, oder auch mal bei Infekten kommt es häufiger zu leichten Verstopfungen.

Wenn Ihr Baby aber darunter leidet und regelhaft damit zu kämpfen hat, sollte eine rasche kinderärztliche Vorstellung und Beratung erfolgen.“

Wenn mein Baby erkennbar Ohrenschmerzen hat, darf ich es zunächst mit Zwiebelwickeln probieren oder muss ich sofort zum Arzt?

„Bei Kindern unter einem Jahr und Ohrenschmerzen muss immer eine Vorstellung beim Kinderarzt erfolgen. Insbesondere bei zusätzlich bestehendem Fieber.

Meist treten Ohrenschmerzen nachts besonders schlimm auf, dann gibt man auf jeden Fall immer ein Schmerzmittel in altersentsprechender Dosierung und abschwellende Nasentropfen in die Nase, damit es zu einem raschen Nachlassen der Schmerzen kommt. Zwiebelwickel sind dann immer ein bewährtes Hausmittel, das gerne zusätzlich eingesetzt werden kann.“

Vielen Dank für das Gespräch, das uns gezeigt hat, dass es echt wichtig ist, dass wir selbst erstmal Ruhe bewahren, um angemessen auf die jeweilige Situation reagieren zu können. Und dass es richtig gut ist, dass es Kinderärzte gibt, die unseren Kleinen beistehen – und natürlich auch uns!

Das Baby ist krank, was tun? Eine Kinderärztin klärt auf pin

Im ersten Babyjahr verbringen die meisten Mamas viel Zeit beim Kinderarzt. Ist ja auch logisch, dass man sich um den kleinen Spatz schnell Sorgen macht und manchmal auch etwas überfordert ist, wenn Krankheitsanzeichen auftauchen. Unsere Kinderärztin klärt auf: Was ist nicht weiter schlimm und wo ist Vorsicht geboten.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Frage hätten wir da noch, Frau Dr. Spatz: Hat sich deine Sicht auf den Beruf/auf deine eigenen Kinder durch deine Arbeit verändert?

„Natürlich, das ist immer so, bei jedem. Nur hat sich nicht der Blick auf meine Kinder geändert, die ich fast nie als Kinderärztin betrachte, sondern durch meine Kinder hat sich mancher Blick auf meinen Beruf und teilweise auch mein Vorgehen im Beruf geändert.“