Das vermisse ich als Mama am meisten

MONTAG, 07.01.2019 Andrea Huber

Mein Sohn ist fünf Monate alt und mein Leben als Mami größtenteils ganz wunderbar. Aber es gibt auch Momente, in denen ich mir wünsche wieder frei zu sein.

Unser Zwerg ist ein absolutes Wunschkind und versüßt uns das Leben im Minutentakt. Sein Lachen, die Liebe und dieses unglaublich schöne Gefühl eine Familie zu sein – alles ist so, wie ich es mir erträumt habe. Trotzdem. Es gibt Dinge, die ich sehr vermisse. Bei denen es mir schwerfällt auf sie zu verzichten. Schlaf? Nein, das war nie mein Problem. Ich bin weder Langschläfer noch Morgenmuffel. Wenn mein Kleiner nachts Hunger hat, stille ich. Morgens kuscheln wir noch lange im Bett. Ja, ich bin müde, aber Durch- oder Ausschlafen vermisse ich nicht.  

Mein Kind hat mir die Freiheit geklaut

Was mir wirklich fehlt, ist meine Freiheit. Dinge zu tun oder zu lassen, wann ich es will: der spontane Besuch bei Freunden. Oder der unerwartete Rotweinrausch mitten in der Woche, weil das erste Glas einfach zu lecker war. Die gelegentliche Zigarette am Abend auf der Terrasse. Den dreistündigen Besuch beim Friseur und danach einfach noch ab ins Kino. Serien Binge-Watching plus Pizza, Bierchen und Chips. Ich bin nicht mehr frei. Ich bin gebunden. Das war ich natürlich in meiner Beziehung auch. Dennoch gehörte ich hauptsächlich nur mir. Das ist jetzt erstmal vorbei. Ich gehöre meinem Baby. Diesem kleinen Wurm, der meinen Bauch als Wohnung besetzte, meine Brust als Nahrungsquelle in Beschlag nimmt und 24/7 meine volle Aufmerksamkeit für sich beansprucht. Seit sich der zweite Streifen auf dem Test blassrosa färbte, ordne ich meine Bedürfnisse seinen unter. Ich lebe gesund und trinke nur noch einen statt drei Kaffee. Mein Leben kreist um seines. Mein Körper nährt den seinen. Eine Tatsache, die ich sensationell finde. Ich teile gern mit meinem Kind. Es fasziniert mich, dass er in mir gewachsen ist und mein Brüste Milch für ihn produzieren. Er kann gerne alles von mir haben. Aber dass es mir so viel ausmacht auf meine Freiheit zu verzichten, kam überraschend.

Mir fehlt meine Kompetenz

Ich bin wirklich gern in Elternzeit – Mein Job ist ja noch da, wenn ich zurückkomme. Mir fehlen aber die Gespräche mit Kollegen, fachlich ernst genommen zu werden. Gefragt zu werden, wenn jemand Hilfe braucht, kompetent zu sein. Als Mami bin ich jeden Tag neu gefordert. Ja, über die letzten fünf Monate habe ich Erfahrung gesammelt und kann meiner hochschwangeren Freundin zumindest meine Sicht auf Geburt, Wochenbett und Co. weitergeben. Aber als fachlich kompetent würde ich mich deswegen noch lange nicht bezeichnen. Außerdem bin ich bei allem was kommt ein absoluter Neuling. Abstillen? Drei-Tage-Fieber? Windeldermatitis? Keine Ahnung!!! Ich mag es nicht unwissend zu sein. Natürlich unterhalte ich mich in der Spielgruppe mit anderen Muttis, meine Hebamme half mir und meine Mutter und Schwester stehen mit Rat zu Seite – wobei da natürlich auch jeder eine andere Meinung hat und die Tipps und Tricks in ihrer Ausführung stark variieren. Es ist auch schön, gemeinsam mit meinem Baby Neues zu lernen. Aber ich würde mich in dem was ich tue gerne sicherer fühlen.

Ich werde nur noch als Mami wahrgenommen

Ich bin nur noch Mami. Mir scheint, dass der Rest meines Persönlichkeitsprofils vollkommen verblasst. Ich werde nicht mehr angeflirtet, nicht mehr auf Partys eingeladen und anscheinend trauen mir meine Mitmenschen Gespräche über Politik, Arbeitsmarkt und Klimawandel weniger zu, als über Familie, Beziehung und den unter Müttern ach so beliebten Windelinhalt. Schon klar, dass mein Alltag genau damit gefüllt ist. Aber ich nehme trotzdem noch war, was um mich herum passiert. Nur weil mein Körper gerade Milch produziert, hört mein Gehirn nicht auf zu denken. Ich vermisse es unglaublich, als sexy und kluge Frau wahrgenommen zu werden. Zwar finde ich, dass "tolle Mama" eines der schönsten Komplimente ist. Aber ich bin eben nicht nur das oder besser gesagt: Das eine schließt das andere doch nicht aus, oder? Ich freue mich tatsächlich schon, wenn mir ein Mann auf der Straße etwas zu lang aufs Dekolleté starrt und das während die #metoo-Debatte in vollem Gange ist.

Übrigens: Wir arbeiten bereits an 2.0. Ich werde also noch länger auf Freiheit, Coolness und Co. verzichten müssen. Egal. Denn neben mir schnarcht gerade der wunderbarste Grund dafür friedlich vor sich hin.

Das vermisse ich als Mama am meisten pin

Unsere Autorin teilt ihre Erfahrungen mit uns: Sie liebt ihr Baby über alles, aber trotzdem gibt es da ein paar Dinge, die sie vermisst.

MeinSpatz Gezwitscher

Identitätsverlust nach der Geburt? Das kennt auch eine andere Mami aus der Redaktion. Sie schreibt in dem Artikel "Warum ich nicht immer die beste Mama der Welt sein kann" darüber, warum es manchmal einfach nur schwierig ist eine gute Mami zu sein.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.