Der Fläschchen Guide - Alles über Flaschennahrung

MITTWOCH, 05.09.2018

Du hast dich gegen das Stillen entschieden? Oder willst die Flaschennahrung ergänzend zur Muttermilch einführen? Alles Wissenswerte darüber, findest du in unserem Artikel.

Die Zusammensetzung von Milchpulvernahrung kommt der natürlichen Muttermilch sehr nahe. Daher brauchst du dir keine Sorgen zu machen, dass dein Baby schlecht versorgt wird, oder es irgendeinen Mangel erleidet. 

Welches Milchpulver

Das Angebot der verschiedenen Hersteller erschlägt dich im Geschäft? Pre-Milch, Folgemilch 1, Folgemilch 2, Probiotik, HA, Bio, Spezialnahrung … Mach dich nicht verrückt, wenn du dabei den Überblick verlierst. So schlimm ist es gar nicht, wenn du erst einmal weißt, worauf es ankommt. Für Neugeborene und Babys bis ca. 6 Monaten greifst du am besten zur sogenannten Pre-Milch. Sie ist der Muttermilch am ähnlichsten und beinhaltet keine zusätzlichen Sattmacher. Die Pre-Milch kannst du problemlos das gesamte erste Lebensjahr geben, bzw. bis dein Spatz das Fläschchen nicht mehr braucht. Viele Hebammen empfehlen das. Sobald du mit der Beikost beginnst, kannst du aber auch auf die etwas sämigere Folgemilch 1 wechseln. Diese enthält etwas mehr Stärke als Pre-Milch und ist für den Rest des ersten Lebensjahrs geeignet. Im Handel findest du auch die Folgemilch 2. Diese enthält noch mehr Eiweiß, Kohlenhydrate und Mineralstoffe. Viele Mamis greifen auf die 2er-Milch zurück, wenn der Hunger ihrer Babys größer wird, da sie noch sättigender ist. Unbedingt nötig ist das aber nicht..

Sogenannte Prä- oder Probiotika in Säuglingsnahrung sollen die gesunde Darmflora des Kindes fördern und stärken. Präbiotische Ballaststoffe dienen den wichtigen Darmbakterien (z. B. Bifidusbakterien) als Nahrung und hemmen somit die Vermehrung krankmachender Bakterien im Darm. Die Abwehr wird gestärkt und dein Baby hat meist eher weicheren Stuhl. In probiotischer Milch dagegen sind die Bifidusbakterien selbst enthalten. Sie siedeln sich lebend im Darm an. Die Wirkung ist dieselbe. 

Hersteller die mit "Bio"-Milchpulver werben, versprechen alle Zutaten aus biologischer Erzeugung zu verwenden.  

Ist dein Kind allergiegefährdet, greifst du – in Absprache mit dem Kinderarzt – zu spezieller hypoallergener (HA) Säuglingsmilch. Das allergieauslösende Kuhmilcheiweiß ist in HA-Milch so zerlegt, dass es besser verdaut werden kann und kaum mehr Allergien auslöst. 

Trinkmenge 

Die Trinkmenge orientiert sich am Alter deines Babys. Während Neugeborene die ersten Wochen bis zu 350 ml pro Tag verputzen, schaffen Babys mit 6 Monaten schon etwa 900 ml. Die Häufigkeit der Mahlzeiten richtet sich – wie beim Stillen – nach dem Bedarf des Kindes. Es sollten jedoch im Normalfall mindestens zwei Stunden zwischen den einzelnen Mahlzeiten liegen. Übrigens: zum 1. Geburtstag ist das Verdauungssystem so weit ausgebildet, dass dein Spatz ganz normale Kuhmilch trinken kann. Spezielle "Kindermilch" ist nicht nötig.  

Die Qual der Wahl: Flaschensysteme

Die Auswahl der Flaschentypen ist übersichtlich. Manche bevorzugen Glasflaschen, andere wiederum schwören auf BPA-freie Kunststoffflaschen aus Polypropylen oder Polyamid. Beide Flaschentypen lassen sich gut reinigen, allerdings sind Glasflaschen etwas schwerer und damit für unterwegs nicht ganz so gut geeignet. Bei der Auswahl der richtigen Trinksauger ist etwas mehr Geduld gefragt. Es gibt Sauger aus Latex oder Silikon, Sauger, die Koliken verhindern sollen und die anatomische Formung des Gaumens berücksichtigen. Da heißt es: Ausprobieren, was deinem Kind am ehesten liegt. Wichtig ist am Anfang, dass das Loch am Sauger nicht zu groß ist, denn sonst verschluckt sich dein kleiner Spatz an zu viel Milch. Das Saugen selbst darf deinem Säugling ruhig ein wenig Mühe bereiten, damit die Mund- und Zungenmotorik gefördert wird. Das ist besonders wichtig, wenn du parallel noch stillst. Denn beim Stillen muss sich das Baby ziemlich anstrengen – und wenn das Trinken mit dem Fläschchen zu gut klappt, lehnt es womöglich die Brust früher oder später ganz ab. Die Sauger gibt es in verschiedenen Größen und passen sich der Gaumen- und Zahnentwicklung deines Kindes an. Zudem gibt es sogenannte Tee- und Milchsauger. Hier variiert die Größe der Sauglöcher. Spätestens wenn die Trinksauger brüchig werden, ist es an der Zeit, sie durch neue zu ersetzen.

Hygienisch rein

Hygiene ist bei der Ernährung mit Fläschchen das A und O. Daher gilt: Nach der Mahlzeit sollten Flasche und Sauger mit heißem Wasser, milder Seifenlauge und einer eigenen Flaschenbürste gründlich gereinigt werden. Zum Trocknen und Aufbewahren verwendest du am besten ein sauberes Geschirrtuch. Manche Mütter fühlen sich wohler, wenn sie jeden Sauger und jede Flasche nach jedem Gebrauch mit einem Sterilisator keimfrei machen – zumindest in den ersten sechs Monaten. Das ist laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jedoch gar nicht nötig. Diese empfiehlt nämlich nur, die Gummisauger gelegentlich auszukochen.

Tipps zur Zubereitung: Gerührt und nicht geschüttelt

Jeder Hersteller von Milchpulver liefert auf der Packung eine detaillierte Anweisung zur Zubereitung der Flaschennahrung. Erster Schritt: Deine Hände sollten immer sauber sein. Dann: Achte unbedingt auf die richtige Pulvermenge. Beim Mischen sollte auch nicht zu viel Luft unter die Milch gehoben werden. Das könnte deinem Baby sonst Bauchschmerzen verursachen. Daher empfiehlt es sich, das Pulver vorsichtig einzurühren und nicht wild zu schütteln. Bis vor kurzem galt noch die Empfehlung, das Leitungswasser in den ersten 6 Monaten abzukochen. Nach neusten Erkenntnissen ist das aber nicht mehr nötig. Das Ärzteblatt schreibt hierzu: "Zur Zubereitung der Nahrung kann frisches Leitungswasser verwendet werden. „Standwasser“ (das mehrere Stunden in Hausleitungen gestanden hat) soll verworfen werden, da erhöhte Schwermetallgehalte und eine Biofilm-Bildung an Wasserhähnen auftreten können. Die Verwendung von Trinkwasser verbietet sich bei Bleileitungen (in manchen Altbauten) und bei nicht geprüften Hausbrunnen. In solchen Fällen sollte für Säuglingsernährung geeignetes, abgepacktes Wasser benutzt werden. Von der Verwendung haushaltsüblicher Wasserfilter wird abgeraten, da hier erhöhte Keimzahlen oder kontaminierende Substanzen auftreten können."

Du kannst auch stilles, natriumarmes Mineralwasser verwenden. Achte auf die Kennzeichnung auf der Flasche "Für die Zubereitung von Baby- und Säuglingsnahrung geeignet". Das ist gerade für unterwegs eine praktische Sache. Hier einfach noch heißes Wasser in einer Thermoskanne mitnehmen und dann beides mischen. Die richtige Trinktemperatur (Körpertemperatur, höchstens 40 Grad) checkst du am besten an der Innenseite deiner Unterarme. Die Milch sollte warm aber nicht heiß sein. So stellst du sicher, dass sich dein Spatz nicht die Zunge verbrennt und die Nährstoffe in der Säuglingsnahrung nicht abgetötet werden. Manche Mamas schwören auf Flaschenwärmer. Damit bringst du die Milchnahrung sanft auf Temperatur. Es gibt sie auch zum Mitnehmen. 

Praktisch für unterwegs

Wenn dein Spatz unterwegs hungrig wird, gibt es praktische Milchportionierer, in die du die nötige Menge Milchpulver schon vorportionieren kannst. Auch clever aber nicht ganz günstig: Fertig gemischte Trinknahrung im Tetrapack oder kleine To Go-Fläschchen. Die sind schon fertig gemixt und müssen nur noch erwärmt werden. Genereller Tipp: Lieber immer zwei Portionen mehr mitnehmen, dann bist du unterwegs flexibler und musst nicht nach Hause, nur weil du kein Milchpulver mehr hast.

Wie häufig Fläschchen geben?

Säuglinge haben noch keinen festen Essens-Rhythmus entwickelt. Das passiert erst nach einigen Wochen oder Monaten. Ein Baby braucht immer gleich Nahrung wenn es Hunger hat. Deshalb auf jeden Fall nach Bedarf füttern. Zu Beginn der Mahlzeit die Lippen des Babys am besten mit dem Sauger kurz berühren und dann warten. Dein Schatz soll den Sauger selbst einsaugen. Bitte nicht gegen den Willen des Kindes einfach in den Mund schieben, das kann dazu führen, dass du später Probleme beim Füttern bekommst. Eine Mahlzeit soll in den ersten Wochen ca. 20 Minuten dauern. Und keine Sorge, wenn dein Baby nicht immer gleich viel trinkt. Manchmal haben es mehr und manchmal weniger Hunger. Auch die Abstände zwischen den Mahlzeiten können unterschiedlich sein. Wichtig ist nur, dass dein Spatz über den Tag verteilt auf die vorgesehene Gesamtmenge kommt. Sollte das über mehrere Tage nicht der Fall sein, unbedingt mit der Hebamme oder dem Kinderarzt besprechen.

Kuschelfaktor

Das Füttern deines Kindes kannst du so gestalten, wie es eine stillende Mama auch macht. Halte Dein Kind im Arm, baue Blickkontakt auf und unterhalte dich mit deinem Baby dabei. Trage wenn möglich ein ärmelloses T-Shirt oder knöpfe die Bluse auf. Denn der Hautkontakt stabilisiert das Baby. Instinktiv verbindet dein Spatz mit dem Trinken deine Wärme und Nähe und entwickelt ein gutes, wohliges Gefühl. So kann auch mit Flaschennahrung eine gute Mutter-Kind-Bindung entstehen, und dein Baby gesund groß werden. Auch hin und wieder die Seite zu wechseln macht Sinn. Und noch etwas: Lass dir von niemandem einreden, dass du dein Baby unbedingt stillen musst! Auch mit Flaschenmilch bekommt dein Kind die Nährstoffe, die es braucht, um groß zu werden. Dein Kind, deine Entscheidung. 

Der Fläschchen Guide - Alles über Flaschennahrung pin

Gerade bei der Allergieprophylaxe liegt die Flaschennahrung sogar noch vor der Muttermilch. Bei hoch belasteten Familien funktioniert Spezialnahrungen häufig besser, da auch andere Eiweißstoffe aus der Nahrung der Mama in die Muttermilch übergehen.

MeinSpatz Gezwitscher

Ein Tipp einer Mama aus der Redaktion: "Immer, wenn mein Baby schlimme Bauchschmerzen hatte, habe ich die Pulvermilch mit Baby-Fencheltee angerührt. Das macht die Milch noch bekömmlicher und entspannt das Bäuchlein."