Emotionale Entwicklung: Welche Gefühle hat mein Baby?

MONTAG, 17.09.2018

Von Beginn an drücken Babys Vergnügen, Ekel, Interesse oder Überraschung aus. Doch wann entwickeln sich die Gefühle so wie wir sie kennen? 

Die große Gefühlsbandbreite mit Angst, Liebe, Wut, Eifersucht oder Erleichterung kennt ein Neugeborenes natürlich noch nicht. Dein Baby differenziert und erlebt seine unterschiedlichen Empfindungen in erster Linie als Wohlgefühl oder Unbehagen. Gefühle wie Überraschung und Vergnügen und ihre negativen Pendants drückt dein Neugeborenes schon in den ersten Tage durch seine Mimik aus.

Gefühle werden gelernt

Als Mama kennst du die Gefühlsbotschaften deines Babys, deutest sie intuitiv und reagierst dementsprechend darauf. Diese Erfahrungen und das Miteinander mit Menschen ermöglichen deinem Kind seine Gefühle einzuordnen und zu verfeinern. Nach und nach sowie in engem Zusammenhang mit der geistigen und sozialen Entwicklung erlernt dein Baby, wie Gefühle sich verändern. Es entwickelt seine persönliche emotionale Ausdrucksfähigkeit. 

Gefühle sind ansteckend

Vor allem in den ersten Lebenswochen wirst du feststellen, dass sich dein Baby schnell von deinen Empfindungen anstecken lässt. Es passt sich deiner Gefühlswelt an. Verspürst du beispielsweise Stress oder Nervosität? Dann wird auch dein Baby unruhig. Bist du gelassen und glücklich entspannt sich dein Spatz sofort. Denk dran, wenn du vielleicht mitten in einem Streit mit deinem Partner steckst. Versucht eure Diskussion nicht gerade vor eurem Kind zu führen.

Die erste wahre Freude 

Zwar versteht dein Baby einen fröhlichen Gesichtsausdruck noch nicht völlig, trotzdem wird es dir ab dem Alter von etwa sechs Wochen die erste deutliche Freude zeigen. Wenn du beim Spielen oder Wickeln mit deinem Kind sprichst, antwortet es dir mit einem zufriedenen Gesicht und lächelt dich vielleicht sogar schon an. In diesem Alter ist dein Baby bereits in der Lage  deine Mund- und Zungenbewegungen nachzuahmen. Es strampelt aufgeregt mit den Beinen und Armen, um dir sein Wohlbefinden zu signalisieren. 

Schreien je nach Anlass

Nach der Geburt kann dein Spatz durch sein Schreien und Weinen zunächst nur allgemeines Unbehagen signalisieren. Mit etwa zwei Monaten ist er bereits in der Lage sein Schreien je nach Anlass zu variieren. Dein Baby kann seine Laute beispielsweise an Hunger, Müdigkeit oder den Wunsch nach Zuwendung anpassen. Das Beste: Als Mama erkennst du sofort, was es gerade fühlt und von dir möchte. Der Mutterinstinkt ist wirklich eine feine Sache. Und die Erfahrung tut ihr Übriges dazu.

Ärger und Traurigkeit 

Bis dein Baby Empfindungen wie Ärger und Traurigkeit ausdrücken kann, dauert es etwa drei bis vier Monate. Dann nämlich kann es dir beispielsweise durch sein Augenbrauenzusammenziehen signalisieren, dass es gerade mächtig sauer ist. 

Die ersten starken Gefühle

Gefühle wie Furcht oder Trennungsangst entwickelt dein Baby etwa im Alter zwischen sechs und acht Monaten. In dieser Zeit fühlen sich viele Kinder bei fremden Personen zunehmend unwohl. Auch das sogenannte "Fremdeln" setzt in unterschiedlichster Ausprägung in dieser Phase ein. Jetzt kann es vorkommen, dass dein Baby nachts wieder häufiger aufwacht und nicht mehr einschlafen will. Grund hierfür ist oftmals die Trennungsangst, die dein Kind als erstes starkes Gefühl entwickelt. In beiden Fällen, sowohl bei der Trennungsangst als auch beim Fremdeln, steckt die Natur dahinter. Sie hat dafür gesorgt, dass ein Kind die elterliche Nähe so lange sucht, wie es sie für seine Entwicklung benötigt. Da die emotionalen und geistigen Fähigkeiten mittlerweile so stark entwickelt sind, erlebt das Kind die Trennung von Mutter oder Vater in dieser Phase stärker als zuvor. Lass dein Kind nicht allein, wenn es dich braucht. Der gute Rat von Oma und Opa, den Spatz "einfach mal schreien zu lassen" ist nämlich längst überholt. Heute wissen wir, dass Kinder sich einfach nur allein gelassen fühlen. Zwar hören sie irgendwann mit dem Weinen auf, doch nur aus Resignation und mit dem Gefühl, dass niemand kommt und ihnen hilft. Sind Mami und Papi aber da, wenn das Baby weint und nehmen es in den Arm, schenken sie ihrem Kind Geborgenheit und das unglaublich wichtige Urvertrauen in diese Bindung. 

Reaktionen richtig einordnen

Nach etwa neun Monaten ist dein Baby in der Lage zu erkennen, worauf du ängstlich, ärgerlich oder freudig reagierst. Wenn dein Spatz beispielsweise bei einem plötzlichen lauten Geräusch nicht weiß, wie er reagieren soll, orientiert er sich an deiner Reaktion. Bist du ängstlich, wird er auch Angst haben. Sieht er dich dabei fröhlich, wird er sich ebenfalls freuen.

So unterstützt du dein Kind 

Am besten unterstützt du die emotionale Entwicklung deines Babys, indem du ihm Liebe und Geborgenheit schenkst. Du braucht keine Angst davor zu haben, deinen Spatz zu verwöhnen. Im ersten Lebensjahr ist das schlichtweg gar nicht möglich. Sei bei jedem Schreien für dein Kind da und gibt ihm das Gefühl, dass es nicht alleine ist.

Auch wenn dein Baby nach der Geburt die ersten Gefühle erlebt, ist es noch nicht in der Lage damit umzugehen. Das Trösten, Beruhigen und Ablenken ist zunächst noch dein Part. Je älter dein Kind wird, umso mehr wird es versuchen selbst mit seinen Gefühlen zurechtzukommen. Um deinen Spatz dabei zu unterstützen, kannst du ihn zum Beispiel nach dem Schlafen gehen auch mal etwas nörgeln lassen. Vorausgesetzt natürlich du bleibst in seiner Nähe. So hilfst du deinem Kind zu lernen, wie es sich in Situationen, in denen es sich unwohl fühlt, selbst beruhigen oder ablenken kann. Wenn du deinem Spatz in seinen ersten Lebensmonaten in unbehaglichen Momenten das Gefühl von Nähe und Geborgenheit gegeben hast, wird es ihm leichter fallen selbst mit deinen Gefühlen zurechtzukommen. ​Bis dahin sind Mama und Papa seine wichtigste Stütze.

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Um die emotionale Entwicklung deines Spatzes zu unterstützen brauchst du vor allem eines: Liebe.

MeinSpatz Gezwitscher

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