Erfahrungsbericht: Mein Leben mit Stoffwindeln

DONNERSTAG, 21.06.2018

Ganz natürlich in Stoff gewickelt – ist das wirklich so gut und sinnvoll, wie Anhänger dieser Wickelmethode behaupten? Eine Mama erzählt …

Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ich meine Kinder wickeln will. Sie schienen mir einfach zu praktisch zu sein, diese Wegwerfwindeln. Und die Umweltfrage habe ich mir ehrlich gesagt nie gestellt. Bei unserer Tochter war das auch kein Problem. Doch dann kam mein Sohn …

„Schau dir das mal an!“

Wenige Tage alt lag er vor meiner Hebamme auf dem Wickeltisch. Sie schaute ihn an und stellte ganz nüchtern fest: „Der verträgt die Windeln nicht – schau dir das mal an!“ Ich Rabenmutter hatte den roten Ausschlag um seine Beinchen für Druckstellen gehalten. Dabei schien er tatsächlich allergisch auf die Windeln zu reagieren. Anfangs dachte ich, ich könne das Problem ganz einfach durch Ökowindeln in den Griff bekommen. Könnte ja sein, dass er „nur“ auf die Parfumstoffe allergisch reagiert. Dumm nur, dass auch Ökowindeln einen gewissen Kunststoffanteil haben. Und genau das schien das Problem unseres Sohnes zu sein.

Ein Buch mit sieben Siegeln

Also fing ich notgedrungen an, mich in die Geheimnisse der Stoffwindelwelt einzulesen. Und ja – es ist eine Wissenschaft für sich.. Lieb gemeint war das Carepaket einer Freundin, die ihre Kinder aus Überzeugung in Stoff gewickelt hat. Mit praktischen Windelhöschen, in die eine Einlage gelegt wird. Tja – blöd, dass auch Windelhöschen dank Gummizug und Verschluss Kunststoff enthalten, die die sensible Haut meines Sohnes tatsächlich nicht an sich ranlassen wollte. Das Ende vom Lied: Wir wickelten unseren kleinen Spatz fortan mit Frotteetüchern sowie einer Vlieseinlage (die sich ganz bequem in der Toilette runterspülen ließ) und einem Wollhöschen drüber. Was natürlich zu einem gewissen Volumen im Schritt führte – aber egal: Die Haut unseres Sohnes erholte sich zusehends. Und das war ja die Hauptsache! Für unterwegs nahm ich einfach Öko-Wegwerfwindeln her – da musste er einfach durch.

Viel Arbeit

Die ersten Wochen mit den Stoffwindeln waren hart. Nicht nur, dass das Wickeln an sich länger dauerte, weil ich einfach noch unsicher war, wo jetzt welche Klammer hingehört. Dazu kam das ständige Waschen (selbstverständlich nur mit einem Biowaschmittel ohne Enzyme oder Bleichstoffe). Und dann noch das Falten der Windeln. Ja, richtig gehört! Die Frotteetücher waren quadratisch. Also zeigte mir meine Hebamme eine Technik, wie ich die Tücher schon vorab falten konnte, damit ich sie dann schon fertig hatte, wenn wieder Wickeln auf dem Programm stand.

Besonders nachts ging mir die Stoffwindelwickelei gehörig auf die Nerven. Denn bei einer Kombination aus Baumwollvlies, Frotteetuch und Wollüberhose sollte man nicht allzu lange warten mit Wickeln. Nicht nur, weil das Material nur bedingt Feuchtigkeit aufnimmt, sondern auch, weil es ziemlich unangenehm riecht. Abgesehen davon, dass sich mein Sohn bemerkbar machte, wenn er zu lange in der nassen Windel lag, weil es ihm ungemütlich wurde. Nichts von wegen „bis zu 12 Stunden Trockenheit“ …

Alles wird gut

Aber: Irgendwann fühlte ich mich nicht mehr als Sklavin der Windeln. Das Falten der Tücher hatte beinahe etwas Meditatives, das Waschen erledigte ja die Waschmaschine quasi von allein. Und die Haut meines Sohnes dankte es mir. Kurz vor seinem ersten Geburtstag stand aber die Frage an: Was tun, wenn er in die Krippe kommt? In Stoff wickeln war den Erzieherinnen ja nicht zumutbar. Also entschieden wir uns dafür, ihm die Ökowindeln mitzugeben und ihn zuhause weiter mit Stoff zu wickeln. Diese Kombination hat sich bewährt.

Mein Fazit: Aus ökologischen Gründen macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, das Baby mit Stoff zu wickeln. Das ganze Waschen kostet Energie und Wasser. Und auch, wenn man die Windeln vom Windelservice holen lässt, wird der Energieverbrauch nicht geringer (da kommt ja dann auch noch der Benzinverbrauch und Co. dazu). Aber: Für die sensible Babyhaut ist Stoff bestimmt die bessere Wahl! Ich habe mich immer wieder gefragt, was genau die Hersteller alles in ihre Produkte reinhauen, dass sie so supersaugfähig sind. Ganz ohne Chemie kann das ja gar nicht funktionieren.

Trotzdem: Freiwillig würde ich mich immer wieder für Wegwerfwindeln entscheiden – wenn auch für die Ökovariante. Aus Überzeugung habe ich nie mit Stoff gewickelt, sondern „nur“, weil ich keine Wahl hatte. Im Rückblick bin ich mir sicher, dass wir unserem Sohn damit etwas Gutes getan haben – und das ist schließlich die Hauptsache!

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Der Umwelt zuliebe liegen Stoffwindeln wieder im Trend. Unsere Autorin hat ihn allerdings eher unfreiwillig mitgemacht.

MeinSpatz Gezwitscher

Du interessierst dich für Stoffwindeln? In dem Artikel „Stoffwindeln im Test“ auf sueddeutsche.de erfährst du ein paar spannende Dinge rund ums Thema.