Erfahrungsbericht: Soll ich mein Baby pucken?

MONTAG, 28.05.2018

Funktioniert Pucken für jedes Kind? Einschlafhilfe oder Schreigrund: Zwei Mamas berichten von ihren Erfahrungen.

„Dann puckst du sie eben!“ Ich weiß nicht, wie oft ich diese Worte von meiner Nachsorgehebamme zu hören bekam. Nicht, dass meine Tochter ein besonders betreuungsintensives Baby gewesen wäre. Aber sie war anfangs doch noch recht klein und dünn, konnte lange ihre Körpertemperatur nicht halten und hatte auch sonst ziemliche Anpassungsschwierigkeiten. Also riet mir die Hebamme, sie zu pucken. Das wollte ich auch tun. Wirklich! Ich habe mir das zeigen lassen. Und mein Bestes gegeben. Immer wieder. Nur, um es dann wieder zu lassen, nachdem die Kleine geschrien hat wie am Spieß und blau angelaufen ist.

Tolle Idee – aber es funktioniert einfach nicht

Grundsätzlich finde ich das eine echt gute Idee, das mit dem Pucken. Es macht für mich absolut Sinn, dem Kind die Enge und Geborgenheit des Mutterleibes zu geben – auch außerhalb des Bauchs. Nur leider hat es bei uns so gar nicht funktioniert. Woran das lag? Ich glaube ja, dass der Charakter meiner Tochter schuld war, dass es bei uns nicht funktioniert hat. Sie mochte es vom ersten Tag an nicht, wenn es ihr zu eng wurde. Und hat sich freigestrampelt. Viel lieber lag sie, zusammengerollt wie ein kleines Äffchen, auf dem Bauch in ihrem Bettchen oder sonst wo – mit viel Luft und Raum um sich herum. Auch wenn das der Theorie widerspricht, dass Kinder eine Begrenzung brauchen. Übrigens: Unsere Tochter hat sich auch in der Babytrage und im Tuch nie wohlgefühlt. Erst mit vier Monaten hielt sie es auch mal in der Tragehilfe aus, ohne sich die Seele aus dem Leib zu schreien.

Inzwischen ist meine Tochter sechs Jahre alt – und kuschelt für ihr Leben gern. Und wickelt sich auch Abend für Abend eng in ihre Zudecke ein. Ob sie sich so die Nähe, die sie als Neugeborenes nicht haben wollte, wieder zurückholt? 

Eng eingewickelt beruhigte sich mein Sohn

Mein großer Sohn war von Anfang an zappelig, laut und wild. Er kam einfach nicht zur Ruhe, musste alles bestaunen und entdecken. Nur, wenn ich ihn fest in den Arm nahm, ihn nah bei mir hielt und er meine Körperwärme spürte, beruhigte er sich. Ich hatte schon vor der Geburt viel über das Pucken gelesen und probierte es auch bald aus. Was soll ich sagen: Er liebte es von der ersten Sekunde an. Ich besorgte mir verschiedene Pucktücher. Sie funktionieren mit einem Klettverschluss. Die Ärmchen werden in vorgenähte Schlaufen gesteckt, die mit einem Klettverschluss eng am Körper befestigt sind. „Wie eine Zwangsjacke“, hat mein Mann immer gesagt. Die Beinchen durften mit etwas Platz in dem kleinen Fußsack kuscheln. Unser Sohn liebte es und schlief plötzlich mehrere Stunden am Stück durch.

Er hatte einen ausgeprägten Moro-Reflex, der ihn immer wieder aus dem Schlaf riss. Der Reflex ist allen Babys angeboren. Es handelt sich dabei um das plötzliche Hochreißen der Ärmchen – mit dem Pucken wird dieser Reflex unterbunden. Der Moro-Reflex stammt aus einer Zeit, als die Menschen noch Fell trugen und Babys sich bei Gefahr plötzlich am Bauch oder Rücken ihrer Mutter festklammern mussten. Mit etwa drei Monaten verlieren die Kinder den Reflex, bei meinem Sohn dauerte es vier Monate. Gepuckt schlief er ruhig und sehr zufrieden. Ohne Pucktuch war der Reflex so ausgeprägt, dass er davon aufwachte.

Nach Rücksprache mit meiner Hebamme trug ich den Kleinen bereits ab der dritten Woche in einer Babytrage. Auch diese liebte er von Anfang an. Ich konnte stundenlang mit ihm darin durch die Stadt spazieren, er schlief oder entdeckte neugierig die Welt – eng an mich gebunden. Auch mein zweiter Sohn liebte die Trage über alles. Das Pucken allerdings war gar nichts für ihn. Er wollte Arme und Beine frei bewegen. Auch heute noch schläft der Große eng in seine Decke und an die Wand gekuschelt, während der kleine Bruder alles was Decke ist von sich wegstrampelt und am liebsten wie ein kleiner Seestern mitten auf dem Bett ausgebreitet liegt. Das ist das Wichtigste, was ich als Mutter gelernt habe: Nur, weil eine Sache bei einem Baby funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es bei meinem Baby auch so ist. 

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Pucken vs. freies Strampeln. Zwei Mamas haben es ausprobiert und sind zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

MeinSpatz Gezwitscher

Mit einem Pucksack gelingt das Pucken schnell und einfach: "Swaddle me" bietet viele wunderschöne Designs und verschiedene Größen. Bei den "Puckababy"-Schlafsäcken soll ein Bauchband zusätzlich gegen Bauchkrämpfe helfen. Die klassischen Pucktücher geben viel Halt, sind aber etwas komplizierter zu wickeln. Übrigens: Nicht jedes Baby mag jeden Pucksack. Am besten probiert ihr direkt im Fachhandel ein paar Varianten aus.