Hört mein Baby auch mal auf zu schreien?

FREITAG, 11.01.2019 Andrea Huber

Eine Mama erzählt ganz ehrlich, wie sie das viele Weinen ihres Babys erst erschreckt und später einfach nur genervt hat. 

Ich hatte schon davon gehört: Die gefürchteten Dreimonats-Koliken waren gerade DAS Gesprächsthema unter meinen Mami-Freundinnen. Gemeine Weinkrämpfe, stundenlange nächtliche Wachphasen mit viel Gejammer und die völlige Verweigerung sich ablegen zu lassen. Ich konnte mir das gar nicht wirklich vorstellen. Bislang weinte mein Kleiner zwar ab und zu, aber meistens nur weil er Hunger hatte. Doch dann ging es auch bei uns los.

Nichts als Weinen und das 24/7

Mit guten drei Monaten begannen die Bauchschmerzen und mein süßes und braves Baby weinte plötzlich unglaublich viel. Gefühlt rund um die Uhr. Tagsüber konnte ich ganz gut damit umgehen. Ich hatte ihn immer ganz nah bei mir in der Trage. Die Wärme, Enge und das Schaukeln taten ihm gut, wenn sich sein Bäuchlein verkrampfte. Dann weinte er zwar immer wieder, beruhigte sich aber schnell und schlief dann meistens unter leisem Wimmern ein. Sobald ich ihn aber aus der Trage nahm und auf die Couch legte, ging das Geschrei wieder los. Also wieder zurück in den Kängurubeutel und weiterschaukeln.

Nachts wurde ich zum Zombie

Am Abend beruhigte sich unser Spatz meistens für kurze Zeit und schlief gute zwei Stunden relativ ruhig. Doch kaum legten wir uns ins Bett, ging es wieder los: herzergreifend weinend, die Füßchen immer wieder ruckartig an den Bauch ziehend lag der kleine Mann neben uns im Bett. Stillen, Zureden, Streicheln – nichts davon half. Die einzige Möglichkeit unser Baby zu beruhigen, war ein großer grüner Pezziball. Wir nahmen den Zwerg fest in den Arm und hüpften sitzend auf dem Wunderteil auf und ab. Stundenlang. Denn sobald der Zwerg endlich eingeschlafen war und wir uns mit ihm ins Bett legen wollten, ging es wieder von vorne los. Nach einer schlaflosen Woche war ich einfach nur noch müde. Und total genervt.

Mein Essen ist fertig? Jetzt wird losgeschrien!

Als unser Spatz etwa fünf Monaten alt war, wurden die nächtlichen Schreiattacken langsam weniger. Wir bekamen wieder mehr Schlaf und somit war auch der Tag wesentlich entspannter. Unser Würmchen entwickelte sich prächtig und war ein richtiger Strahlemann. In meiner unglaublichen Naivität dachte ich: Jetzt ist es geschafft. War es aber gar nicht. Das Weinen verlagerte sich nur: Er weinte jetzt beim Autofahren, beim Wickeln und platzte plötzlich vor Wut auf seiner Krabbeldecke mitten im Wohnzimmer. Dann lag er wie ein Käfer auf dem Rücken, streckte alle Viere von sich und schrie so laut und durchdringend, dass sein kleines Gesichtchen puterrot wurde. Und noch eine Macke hatte er sich mittlerweile angewöhnt: Er wartete meistens damit bis ich mich müde und hungrig vor meinen Teller setzte, das Besteck in die Hände nahm und den ersten Bissen zum Mund führte. Egal wann oder wo – sobald ich etwas essen wollte, ging es los mit dem Theater.

"Das ist sicher nur ein Schub"

Als Mama höre ich diesen Satz ja überall. Ich sage ihn auch gern. Alles ist eine Phase oder ein Wachstumsschub oder einfach typisch Junge, typisch Mädchen, typisch Sandwichkind ... Wir wollen das Verhalten unserer Kinder eben gerne einordnen und in Schubladen packen, damit wir das Gefühl bekommen, dass schlaflose Nächte und endlose Stunden voller Weinen und Schreien völlig normal sind. Und das sind sie auch. Nur eben verlaufen sie überall ein wenig anders. Was mir durch die Zeit geholfen hat? Einfach auch mal über mein Kind zu motzen. Zuzugeben, dass mich das ständige Geschrei einfach auch mal nervt und ich mich gerade nach ein paar Stunden Ruhe für mich sehne. Zum Glück konnte ich unsere kleine Nervensäge in solchen Momenten meistens für eine oder zwei Stunden abgeben. An den Papa, an Oma und Opa oder an eine der beiden Tanten. Die hatten kein Problem mit ein paar Stunden weinen und ich kam danach zu unserem Engel zurück. Glücklich, zufrieden und voller Sehnsucht nach dem Zwerg.

Hört mein Baby auch mal auf zu schreien? pin

Dass Babys vor allem anfangs so viel schreien, 3-Monats-Koliken und Anpassungsschwierigkeiten sei Dank, hat auch unsere Autorin überrascht. Und gestresst. 

MeinSpatz Gezwitscher

Unsere Kinder sind wunderbar und süß und nervig. Natürlich dürfen wir Mamas die Zeit mit Baby aber auch einfach mal anstrengend finden: Warum wir nicht immer die beste Mami der Welt sein können.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.