Mama übt noch: Ode an den Nasensauger

DIENSTAG, 27.11.2018 Patricia Renoth

Oder: Die Sinnhaftigkeit und Unsinnigkeit mancher Babyprodukte. Unsere Kolumnistin Patricia Renoth erklärt dieses Mal wie es dazu kam, dass sie ihrer Tochter die Nase mit dem Staubsauger freigesaugt hat.

Seien wir mal ehrlich, es gibt da schon einige unnütze Dinge, die man für Babys kaufen kann. Wahrscheinlich werden sie ganz speziell nur für uns unsichere Erstlings-Eltern entwickelt, die sich quasi alles und von allem das Teuerste andrehen lassen, weil sie eben alles richtigmachen wollen. Oder wie erklärt es sich sonst, dass ein Kinderwagen für 1300 € überhaupt Abnehmer findet? Gut, das ist vielleicht so eine Statussymbolsache: Mein Haus, mein Auto, mein Kinderwagen. Aber es gibt auch Dinge, die quasi schon von vorne herein die imaginäre, fette, blinkende Aufschrift tragen „Kauf mich nicht, ich bin komplett überflüssig.“ Bestes Beispiel: ein Wärmer für Feuchttücher. Wie viele Babys es schon gab, die sich an den fiesen, eiskalten Tüchern verkühlt haben, lässt sich gar nicht aufzählen. Sag jetzt bitte nicht, du hast einen Zuhause?!

Manche Fehlkäufe muss man wohl machen

Dann gibt es noch die Kategorie der Fehlkäufe, die jede Mama machen muss, um einzusehen, dass es nichts bringt. Ich meine damit u. a. diese süßen kleinen Schuhe für Babys. Sie sind einfach so wahnsinnig niedlich, wie sie da im Regal stehen. Und wie bezaubernd müssen sie dann erst am Mini-Füßchen meines Schatzes aussehen? Ja, das tun sie auch – ungefähr 5 Sekunden. Denn Babys haben einfach keine Lust auf Schuhe. Auch wenn sie Mädchen sind.  Schon erstaunlich, was so kleine Menschen für Kräfte entwickeln, um die ungeliebten Treter wieder loszuwerden. Und dann gibt es noch die – wie ich sie nenne – Bedarfs-Fehlkäufe. Das sind Produkte, die für die eine Familie wie der heilige Gral sind und für die andere Familie nur unnützer Ballast. Solche Dinge also, die sich je nach Bedarf als unnütz oder sogar sehr nützlich erweisen können und deshalb häufig kontrovers diskutiert werden. Dazu zählen Windeleimer, Heizstrahler und Laufställe. Hier sollte man tunlichst auch vorsichtig mit Empfehlungen an Freunde sein. Ein „Kauft euch das bloß nicht!“, sollte nur gut überlegt ausgesprochen werden. Ebenso ein „Kauft euch das unbedingt!“. Und da gibt es wirklich nur wenige Dinge, die ich bedenkenlos weiterempfehlen würde. Neben der Wippe von Babybjörn und dem Regenwaldspielbogen von Fisher-Price, ist das auf jeden Fall der Nasensauger für den Staubsauger.

Nasensauger für den Staubsauger? Das muss ein Witz sein!

Als ich das erste Mal davon gehört habe, dachte ich noch an einen Scherz. Ich fand die Vorstellung extrem befremdlich und hab´ mich auch nicht mehr weiter damit befasst. Dafür habe ich mir in der Drogerie einen kleinen Nasensauger zum Pumpen besorgt. Denn das Problem, dass Babys nicht Schnäuzen können war mir durchaus bewusst. Und das daraus resultierende Problem, dass die Kleinsten der Kleinen dann nicht gut schlafen, wenn sie keine Luft bekommen und extrem übellaunig werden können, habe ich dann am eigenen Leib erfahren dürfen. Und auch, dass diese Pumpsauger zu der Kategorie gehören, die ich oben schon erwähnt habe: Man muss sie testen, um zu sehen, dass es keinen Sinn macht. Überhaupt nicht. Meine Tochter hasste es, etwas in die Nase gesteckt zu bekommen und es gab ein riesen Geschrei. Der Effekt dagegen war kaum vorhanden. Ein Fall für die Mülltonne. Irgendwann bin ich dann in einer Zeitschrift noch mal über die Nasenabsaugung per Haushaltsgerät gestolpert. Eine Mama schwärmte davon in den höchsten Tönen. Ich war immer noch skeptisch. Aber die nächste Erkältung kam unweigerlich und mit ihr die Rotznase. Und ehe ich mich´s versah, stand ich in der Apotheke und kaufte das vermeintliche Wunderwerk.

Der erste Test

Abends packte ich das Ding zusammen mit meinem Mann aus und wir steckten es in den Staubsauger. In der Packungsanleitung stand, dass das Gerät die Saugkraft selbst reguliert und das Absaugen des Sekrets effektiv und schonend vonstattengehen würde. Mir schossen da eher andere Bilder durch den Kopf. Etwa wie wir mit unserem unschuldigen Staubsauger, Teile des Gehirns unseres ebenfalls unschuldigen Babys abtransportieren würden. Ein rotzfreies Kind mit vermindertem IQ, erschien mir jetzt nicht wirklich erstrebenswert. Obwohl, ein rotzfreies, nachts schlafendes Kind…

Letztendlich war das Vertrauen in ein häufig empfohlenes und in der Apotheke erwerbbares Produkt doch so groß, dass wir einen Versuch wagten. Vorher testeten wir die Saugstärke an unserer Hand. Sie erschien uns in Ordnung. Und was soll ich sagen. Es hat funktioniert. Innerhalb von ein paar Sekunden hatten wir sämtliches Sekret aus der Nase unseres Sprösslings herausbefördert. Und die Menge war wirklich erstaunlich. Durch das komplett durchsichtige Gerät, verfolgt man den Rotz in Echtzeit von der Nase bis zum Auffangbehälter. Natürlich ist der Sauger jetzt auch kein Wundergerät. Unsere Tochter fand es immer noch ätzend etwas in der Nase zu haben und der Prozess an sich ist sicher auch nicht wahnsinnig angenehm. Aber das Gefühl danach umso mehr. Denn die Nase ist wieder frei. Und das merkte auch unser Spatz. Es ist doch so: Kinder haben selbst wenn sie irgendwann schnäuzen können, meistens keine Lust darauf. Und der Vorteil bei dem Aufsatz für den Staubsauger ist auf jeden Fall, dass es so fix geht. Bevor das Kind überhaupt anfangen kann sich in Rage zu schreien, ist schon alles passiert. Auch wenn ich es vorher nie gedacht hätte: Ich räume die Nase meines Schatzes mit dem Staubsauger frei. Und ich liebe es. Weil es endlich mal kein überflüssiger Babyschnickschnack ist, sondern wirklich was bringt.

Denn leider bin auch ich anfällig für überflüssigen Babyschnickschnack, genau wie die meisten anderen frischgebackenen Eltern. Da wäre z. B. die Sache mit dem Lauflernwagen. Meine Tochter ist fleißig damit rumgerollert, um dann mit etwa 17 Monaten selbst zu laufen. Ja, das ist spät. Ich weiß. Hat wirklich was gebracht dieses Gerät. Erste Sahne. Mama übt noch.

Dem Baby mit dem Staubsauger die Nase absaugen? Unsere Kolumnistin konnte es erst nicht glauben und testete es dann doch. Lies hier ihren Erfahrungsbericht.

MeinSpatz Gezwitscher

Nach kurzer Recherche im Netz habe ich tatsächlich ein Baby gefunden, dass die Nasenabsaugung per Staubsauger völlig entspannt über sich ergehen lässt. Das gibt es also auch. Interessant.

Patricia Renoth

Sie wünscht sich mehr Toleranz unter Mamas (und natürlich Weltfrieden). Genießt das Leben mit Ehemann, Räubertochter und Kater. Ist keine Latte-Macchiato-Mum sondern von der Chai-Latte-Fraktion. Und mischt als Redaktionsleiterin von Anfang an bei MeinSpatz mit.