Mamas hört endlich auf übereinander zu lästern

MONTAG, 30.07.2018

Warum tratschen Mütter eigentlich übereinander, anstatt sich zu unterstützen? Unsere Autorin rechnet mit den Läster-Schwestern ab.

Liebe Mamas, ich bin wütend. Auf mich, auf euch, auf uns alle. Warum? Weil wir offenbar nichts Besseres zu tun haben, als gegenseitig übereinander herzuziehen. Wie ich das hasse: Diese ständigen Lästereien, denen Mütter ausgesetzt sind. "Bei denen daheim sieht es so krass aus, was macht die denn den ganzen Tag?" "Sie hat gar nicht gestillt." "Die arbeitet schon wieder so viel, warum hat sie denn überhaupt Kinder bekommen?" "Die lässt ihrem Kind viel zu viel durchgehen." Was fällt uns ein, andere Mamis zu bewerten – und ich nehme mich da gar nicht aus. Ich selber ertappe mich immer wieder dabei, wie ich das Verhalten anderer Mütter mit meinen Freundinnen zerpflücke. Was haben wir nur davon?

Wir kennen es alle – und lästern trotzdem

Wir wissen doch alle, wie anstrengend der Alltag mit Kindern sein kann. Wir kennen doch die Situationen, in denen wir unseren Nachwuchs mal lauter als nötig zurechtweisen, weil unsere Nerven eben auch nicht aus Stahl sind. Wie oft bin ich zu müde, um auch noch die Wohnung zu saugen. Also lasse ich es einfach. Und ja, wenn der Job stressig war und der Nachmittag anstrengend, dann darf mein Baby auch mal zu Oma, damit ICH in Ruhe ein Glas Wein trinken kann. Ich bin nicht die perfekte Mutter, über mich gibt es sicher viel zu lästern. Eines ist klar: Wir können es uns gegenseitig offenbar nicht recht machen. Vor allem aber sind wir dem Anschein nach alle Experten für das Familienleben anderer. Warum ist das so? Wollen wir damit unsere eigenen Fehler kaschieren? Uns besser fühlen? Ja vermutlich und das ist zum Teil sogar verständlich, aber warum tragen wir das auf dem Rücken unserer Mitstreiterinnen aus? Wir bewerten, verurteilen, wissen es besser. Warum sind wir so anmaßend und denken, wir verstünden den Alltag und die Routine anderer Muttis, nur weil wir ab und zu einen flüchtigen Blick darauf erhaschen?

Wo kommt sie her, die Lust am Lästern?

Warum lästern wir im Flüsterton über die Mama, deren Kind gerade den schlimmsten Wutanfall aller Zeiten mitten in der Fußgängerzone hat, anstatt ihr irgendwie beizustehen? Und die Mutter, die ihren Spatz gerade wütend in aller Öffentlichkeit zurechtweist, wird auch ihre Gründe haben. Wir Mütter brauchen ein Netzwerk. Wir brauchen Solidarität und Unterstützung. Wir brauchen sicher niemanden, der uns sagt, wie es besser geht – das hören wir schon oft genug von anderen. Wir brauchen Verständnis, ein aufmunterndes Lächeln oder einfach mal ein "Ich kenne das auch." Und wenn es uns scheinbar so brennend interessiert, dieses Leben der anderen, warum gehen wir dann nicht einfach auf sie zu und bieten unsere Hilfe an?

Getratscht wird immer

Das Verrückte an der ganzen Läster-Situation ist: Wir wissen alle, worüber getrascht wird. Darüber, dass der Kuchen für den Kindergeburtstag nicht selbstgemacht war. Darüber, dass Mutter XY mal wieder echt fertig aussah und bestimmt auch Eheprobleme hat. Darüber, dass das Kind total verzogen/nicht erzogen/überbehütet/vernachlässigt ist. Wir kennen alle die Themen, denn wir wälzen sie nur zu gern hin und her. Und genau das führt dazu, dass wir uns alle die größte Mühe geben, nach außen hin perfekt zu wirken. Nur um zu verhindern, dass wir selbst Opfer ebendieser Lästerattacken werden. Wir bauen uns gegenseitig unglaublichen Druck auf und müssen als Konsequenz dann heile Familienwelt spielen, um den Erwartungen gerecht zu werden. Das ist doch absurd, oder?

Perfekt? Gibt es nicht!

Liebe Mamis da draußen: Niemand ist perfekt. Wir alle machen Fehler. Daraus lernen wir. Wir alle versuchen täglich Kids, Job, Beziehung, Haushalt und alles, was es sonst noch gibt, unter einen Hut zu bringen. Manche Tage sind toll, andere für die Tonne. Die meisten sind einfach nur ganz normal. Aber jetzt stellt euch doch mal vor, wie wir uns fühlen würden, wenn wir wüssten, dass die anderen Mütter uns nicht 24/7 bewerten. Wenn wir wüssten, dass wir jederzeit um Hilfe bitten könnten. Wenn keine Augen gerollt würden und es kein Tuscheln gäbe, sondern ein aufmunterndes Lächeln und Gesten voller Verständnis. Wie viel besser wären unsere Tage!? Wenn wir uns nicht mehr entschuldigen müssten, dass die Wäsche nicht gemacht und die Wohnung nicht gesaugt ist – einfach, weil es gar kein Thema ist. Wenn wir uns nicht rechtfertigen müssten, warum wir etwas so und nicht anders tun, weil alle wüssten, dass jeder seinen Weg hat und jeder Weg gut ist. Wenn nur noch zählen würde, ob wir unsere Kinder von Herzen lieben und ihnen ein Zuhause voller Leben, Lachen und Geborgenheit geben. Ganz ehrlich? Ich stell mir das unglaublich toll vor ...

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Warum machen sich eigentlich Mamas untereinander das Leben so schwer?

MeinSpatz-Gezwitscher

Auch unsere Kolumnistin Patricia Renoth wehrt sich gegen den Mama-Perfektionismus. Hier erzählt Sie, warum wir uns oft das Leben zu schwer machen und warum Rabenmütter eigentlich ganz tolle Mamas sind.