Meine Brüste nach dem Stillen

MITTWOCH, 16.01.2019 Andrea Huber

Ich bin überzeugte Still-Mami und habe meine beiden Kinder ein halbes Jahr lang mit Muttermilch versorgt. Nach dem Abstillen erkannte ich meinen Körper nicht wieder.

Ich war schon immer eher rund als schlank. Skinny Jeans waren nichts für mich. Dafür verfügte ich seit meiner Pubertät über eine recht gelungene Oberweite, die mir einige bewundernde Blicke einbrachte. Da Frau ihre Vorzüge ja betonen soll, tat ich das auch. Aus freien Stücken und gerne. Bauchfrei war bei mir nicht drin – die Speckröllchen versperrten leider die freie Sicht auf mein Sixpack. Also achtete ich immer auf ein schönes, wohlproportioniertes Dekolleté. Warum ich das alles hier so detailliert berichte? Weil nach dem Stillen davon nichts mehr übrig war.

Wow, mein Busen explodiert

Ich bin ein absoluter Fan des weiblichen Körpers. Body positivity bedeutet für mich, dass Frauen sich in ihrer Haut wohlfühlen, egal ob skinny oder XXL. Und es bedeutet für mich auch, dass wir Mädels uns nicht permanent gegenseitig bewerten. Jeder so, wie er mag – und ich mochte meinen Busen. Mochte. Vergangenheit. Aber dazu gleich mehr. Erstmal war ich schwanger und lieeeebte es. Ich konnte die Veränderungen kaum abwarten und feierte jede noch so kleine sichtbare Wölbung. Mein Busen wurde immer größer und praller. Allerdings auch extrem empfindlich: Meine normalen BHs störten mich plötzlich, neue mussten her. Zwei Körbchengrößen mehr – wow. So richtig beeindruckend war es direkt nach dem Milcheinschuss. Ich erinnere mich noch, wie ich ehrlich erstaunt war: "Wie zwei Bowlingkugeln". Sie sahen fast unecht aus und waren so groß und voll, dass meine Muttermilch regelmäßig über das Gesicht meines Sohnes kleckerte, wenn dieser eine kurze Trinkpause machte.

Was vom Busen übrig blieb, war traurig

Während ich meinen ersten Sohn noch stillte, wurde ich wieder schwanger. Mein Busen blieb üppig und rund und gefiel mir tatsächlich ziemlich gut. Ich fühlte mich sehr wohl als Mami, fand mich wirklich schön als Schwangere und war mit mir voll im Reinen. Ich nahm während meiner Schwangerschaft tatsächlich nur an Bauch und Busen zu, was auch daran lag, dass ich wegen eines Schwangerschaftsdiabetes sehr auf meine Ernährung achten musste. Nach den Entbindungen waren die wenigen Zusatzkilos dank Stillen schnell wieder weg. Was blieb waren schöne Kurven. Bis zu dem Tag, als ich mich entschied, auch meinen zweiten Sohn abzustillen. Von Woche zu Woche wurden meine Brüste kleiner und sehr weich. Je weniger Milch ich produzierte, desto trauriger sah mein Busen aus. Kein Wunder, schließlich war die Aufgabe, die Mutter Natur der weiblichen Brust eigentlich zugeteilt hat, jetzt erledigt. Plötzlich arbeitslos. Klar, da hängt jeder erstmal unmotiviert rum.

Dann betone ich ab jetzt eben meinen Po

Auf einmal fühlte ich mich wirklich unwohl. Sogar mein Mann, der meinen Körper in jeglichem Zustand gesehen hat und immer noch liebt, war baff: "Krass" war sein Kommentar, als ich mich vor ihn stellte und ihm zeigte, was vom Busen übrig blieb. Die Brüste hingen schlaff und ausgepowert an mir herab und erinnerten nicht im Entferntesten an die sexy Kurven von früher. Natürlich hab ich geweint. Allerdings nicht lange, denn nach ein paar Minuten tapste mein Großer ins Bad und strahlte mich an. Okay! Dafür hat es sich gelohnt. Dann ist mein Po eben ab jetzt mein Vorzeigekörperteil. So schlecht ist der ja auch nicht …

Hurra! Hurra! Plötzlich war der Busen wieder da

Das klingt ein wenig, als wäre ich sehr fixiert auf meine Oberweite. Ganz so ist es nicht, und immerhin verspürte ich auch noch nie das Bedürfnis, meinen Brüsten Namen zu geben. Mein Busen bekam auch ohne VIP-Status schon genug Aufmerksamkeit. Nun war es also vorbei, er ging in den Ruhestand und ich fand mich damit ab. Zum ersten Mal kaufte ich mir gepolsterte BHs, pushte hier und da ein wenig und verzichtete auf supertiefe V-Ausschnitte. Wobei das auch langsam Zeit wurde, so mit Ende 30. Mehr Klasse, weniger Masse. Auch gut. Dann, so ganz nebenbei, fast schon unbemerkt, auf jeden Fall sehr langsam kehrten die Kurven zurück. Meine Oberweite polsterte sich gemeinsam mit meinen Hüften wieder auf. Der weibliche Körper ist eben einfach sensationell. Zu welcher Transformation er während Schwangerschaft, Geburt und Stillen fähig ist, erstaunt mich immer wieder. Als ich eines Tages nach dem Duschen in den Spiegel sah, war alles wieder wie vor meinen Schwangerschaften. Naja, fast. Nicht ganz so straff, hier und da mit einem Streifchen mehr, aber prall und "griffig". Und ja, mein Mann freute sich mit mir. Ganz selbstlos, versteht sich …

Meine Brüste nach dem Stillen pin

Die Brüste unserer Autorin befanden sich nach dem Abstillen in einem beklagenswerten Zustand.

MeinSpatz Gezwitscher

An alle Mamas die gerade abgestillt haben: Die Form, die deine Brust jetzt hat, ist nicht in Stein gemeißelt! Medizinisch gesehen ist es völlig normal, dass der Busen nach der Stillzeit eine andere Form als vorher hat. Denn der Drüsenkörper hat sich zurückgebildet und der darüber liegende Hautmantel ist nun etwas zu weit. Auch die stützenden Fettreserven, die während der Schwangerschaft eingelagert wurden, sind aufgebraucht und fallen weg. Aber: Du kannst etwas dagegen tun. Je besser die Haut und das Bindegewebe durchblutet sind und der Brustmuskel trainiert wird, desto schöner wird dein Busen wieder. Und manchmal geht es sogar wie oben beschrieben, ganz von selbst... 

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.