Papa in Elternzeit: „Ich würde es wieder tun.“

FREITAG, 11.05.2018

Wir haben zwei Papas zur Gesprächsrunde getroffen. Lohnt sich die Elternzeit für die Väter überhaupt und würden sie es wieder tun? 

Bei Joachim (46 / Projektleiter) ist die Elternzeit schon ein Weilchen her. Sein Sohn ist mittlerweile 6 Jahre alt. Sein Arbeitskollege Muris (41 / Senior Editor) ist erst vor einem Jahr Papa geworden und frisch aus der Elternzeit mit seiner Tochter (1) zurückgekehrt. Ihr Fazit? Hat sich die Zeit gelohnt?

Ihr habt euch entschieden, in Elternzeit zu gehen. Warum?

Joachim: Ich wollte mehr intensivere Zeit mit meinem Sohn und meiner Frau, also als Familie, verbringen.

Muris: War bei mir genauso: Um für mein Kind da zu sein, meine Frau zu entlasten und den Start ins Leben meines Kindes so gut es geht, mitzubekommen und mitzugestalten.

Und? Wie war’s?

Joachim: Naja, zum Teil war es die erhoffte intensivere Zeit, zum Teil überlagerte aber der ganz normale Alltag die „Auszeit“.

Muris: Wunderschön und gleichzeitig anstrengend, aber ich möchte keinen Moment missen. Meine Tochter hatte den Luxus, Mama und Papa rund um die Uhr bei sich zu haben. 

Hat sich die Elternzeit gelohnt, oder denkt ihr, dass ihr euch die Zeit hättet sparen können?

Muris: Also ich würde das jederzeit wieder machen. Ich wüsste nicht, was es Wichtigeres gäbe. Oder?

Joachim: Stimmt. Auch für mich hat sie sich gelohnt. Ich würde sie auch jederzeit wieder nehmen, aber anders gestalten und eine Reise als Familie unternehmen.

Wie haben eure Vorgesetzten reagiert, als ihr Elternzeit beantragt habt?

Muris: Sehr wohlwollend und unterstützend. Ich wurde sogar an Termine erinnert. Ich denke, da habe ich vielleicht Glück gehabt mit meinem Arbeitgeber.

Joachim: Da kann ich mich nur anschließen. Sie reagierten sehr verständnisvoll, als ich ihnen mein Vorhaben erklärte.

Und eure Kollegen?

Joachim: Da auch einige männliche Kollegen bereits Elternzeit genommen hatten, war deren Reaktion durchweg positiv.

Muris: Ja, sie schienen sehr interessiert und aufgeschlossen. Ich denke, das wird für sie sicherlich auch Thema sein.

Und eure Eltern und Schwiegereltern? Haben sie euch das zugetraut, oder dachten sie, dass ihr das ohne Mama nicht hinbekommt?

Joachim: Ach, meine Frau war zu der Zeit auch noch in Elternzeit, insofern musste ich nicht allein klar kommen. Mein Umfeld hätte es mir aber zugetraut, ja.

Muris: Bei uns haben sich die Großeltern da relativ herausgehalten. Da ist leider eine größere räumliche Distanz da. Aber ich bin mir sicher, dass sie mir die Elternzeit durchaus zugetraut haben.

Glaubt ihr, dass eure Frau stolz auf euch ist, weil ihr Elternzeit genommen habt? Oder war es selbstverständlich für sie?

Joachim: Hmmm, ich glaube „stolz“ ist der falsche Ausdruck, aber sie freute sich natürlich darüber.

Muris: Meine Frau ist sicherlich stolz auf mich. Allerdings hat sie auch ganz deutlich gemacht, dass sie es sich für unsere kleine Familie wünscht, dass der Vater seine Tochter aufwachsen sieht und eine möglichst große Rolle in der Anfangszeit ihres Lebens spielt.

Habt ihr euch aus freien Stücken dafür entschieden, Elternzeit zu nehmen? Oder spielten wirtschaftliche Gründe bzw. eure Partnerin eine Rolle?

Muris: Das war meine Entscheidung, die würde ich, wie gesagt, jederzeit wieder so treffen. Aber wirtschaftlich ist sie nicht. Man muss schon echt kürzertreten. Wenn ich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte entscheiden müssen, hätte ich mich gegen die Elternzeit entschieden.

Joachim: Ich habe mich auch aus freien Stücken entschieden, wirtschaftlich war es wirklich eher eine Einbuße.

Aus gesellschaftlicher Sicht: Glaubt ihr, dass es mittlerweile ganz normal ist, dass ein Papa Elternzeit nimmt? Oder ist es immer noch komisch?

Joachim: In manchen Firmen oder Branchen ist es inzwischen sicherlich ganz normal, in anderen wird man weiterhin als Exot betrachtet, oder es wird einem sogar geraten, darauf zu verzichten.

Muris: Ich glaube, die Gesellschaft hat damit kein Problem. Das Problem ist eher: Wie stemmt man diese Zeit finanziell? Ich denke, da müsste der Staat etwas mehr investieren.

Glaubt ihr, dass diese Zeit für euch und euer Kind gut war? Einfach mal nur Papa-Baby-Quality Time – ohne dass Mama ständig reinquatscht?

Joachim: Wir hatten und haben im Alltag, auch ganz ohne Elternzeit, eigene Zeit nur für uns. Insofern würde ich die zwei Monate nicht überbewerten in dieser Hinsicht.

Muris: Ganz ehrlich? Ohne die Mama läuft nichts!!! Auch wenn Väter Zeit mit ihren Kindern ohne die Mama verbringen, so ist die im Vorfeld meistens von der Mama geplant und strukturiert worden.

Ward ihr froh, als ihr wieder zurück im Job ward?

Joachim: Also ich nicht. Ich wäre gern noch länger in Elternzeit geblieben, aber finanzielle und berufliche Aspekte ließen es aus meiner Sicht nicht zu.

Muris: Für mich hat die Belastung mit der Rückkehr in die Arbeit deutlich abgenommen. Mama zu sein, ist ein verdammt harter Job. Leider so schlecht bezahlt!

Was uns Mamas am meisten interessiert: Wisst ihr jetzt mehr zu schätzen, was wir Tag für Tag leisten?

Muris: Definitiv weiß ich noch mehr, was meine Frau zu Hause jeden Tag leistet. Auch ein Grund, jederzeit wieder Elternzeit zu nehmen.

Joachim: Mir war das auch vorher schon bewusst, da ich von Beginn an eng miteingebunden war.

Wie fällt euer Abschluss-Fazit zum Thema „Papa in Elternzeit“ aus?

Joachim: Die Erfahrung inzwischen zeigt mir, dass es besser ist, sich in der Elternzeit örtlich zu verändern, sprich in Urlaub zu fahren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass diese besondere, vielleicht sogar einmalige Zeit, in der normalen Alltagsumgebung versandet. Im Urlaub kann man sich viel besser auf die Familie konzentrieren als zuhause.

Muris: Ich würde jedem Vater raten, Elternzeit zu nehmen, sei es wirtschaftlich auch noch so eng. Viel zu viel der wertvollen Momente mit seinem Kind würde man sonst nicht erleben. Das erste Wort vielleicht oder den ersten Gehversuch, die vergisst man nie. Gebt auch euren Kindern, die Möglichkeit euch kennenzulernen. Euch zu erleben, wenn ihr euch freut oder wenn ihr lacht oder vielleicht streng seid, eure Kinder werden euch dankbar sein. Am Ende der Elternzeit aber werdet ihr zurückblicken und selbst nur dankbar sein.

Elternzeit Erfahrungsbericht aus Papa-Sicht pin

Ein Elternzeit-Erfahrungsbericht aus Papa-Sicht: 2 Väter im Gespräch.

MeinSpatz Gezwitscher

Wenn Mama und Papa Elternzeit nehmen wollen, müssen sie das rechtzeitig beantragen. Was du sonst auch noch bereits in der Schwangerschaft angehen solltest, verrät dir unser Artikel „Elternzeitantrag und Co.: To Do’s in der Schwangerschaft“.