Plötzlicher Kindstod: Was du dazu wissen musst

FREITAG, 05.01.2018

Der unerwartete Verlust eines Kindes durch den plötzlichen Kindstod ist für Eltern kaum zu verkraften. Verständlich, dass die Angst davor riesig ist.

Die Fragen nach dem Warum, den Ursachen, Symptomen oder frühen Warnzeichen werden immer wieder heiß diskutiert und verunsichern vor allem die Eltern von Neugeborenen. Zwar ist das Sudden Infant Death Syndrome, kurz SIDS, dank intensiver Aufklärung und Prävention in Deutschland nicht mehr so weit verbreitet. Dennoch haben frischgebackene Eltern enorme Angst vor dieser Diagnose.

Keine Krankheit - sondern eine Diagnose

Ein scheinbar gesundes Baby verstirbt ohne Vorwarnung. Meist passiert es im Schlaf, plötzlich und unerwartet. Warum manche Kinder einfach aufhören zu atmen, ist immer noch nicht vollständig geklärt. Fest steht: Die Atmung wird unregelmäßig und ist geschwächt, was zur Bewusstlosigkeit und einer Art Herz-Kreislauf-Stillstand führt.

Was sind die auslösenden Faktoren?

SIDS geistert als Schreckgespenst durch die Köpfe vieler Eltern. Kein Wunder, denn die Ursachen sind nach wie vor nicht abschließend geklärt. Es lassen sich allerdings bestimmte Faktoren nachweisen, die das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhen. Dazu zählen unter anderem:

-       Überwärmung des Kindes im Schlaf

-       Schlafen in Bauchlage

-       Schlafen im Bett der Eltern

-       Rauchen oder Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft

-       Sauerstoffmangel beim Schlafen

-       Kinder mit Neigung zu Atemstillständen (über 15 Sekunden)

-       Kinder mit starkem Untergewicht bei der Geburt

-       wiederkehrende virale und bakterielle Infekte 

-       Verzicht auf Stillen, bzw. frühes Abstillen

Wie kann ich das Risiko mindern?

Um potenzielle Risikofaktoren zu verringern, können Eltern einiges tun. Angefangen bei der Schlafumgebung sind folgende Tipps zu beachten:

-       Das Kind sollte im eigenen Babybett im Elternschlafzimmer schlafen

-       Das Babybett sollte nicht neben der Heizung oder in der Sonne stehen

-       Beim Schlafen Rückenlage bevorzugen

-       eine feste atmungsaktive Matratze verwenden

-       auf Kuscheltiere, Kopfkissen, Nestchen oder Ähnliches verzichten (können das 

        Atmen behindern)

-       Schlafsack statt Bettdecke benutzen

-       Raumtemperatur im Schlafzimmer liegt idealerweise zwischen 16 und 18 Grad

        Celsius (der Nacken des Kindes sollte warm, aber frei von Schweiß sein)

-       striktes Rauchverbot in der Umgebung des Kindes

-       mindestens zwei Monate Stillen reduziert das Risiko

Die weiter abnehmende Zahl an SIDS-Fällen zeigt, dass die Präventionsmaßnahmen greifen und mittlerweile den meisten Eltern bekannt sind.

Verdacht auf Atemnot

Bei einem Verdacht auf Atemstillstand oder Atemnot des Kindes sind folgende Maßnahmen durchzuführen: Das Kind versuchen aufzuwecken und zu stimulieren (Vorsicht: Auf keinen Fall das Kind schütteln, dadurch können Hirnblutungen ausgelöst werden). Wenn das nicht gelingt, eine Wiederbelebungsmaßnahme durch Mund-zu-Nase-Beatmung einleiten, bis der Notarzt kommt.

Bei Atempausen in Verbindung mit blau werdenden Lippen und blassem Gesicht ist ebenfalls ein Arzt zu konsultieren. Häufiges Erbrechen, zu starkes Schwitzen und generell schweres Wecken des Kindes müssen medizinisch untersucht werden.

Wer gehört zur Risikogruppe?

In den Industrienationen zählt der plötzliche Kindstod zur häufigsten Todesursache bei Säuglingen unter einem Jahr. Die Häufigkeit in Deutschland liegt bei 58 Fällen pro 100.000 Lebendgeburten. Die meisten Fälle treten zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat auf. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Ist ein Geschwisterkind bereits am plötzlichen Kindstod gestorben, wird das Neugeborene gründlichst untersucht. Unregelmäßigkeiten bei der Atmung sowie EKG, Blutzucker und Blutbild werden analysiert, um frühzeitig eingreifen zu können. Eine Untersuchung im Schlaflabor kann diesen Risikokindern helfen. Ein medizinisches Überwachungsgerät schlägt zuverlässig Alarm, wenn es zu Atemaussetzern kommt.

Kontrovers

Bei einem zeitlichen Zusammentreffen von Impfungen im ersten Lebensjahr und dem plötzlichen Kindstod wurde lange ein Zusammenhang gesehen. Im Deutschen Ärzteblatt werden viele Untersuchungen zu dem Thema vorgestellt. Es gibt diesbezüglich keinen wissenschaftlichen Nachweis für den Zusammenhang von Kinderimpfungen und plötzlichem Kindstod.

Sensoren für Kinder

Kinder mit besonders hohem Risiko für SIDS können mit speziellen Überwachungsgeräten (Heim-Monitoring) bei der Atmung kontrolliert werden. Diese Heim-Monitore sind jedoch verschreibungspflichtig. Ohne medizinische Verordnung können Überwachungssysteme wie Angelcare® und Babysense eingesetzt werden. Diese bestehen aus Sensormatten, Babymonitor oder Bewegungsmelder. Die Sensormatte liegt unter der eigentlichen Matratze und registriert die Atembewegungen des Kindes. Kommt es über einen bestimmten Zeitraum zu keiner Bewegung, wird ein Alarm ausgelöst.  Kinderärzte und Hebammen raten von der Sensormatte als Überwachungsmittel allerdings ab. Hebamme Jule Friedrich aus Hamburg erklärt: „Die Matten sind nicht durchlässig und fabrizieren damit ein Risiko, das sie ja eigentlich vermeiden wollen.“

Eine Früherkennung von SIDS ist leider immer noch nicht möglich, trotz aller Studien. Durch die Präventivmaßnahmen wird sich die Zahl der plötzlichen Kindstode aber hoffentlich weiter reduzieren.

SIDS - Plötzlicher Kindstod pin

Wie kann ich dem plötzlichen Kindstod (SIDS) vorbeugen?

MeinSpatz Gezwitscher

Auch vor der Prominenz machen Schicksalsschläge nicht halt: Hardy Krüger Junior verlor 2011 seinen 8-Monate alten Sohn Paul-Luca an den plötzlichen Kindstod. Er engagiert sich seitdem für den Verein „Verwaiste Eltern“