So habe ich mir das Papa sein nicht vorgestellt

DONNERSTAG, 10.05.2018

Ich bin jetzt Papa. Seit die beiden Kleinen auf der Welt sind, ist nichts mehr wie vorher. Das ist schön, aber auch mächtig anstrengend. Und ja, es gibt diese Momente, in denen ich mein Leben ohne Kinder vermisse.

Meine Wünsche haben plötzlich keine Priorität mehr. Natürlich veränderte sich mein Leben bereits, als ich mit meiner Frau zusammenzog. Kompromisse sind Teil einer Partnerschaft. Aber sie sind nichts gegen die Abstriche, die ich machen muss, seit unsere Jungs auf der Welt sind. Ich klinge jetzt bestimmt wie ein fieser Rabenvater. Natürlich liebe ich meine Kinder, das möchte ich hier unbedingt und unmissverständlich feststellen. ABER MANCHMAL ...

Entspannte Restaurant-Besuche? Kannst du vergessen!

Ich liebe Restaurants. Meine Frau und ich gönnten uns diesen Luxus zu zweit ziemlich oft. Seid wir Kinder haben, sind Familienfeiern, Hochzeiten oder ein kurzer Besuch beim Italiener einfach nur anstrengend. Unsere Jungs finden ruhig sitzen langweilig und krabbeln nach spätestens 15 Minuten zwischen Tischen und Füßen der Kellner herum. Einzig und allein Fast Food-Restaurants sind mit unseren Jungs machbar. Aber hey, wir haben unsere Ansprüche einfach runtergeschraubt. Auch an unsere Freizeit-Gestaltung. Ich konnte mir nicht mal im Traum vorstellen, ab und an so anstrengende und ätzende Wochenenden zu verbringen. Meine Jungs treiben mich manchmal in den Wahnsinn. Schimpfen und ermahnen? Völlig nutzlos. Wenn sie keine Lust auf etwas haben, brüllen sie uns die Bude voll. Früher war das Wochenende zum Erholen da…

Freunde treffen oder Sex? Fehlanzeige!

Was mich auch erstaunt hat: Wie unglaublich schwierig es ist, meine Freunde regelmäßig zu sehen. Was wohl auch daran liegt, dass wir alle zu einer ähnlichen Zeit Väter geworden sind. Das spontane Bierchen am Abend muss locker mal sechs Wochen im Voraus geplant werden und ist nach zwei Stunden auch schon wieder vorbei. Verkatert mit Kind? Die Hölle. Das Alleinsein mit Kopfschmerzen ist vorbei. Ich habe tatsächlich nicht erwartet, so wenig Zeit für mich zu haben.

Ach und das Liebesleben … Für mich als Mann ist es wohl nerviger als für meine Frau: Wir haben deutlich weniger Sex. Zwei Mal im Monat um genau zu sein – aber hey wer zählt schon. ICH! Wobei ich gestehen muss, dass ich zwar immer noch gern täglich mit meiner Frau schlafen würde, aber doch auch regelmäßig vor der Glotze einschlafe. Aber alle sagen, das mit dem Sex wird wieder besser. Hoffentlich.

Und trotzdem sind die Kleinen das Beste was mir je passiert ist

Jetzt kommt das große ABER: Was ich mir vorher auch nicht vorstellen konnte ist, so viel Liebe für zwei Menschen zu empfinden, die ich erst so kurz kenne. Und ja, es stimmt, alle anderen Themen wie Stress auf der Arbeit oder Geld werden tatsächlich zweitrangig. Statt freiwillig Überstunden zu machen, baue ich stundenlang Sandburgen mit meinen Jungs und habe den größten Spaß dabei. Ich bin unfassbar zufrieden und glücklich, wenn die beiden einfach nur friedlich schnarchend in meinen Armen liegen. Noch etwas hat mich erstaunt: Ich konnte mit Stolz an sich nie etwas anfangen. Auf einmal merke ich, wie genau dieser in mir hochsteigt, wenn die Zwerge etwas Neues gelernt haben. Krabbeln, gehen, greifen, wenn sie ein Wort richtig sagen können. Oder gar Fahrrad fahren … Freunde und Verwandte werden dann mit Fotos bombardiert – Mini Me und seine ersten Schritte aus 20 verschiedenen Perspektiven. Dieses Gefühl ist wirklich neu. Aber sehr schön. Ich kann mir mein Leben ohne diese wunderbaren, anstrengenden, neugierigen, humorvollen, mutigen und phantasievollen Nervensägen nicht mehr vorstellen. Sie geben meinem Leben einen Sinn und ein Gefühl des Glücks, dass ich vorher so nicht kannte. 

So habe ich mir das Papa sein nicht vorgestellt pin

Dieser Papa spricht Klartext: Was änder sich alles, wenn man Kinder hat? Auch wenn es wunderschön ist Vater zu sein, manchmal vermisst man seine Freiheit.

MeinSpatz Gezwitscher

Ein befreundetet Papa erzählt zu dem Thema: „Ich habe mir früher nicht vorstellen können, dass ich am Kinderkarussell meine gute Kinderstube vergesse, den Kurzen drängelnd und schubsend Platz verschaffe, so dass sie auch mal fahren können.“ Ein echter Löwen-Papa eben. Klar, die eigenen Kids haben einfach IMMER Vorrang!