So hat mein Baby mich verändert

FREITAG, 08.02.2019 Andrea Huber

Ich war eine Ja-Sagerin mit wenigen Ecken und Kanten. Ich kam mit jedem gut aus, habe mich bei Konflikten zurückgezogen. Bis ich mein erstes Kind bekam – ich sage nur Löwenmama.

Ich bin im Großen und Ganzen eher ein konfliktscheuer Mensch. Streitereien gehe ich lieber aus dem Weg, meine Meinung halte ich manchmal sogar zurück – auch wenn ich es eigentlich besser wüsste. Ja, ich ärgere mich dann oft selbst über mein Verhalten. Aber irgendwie kann ich nicht anders. Es sei denn, es geht um mein Baby oder meine Rolle und Fähigkeiten als Mutter – wow, plötzlich kann ich die Krallen ausfahren und losbrüllen.

Ich glaube ganz bestimmt nicht, dass ich als Mami alles richtig mache. Aber ich bin davon überzeugt, dass nur ICH und mein Mann entscheiden dürfen, wie wir unser Baby erziehen, tragen, wickeln, füttern oder wobei auch immer sich andere einmischen möchten. Ich frage gerne um Rat. Meine Mama oder Schwester oder ein paar Freundinnen, lustigerweise alles Personen, die mich nie ungefragt belehren würden, obwohl sie mir in Sachen Kindererziehung an Erfahrung weit voraus sind. Sie kritisieren aber nicht oder werfen mir ungefragt Erziehungstipps an den Kopf, sondern lassen mich machen und sind da, wenn ich ihre Hilfe brauche. Und dann gibt es da noch diejenigen, deren Hobby es ist, junge Eltern in allen Entscheidungen zu kritisieren, es besser zu wissen und die erst zufrieden sind, wenn sie Mütter und Väter völlig verunsichert haben.

Komm du mir bloß nicht blöd

Zu Beginn meiner Mami-Laufbahn gab es noch Situationen, in denen ich solchen Menschen hilflos ausgeliefert war – ganz klar meiner Sucht nach Harmonie geschuldet. Irgendwann wurde mir aber bewusst, dass es hier um mehr geht: Es geht um mein Kind und meine Integrität als Mutter ihm gegenüber. Es geht darum, endlich selbstbewusst zu sein und bei dem mir wichtigsten Thema meines Lebens eine klare Haltung zu zeigen. Also fing ich an, mir nichts mehr sagen zu lassen. Nein zu sagen. Es fühlte sich so gut an. Die Schattenseite: Menschen, die mich vorher immer lieb, nett und wenig selbstbewusst kannten, wandten sich teilweise auf einmal von mir ab. Offenbar kommt Widerspruch nicht so gut an – ein Fakt, mit dem ich früher nie hätte leben können. Jetzt da ich aber weiß, dass ich eine gute Mama bin – so gut wie ich es eben kann – und da ich weiß, was für ein Menschenbild ich meinen Jungs vermitteln will, ist es mir egal, ob mich jemand mag oder nicht. Mir ist vor allem wichtig, was meine Kids und mein Mann von mir halten. Das hat sich definitiv durch meine Kinder verändert.

My Body is a Wonderland

Aber nicht nur mein Selbstbewusstsein ist gewachsen, auch mein Bewusstsein meinem Körper gegenüber hat sich gewandelt. Früher saß ich gerne mal mit Kippe und Rotwein bis zum Morgengrauen mit Freunden am Flussufer, zog mir Junkfood und Kater-Rührei-mit-Speck rein und nahm es auch sonst mit meiner Gesundheit nicht so genau. Nach meinem ersten Baby sah ich meinen Körper mit anderen Augen: schwanger sein, eine Geburt überstehen, stillen – unglaublich, zu was unser Körper fähig ist. Ich bin auch jetzt noch ab und zu unvernünftig. Wenn wir Besuch haben und die Kinder im Bett sind, zünde ich mir manchmal eine Zigarette an und genieße ein gutes Glas Wein dazu, und ab und an dürfen auch Chips und Co. auf der Couch nicht fehlen. Aber das ist auch schon alles, was ich an Laster vorweisen kann. Ich treibe Sport, ernähre mich meistens gesund, achte auf genügend Schlaf und habe gerade beschlossen, auch die Ausnahme-Kippchen sein zu lassen. Klar, ich tue das auch für mich. Aber hauptsächlich mache ich das für meine Kinder. Ich will stark und gesund sein, um sie so lange wie möglich durch ihr Leben zu begleiten. Und ich bin auch nicht mehr so versessen darauf, einen perfekten Körper zu haben. Mein Mom-Bod wird langsam ein Teil von mir.

Waschmittelwerbung? Klar ist das ein Grund zu heulen

Ja, ich muss zugeben: Ich war schon immer nah am Wasser gebaut. Aber seit meine Kinder auf der Welt sind, laufen bei mir andauernd die Tränen: Bei einem guten Song im Radio, bei einem bewegenden Zeitungsartikel, wenn die Jungs eingerollt ganz eng bei ihrem Papa kuscheln oder auch bei einer gut gemachten Waschmittelwerbung. Aber vor allem, wenn jemand es wagt, die Kleinen nicht so toll zu finden wie ich, oder sie wegen irgendetwas zu kritisieren. Was gar nicht mehr geht: Berichte über notleidende Kinder oder Filme, in denen Kinder die Opfer sind. Kann ich nicht sehen, das packt mich emotional so extrem, dass ich nicht mehr denken kann. Das erinnert mich daran, wie viel Angst sich mit meinen Kindern in mir breitgemacht hat. Die Angst, dass sie schwer krank werden. Die Angst, dass ihnen etwas Schreckliches zustößt. Die Angst, dass ich sie verlieren könnte.

Meine beiden Babys haben mich tougher und stärker, aber gleichzeitig auch ängstlicher und emotionaler gemacht. Durch sie bin ich eine bessere Version meiner selbst geworden und dennoch bringen sie mich regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Ich kämpfe deutlich mehr als früher und ich mache mir deutlich mehr Gedanken über viele Dinge. Ich versuche Streits zu schlichten, aber nicht mehr um jeden Preis. Ich verzichte auf tolle Jobangebote, weil ich mich erst mal voll auf die Kids konzentrieren und für sie da sein will. Ich entsage hippen Klamotten und einen Schrank voll schicker Schuhe, damit wir uns an den Wochenenden tolle Ausflüge leisten können. Das Witzigste aber ist: Ich empfinde das alles gar nicht als Verzicht. Denn auf die Frage, wie mich meine Babys verändert haben, gibt es am Ende vor allem eine einzige zusammenfassende Antwort: Sie haben mein Leben reicher, die Beziehung zu meinem Mann wertvoller und mich glücklicher gemacht. Und aus tiefstem Herzen dankbar …

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Ein Baby stellt die eigene Welt auf den Kopf. Und das geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei. Es hinterlässt Eindruck. Bei unserer Autorin waren es sogar zwei Babys, die sie für immer verändert haben.

MeinSpatz Gezwitscher

Jede Frau ist anders, jede Mama ist anders. Zum Glück. Vloggerin Pipapueppo erzählt in einem Walk’n’Talk-Video, was sich bei ihr alles seit der Geburt ihres ersten Kindes verändert hat.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.