So lief die Physio mit meinem Baby

MITTWOCH, 19.09.2018 Andrea Huber

"Wie bitte?! Mein Baby muss zur Physiotherapie?" Eine Mami erzählt, wie sehr die Entwicklung ihres Kindes davon profitierte.

Mein kleiner Sohnemann war knapp sieben Monate alt und pupsfidel, als wir im Untersuchungszimmer auf die Ärztin warteten. Die U5 stand heute auf dem Programm. Alles prima mit dem Würmchen. Allerdings bemerkte die Ärztin, dass er einen kleinen Rechtsdrall hatte. Er bevorzugte diese Seite, rollte sich am liebsten nach rechts und legte auch seinen Kopf nur in die Richtung ab. Um einer einseitigen Belastung vorzubeugen, verschrieb sie uns ein paar Stunden Physiotherapie. Erst war ich ein wenig beunruhigt, dann ein wenig verärgert – ich bin kein Fan davon, Kinder immer gleich von einem Arzt zum nächsten zu schicken. Ich fragte mich, ob sich das nicht einfach "verwächst". Da die Physiopraxis gleich ums Eck war, ging ich mit Rezept und Kind gleich im Anschluss hinein. Ein erster Termin konnte ja nicht schaden. Allerdings war ich skeptisch, was genau Physiotherapie bei einem sieben Monate alten Baby bewirken soll.

Turnen ohne Windel

Drei Wochen später herrschten Minusgrade. Wir standen kuschelig eingepackt am Empfang der Praxis. Klar, die Kids die hier behandelt wurden brauchten es schön warm. Wir kamen in den Behandlungsraum, der eben mal noch ein paar Grad wärmer war – die Wärmelampe war an und heizte was das Zeug hält. Die nächsten Termine verbrachte ich dann in Jogginghose und Unterhemd – man lernt ja dazu. Die Physio fand ohne Windel statt. Dafür brachten wir jedes Mal ein großes Handtuch als Unterlage mit. Der Sohnemann war schwer begeistert, denn jetzt hieß es: 30 Minuten nackig herumturnen.

Physio für die Sprachentwicklung

Er hatte sofort einen guten Draht zu seiner Physiotherapeutin. Sie war ruhig, unglaublich freundlich und begegnete meiner anfänglichen Unsicherheit mit viel Verständnis, Geduld und vor allem Aufklärung. So lernte ich, dass die motorische Entwicklung stark mit der Sprachentwicklung verknüpft ist und es deswegen Sinn macht, Kinder schon früh zu fördern. Oder, dass Kinder, die mit dem Gehör Probleme haben, auch in ihrer Motorik eingeschränkt sein können, da im Ohr das Gleichgewichtsorgan sitzt. Mit einfachen Übungen konnten wir meinem Spatz also helfen, seine Mitte zu finden und seinen Körper auf beiden Seiten stark zu machen. Ich war überzeugt. Vor allem weil mein Sohn die Zeit offensichtlich sehr genoss. Er strampelte unter der Wärmelampe, wurde massiert, durfte Dehnungsübungen machen, spielte mit bunten Kugeln und lernte spielerisch seinen Körper richtig zu steuern. Viele Übungen waren Bewegungsspiele, die wir einfach zuhause nachmachen konnten. Nach drei bis vier Wochen war eine deutliche Besserung zu sehen. Sein Rechtsdrall löste sich langsam auf und er nutzte plötzlich auch seine linke Seite.

Ein entspanntes Baby

Die Physiotherapeutin klärte mich auch darüber auf, dass mein Sohn unter einer sogenannten Tonusasymmetrie leiden würde. Zusätzlich neigte er zur Überstreckung: Das bedeutet, dass er den Kopf in den Nacken legte und eher nach oben als nach vorne sah. Im Prinzip beides erstmal nicht tragisch, tatsächlich verschwinden diese Einschränkungen in den meisten Fällen von allein. Bei uns war es aber nicht so und bleiben diese sogenannten"Vorzugshaltungen" unbehandelt, wirken sie sich tatsächlich bis ins Schulalter aus. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit beeinflusst später die Feinmotorik, die Stellung der Wirbelsäule und begünstigt sogar Migräne bei Kindern. Unser Kleiner war kein Schreibaby, aber im Vergleich zu seinem Bruder weinte er öfter und ausdauernder. Im Verlauf der Physiotherapie änderte sich das. Er wurde deutlich entspannter, schlief besser und machte irgendwie einen zufriedeneren Eindruck. Ich kann wirklich nicht sagen, ob das alles an der Physiotherapie lag. Aber ich bin sicher, dass es ihm sehr geholfen hat.

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Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.