So sah mein Baby nach der Geburt wirklich aus

MITTWOCH, 15.08.2018

Babys sind wunderschön! Wenn sie entknittert und von Körperflüssigkeiten befreit sind. Vorher sehen sie eher aus wie kleine Alien-Zombies.

Ich lag in den Wehen, die Geburt ging unglaublich schnell voran. Fast ein wenig zu schnell. Nach nur eineinhalb Stunden war ich schon mitten in den Presswehen. Ich durfte zum ersten Mal den Kopf meines Kindes zwischen meinen Beinen ertasten. Mit der nächsten Presswehe flutschte der Wonneproppen aus mir heraus. Im Glücksrausch nahm ich mein Kind in die Arme. Gott sei Dank ist die Mutterliebe in diesem Moment grenzenlos. Denn objektiv betrachtet glich das, was mir die Hebamme da auf die Brust gelegt hatte, eher einem komplett verschmierten, rotblauen, schleimigen Schlumpf als einem Baby.

"Ist das normal?"

Okay, ich finde selbst, dass das unglaublich gemein klingt. Natürlich gab es in diesem Moment nichts Schöneres für mich als mein klitzekleines wunderbares Baby. Wir hatten bereits einen Sohn und die Freude über den kleinen Bruder war riesig. Die Geburt von Kind Nummer eins dauerte ganze 22 Stunden. Der Große ließ sich Zeit. Als er auf die Welt kam und ich ihn endlich halten durfte, war er nur ein klein wenig schrumpelig. Er war nicht blutverschmiert, ein Hauch Käseschmiere umhüllte seine vielen schwarzen Haare. Seine Haut war rosig und sehr weich. Ich weiß nicht genau, warum er nach der Geburt so anders aussah als sein kleiner Bruder. Ich weiß aber, dass ich die Hebamme nach meiner zweiten Entbindung fragte: "Ist es normal, dass er so blau ist?"

Wie gesagt, die zweite Geburt ging unglaublich schnell. Das war auch der Grund dafür, dass mein Kleiner so blau war. Und ich meine wirklich blau. Schlumpfblau. Die Frage an die Hebamme war also vor allem Ausdruck meiner Sorge um das Baby. Ich dachte, er würde nicht genug Sauerstoff bekommen. Meine Hebamme schmunzelte: "Der Kleine ist wirklich ganz schön blau." In diesem Fall war es aber normal und kein Grund zur Sorge. Ich müsse es mir wie einen riesigen blauen Fleck vorstellen. Da er so extrem schnell durch den Geburtskanal gepresst wurde – und noch dazu nicht gerade der Kleinste war – hätte er quasi am ganzen Körper Druckstellen und Hämatome. Diese schimmerten jetzt durch die dünne Haut meines kleines Würmchens. Gut, das erklärte die Farbe.

Die Käseschmiere ist einfach überall

Mein kleiner Schlumpf war aber nicht nur unglaublich blau, er war noch dazu über und über mit dicker weißer Käseschmiere überzogen. Ein wenig Käseschmiere, das kannte ich. Aber so richtig weiß? Dabei ist die sogenannte "Vernix caseosa" eine ziemlich tolle Sache. Sie bildet sich etwa ab der 18. Schwangerschaftswoche und schützt die zarte Babyhaut im Bauch vor dem Verschrumpeln oder Aufquellen. Kinder, die am Entbindungstermin oder später geboren werden, haben nur noch wenig Vernix caseosa am Körperchen. Je früher ein Kind auf die Welt kommt, desto mehr Käseschmiere umhüllt das Baby. Sie dient dem Kind auch als Wärmeisolierung außerhalb von Mamis Bauch. Und mein zweiter Sohn kam ganze zehn Tage zu früh. Kein Wunder also, dass er von oben bis unten voller Käseschmiere war. Immer wieder beeindruckend, was die Natur alles so von selbst regelt.

Der große Bruder war hübscher

Ich war beruhigt. Alles normal. Und für mich war der kleine Mann sowieso einfach nur wundervoll. Nach einem Tag gingen die Schwellungen im Gesicht zurück. Langsam wurden seine Gesichtszüge fein und zart. Sein riesiges Köpfchen – das auch heute noch deutlich größer ist als das seines Bruders – wurde bei der Geburt so heftig zusammengedrückt, dass er danach komplett verschwollen war. Augen, Wangen, Nase – alles war entweder zerknautscht, platt oder angeschwollen. Von außen betrachtet kein Anblick, der einem das Herz vor Freude springen lässt. Sogar ich als Mami muss sagen, dass sein großer Bruder einfach hübscher war, als er auf die Welt kam. Die Großeltern und Tanten sagten das übrigens auch. Meine Mutter war mehrere Tage sehr beunruhigt wegen der bläulichen Haut unseres zweiten Babys. Auch sie machte sich Sorgen, dass der Kleine nicht genug Sauerstoff bekam. Aber Schwestern, Hebammen und Kinderärzte versicherten uns, dass sich das bald ändern würde. So war es auch. Er wurde dann gelb. Öfter mal was Neues. Zwei Wochen lang musste ich mit meinem Neugeborenen jeden Tag ins Krankenhaus und seine Gelbsucht kontrollieren lassen. Dabei wird die Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin über das Blut des Babys untersucht. Der Bilirubinwert war immer im kritischen Grenzbereich. Nach einer Woche begann er langsam zu sinken, nach zwei Wochen war er dann normal. Und mein süßer Sohnemann endlich rosig, abgeschwollen, gebadet und der wunderschönste kleine Wonneproppen den sich eine Mami nur wünschen kann.

So sah mein Baby nach der Geburt wirklich aus pin

Jetzt mal Klartext: Nicht immer sieht ein Baby direkt nach der Geburt schon total süß aus. So ein Ritt durch den Geburtskanal ist eben kein Zuckerschlecken.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Geburt hinterlässt nicht nur beim Kind Spuren. Auch Mamis Körper wird ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. In unserem Artikel "Ungeschönt: Was macht die Geburt mit meinem Körper" erfährst du, was nach der Entbindung auf dich zukommt.