Stillen oder Fläschchen? Oder lieber doch beides?

DIENSTAG, 19.12.2017

Bereits in der Schwangerschaft erhitzt das Thema die Gemüter der werdenden Mamis: Muttermilch oder Milchnahrung? Was ist das Beste für mein Baby? Und: Was ist das Beste für mich?

Es scheint keinen Mittelweg zu geben, denn beide Lager beharren auf ihrem Standpunkt. Dabei müssen sich Stillen und Milchpulver gar nicht ausschließen. Oder doch?

Ist Stillen gesünder?

Vereinfacht gesagt: ja. Muttermilch ist ein natürliches Produkt. Der menschliche Körper produziert die flüssige Substanz als Nahrung für das heranwachsende neue Leben. Die Natur hat es also so vorgesehen und sie arbeitet immer mit Köpfchen. Viele Antiköper, Vitamine, Fette, Proteine und Enzyme sind darin enthalten und mit Mamis richtiger Ernährung kann die Zusammensetzung sogar noch verbessert werden. Sie ist immer da, sofort verfügbar, richtig temperiert, keimfrei und nicht zuletzt um ein Vielfaches preiswerter als die Alternative.

Ist Milchpulver ungesund?

Aber keine Sorge: auch Milchnahrung ist fast so gut, wie das Original. Sie ist ein hochqualitatives Produkt, deren Zusammensetzung der Muttermilch nachempfunden wird. Die Inhaltsstoffe sind streng kontrolliert und werden stetig verbessert. Trotzdem tauchen immer wieder Studien und Testberichte auf, die junge Mamis in Panik versetzen. Krebserregende Fettsäuren oder auch Chlorat, das die Jodaufnahme in der Schilddrüse hemmen soll, wurden nachgewiesen. Allerdings in so geringen Mengen, dass sogar das Bundesinstitut für Risikobewertung die Gefahr als sehr gering einschätzt. Trotzdem werden derartig getestete Produkte sofort aus dem Verkehr gezogen. Die Herstellung von Säuglingsnahrung folgt in Deutschland strengen Richtlinien. Du kannst also beruhigt sein. Das was der Milchnahrung allerdings fehlt, sind die in der Muttermilch enthaltenen Immunstoffe.

Wenn Stillen Stress verursacht

Kinder- und Frauenärzte, Hebammen und viele Eltern plädieren fürs Stillen. Der natürliche Kreislauf wird dabei gewahrt. Still-Mamis gelten als besonders verantwortungsvoll. Wehe aber, wenn eine junge Mutter ihr Kleines auf einem öffentlichen Platz an die Brust legen will. Oder gar in einem Café. Schon treffen sie verachtende Blicke von jungen Frauen, Männer wissen nicht mehr wo sie hinsehen sollen und Kellner verweisen die Mama samt Kind schon mal auf die Toilette. Stillen ja, aber bitte schön zu Hause, dort wo es niemand sieht. Da sind Fläschchen mit Milchpulver natürlich praktisch. Einfach das abgekochte Wasser aus der Thermoskanne dazu geben und fertig. Schon ist das schreiende Baby besänftigt und die Mitmenschen können beruhigt zusehen, ohne Gefahr zu laufen, einen Nippel zu entdecken. Wobei sich die Fläschchen-Mami dann von ihren Freundinnen die Frage gefallen lassen muss, warum sie nicht stillt und ob sie denn nicht wüsste, dass Stillen das Beste fürs Baby ist. Moment mal, wie genau ist es denn jetzt „richtig"?

Schmerzende Brustwarzen und Brustentzündung

Stillen ist nicht immer ein harmonisches Miteinander voller inniger Zweisamkeit. Manche Frauen leiden unter blutenden Brustwarzen, schmerzhaften Brustentzündungen mit Fieber und sollen sich dann noch entspannen und ein Baby daran saugen lassen? Es gibt viele Gründe, warum manch Mamas nicht stillen: Bei manchen klappt es einfach nicht, manche wollen ihren Körper wieder zurück oder es fühlt sich nicht richtig für sie an. Es ist nicht selten, dass Mama und Baby beim Stillen eben kein Dreamteam sind. Doch der Griff zum Fläschchen ist verpönt. Der Druck der Öffentlichkeit ist hoch. Nur wer stillt ist eine gute Mutter – so der Tenor. Viele Frauen fühlen sich als Versagerinnen, wenn es mit dem Stillen nicht funktioniert. Das kann bis hin zu Depressionen führen. Und hier stellt sich die Frage: Ist nicht automatisch das was schlecht für die Mama ist, auch schlecht für das Kind – und umgekehrt? Milchnahrung ist nicht ganz so gesund wie Muttermilch – aber das ist nicht das einzige, dass die Kindergesundheit beeinflusst. Da gibt es viele weitere Faktoren: Passivrauchen, Nichtbeachtung durch überhöhten Handy-Konsum der Mutter oder Virusinfektionen. Deshalb ein Appell an alle Mamas da draußen: Macht nicht mit, bei der Dogmatisierung des Stillens. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, was in seiner persönlichen Situation das Beste ist. 

Stillen plus Fläschchen

Mamis tendieren dazu, sich auf eine Seite zu schlagen. Also entweder Stillen oder Milchpulver. Aber warum müssen sich diese beiden Ansichten eigentlich ausschließen? Es spricht nichts dagegen zu stillen und trotzdem ab und an ein Fläschchen zu geben, wenn vielleicht ein romantischer Abend mit dem Partner die Akkus wieder aufladen soll. Und: Fläschchen bedeutet auch Freiheit. Fläschchen bedeutet, dass Papi auch mal füttern darf. Und liebe Mamas: Dieser Moment ist für euren Partner genauso wichtig und wunderschön wie für euch. Genauso sollten Mamis, die ihr Baby ein Jahr lang (oder länger) stillen möchten nicht immer in die Übermutter-Ecke abgeschoben werden. Für viele Frauen ist diese Zeit eben etwas sehr Besonderes, die sie so lange wie möglich genießen wollen.

Mamas vereint euch!

Das Wichtigste ist doch, dass Mütter untereinander zusammenhalten: Keine Verurteilungen, weil die eine nach eineinhalb Jahren immer noch stillt, die andere nach drei Monaten keine Lust mehr hatte und die dritte von Anfang an Fläschchen gegeben hat. Gerade frischgebackene Mamas stehen unter gewaltigem Druck, alles richtig zu machen. Dabei sollte jede Mami selbst entscheiden, was für sie, ihr Baby und ihre Familiensituation das Richtige ist. Und sie sollte dafür von anderen Mamas Zuspruch bekommen - keine Kritik.

Stillen oder Fläschchen? pin

Es haben sich zwei Fronten gebildet: Stillen oder nicht? Wir plädieren für mehr Toleranz. Mamas unterstützt euch gegenseitig.

MeinSpatz Gezwitscher

Es scheint neuerdings auch absolut in Ordnung zu sein, dass sich Hinz und Kunz in die Still-Diskussion einmischen. Eine Mama aus der Redaktion wurde im Supermarkt von einer Bekannten (mit der sie bisher kaum 10 Sätze gewechselt hatte) gefragt, ob sie den stille. Sie war leicht irritiert, da das doch eine sehr persönliche Frage ist, die man eher mit Freundinnen oder Experten bespricht und nicht mit fast fremden Menschen zwischen Zahnpasta und Tütensuppe. Aus Höflichkeit antwortete sie mit einem Nein und wurde prompt dafür abgestraft. Mit einem mitleidigen Blick und der Aussage „Das ist aber schade!" gab ihr die Dame zu verstehen, dass sie davon gar nichts hielt. Ohne die Gründe zu kennen. Geht´s noch? Leider war unsere Mama so vor den Kopf gestoßen, dass ihr spontan kein schlagfertiger Kommentar dazu einfiel. Was hätte sie sagen können? Wir freuen uns auf eure Vorschläge via Facebook.