Tragen oder schieben – eine Mama vergleicht

DIENSTAG, 23.01.2018

Schiebst Du noch oder trägst du schon? Während manche Mamis ihr Baby monatelang am Körper tragen, flanieren andere lässig mit Kinderwagen durchs Viertel. Aber was ist denn nun besser für Mutter und Kind? 

Ich habe meine zwei Kinder mit Begeisterung getragen. Sie waren ganz nah bei mir, ich spürte sie atmen, hörte ihre kleinen Seufzer beim Schlafen. Sie fühlten sich sicher und geschützt, konnten meinen Geruch wahrnehmen, meinen Herzschlag spüren. Das Tragegefühl gehörte so sehr zu meinem Alltag mit Baby, dass ich mich oft im Supermarkt zwischen den Regalen stehend wiederfand, die Knie leicht wippend, das Becken sanft kreisend und vor mich hin summend – die typische Tragehaltung eben. Nur, dass ich eben keine Trage mehr umgeschnallt hatte, jetzt aber von so manch verwunderten Blicken gestreift wurde. Ich muss sehr merkwürdig ausgesehen haben.

Warum Tragen so schön ist

Beide Kinder genossen diese innige Nähe und haben über Stunden friedlich bei mir geschlafen. Einkaufen, Staubsaugen, die Wäsche machen – alles kein Problem. Trotzdem war ich immer bei meinem Kind. Gingen wir abends aus, durfte der Zwerg gleich im Schlafanzug in die Trage, warm genug ist es bei Mama immer. Und für kühle Sommerabende im Biergarten oder kalte Wintertage auf dem Christkindlmarkt gibt es eine Unmenge an superpraktischen Überpullis oder Jacken oder einfachen Einsätzen, die aus einer Jacke im Nu eine kuschelige Trage-Kombi machen. Als Nummer Zwei auf die Welt kam, trug ich auch ihn lange mit mir und hatte dadurch viel Zeit für Spielplatz-Spaß und Eis essen mit dem Großen.

Trageberatung hilft bei der Auswahl der richtigen Trage

Noch während der Schwangerschaft war mir klar, dass ich mein Baby tragen werde. Allerdings hatte ich mich rein auf die Empfehlung einer befreundeten Mami verlassen und mir noch vor der Geburt eine Trage gekauft. Großer Fehler! Wie sich herausstellte, war dieses spezielle Modell weder für mich noch für mein Baby geeignet. Danach probierte ich noch ein Tragetuch, aber auch das kam für mich nicht in Frage. Das Binden war mir zu aufwändig und auf dem Spielplatz schaffte ich es nicht, die losen Enden ohne Sand-Panade zu wickeln. Irgendwie hatte ich auch keinen guten Halt damit. Meine Freundin dagegen schwor auf das Tuch – vor allem hatte sie so immer auch eine leichte Decke dabei. Wollte sie ihre Tochter in der Öffentlichkeit stillen, diente das Tuch als gemütlicher Sichtschutz.

Mein Modell fand ich mit Hilfe einer Trageberatung. Auf  www.trageportal.de zum Beispiel gibt es eine Liste mit Trageberatungen deutschlandweit. Am besten kaufst du eine Trage erst, wenn dein Baby auf der Welt und alt genug ist! Und probiere sie unbedingt MIT deinem Baby an. Wichtig ist unter anderem, dass die Trage die Anhock-Spreiz-Haltung deines Babys unterstützt. Das bedeutet: Seine Beinchen sind angewinkelt, die Knie etwa auf Nabelhöhe und seine Oberschenkel leicht abgespreizt, der Rücken ist leicht gerundet. In dieser Stellung wird die Anatomie der Zwerge unterstützt und die Gelenke werden geschont. Übrigens funktioniert das Tragen nur, wenn du als Mama wirklich dahinterstehst. Zwingst du dich dazu und fühlst dich nicht wohl dabei, spürt das auch dein Baby und wird sich wehren. Mein Mann mochte die Trage überhaupt nicht. Er fühlte sich damit irgendwie gehandicapt. Dementsprechend unruhig waren dann auch unsere Kinder bei ihm.

Nachteile der Trage

Lange Ausflüge mit Trage werden schnell zur Belastung für Mamas Rücken und speziell bei mir auch für den Beckenboden. Außerdem hatte ich immer das Problem: Wohin mit der Wickeltasche? Mit meinem Mann unterwegs, war es natürlich kein Problem. Sein Rucksack war bis an den Rand gefüllt mit Wechselwäsche, Windeln, Feuchttüchern und Co. Allein auf Tour, tat es eine große Umhängetasche mit langen Trägern – allerdings spürte ich da die einseitige Belastung in Schulter und im Nacken.

Spaziergang mit Kinderwagen – der Inbegriff des Mami-Seins

Kinderwägen sind nicht nur praktische Transportmittel. Vor allem geben Sie Papis die Möglichkeit in Sachen Babyausstattung mitzureden: Luftreifen oder Gummi, mit Federung oder ohne, ist ein schneller Umbau zum Buggy möglich, gibt es eine Sport-Ausstattung mit der Papa und Baby Joggen gehen können? Wollen wir eher eine gemütliche Familienkutsche, das Sondermodell mit lässigen Felgen oder das sündhaft teure Statussymbol? Es gibt einiges zu bedenken …

Unseren Kinderwagen kauften wir im Januar, denn da sind viele Vorjahresmodelle um einiges billiger! Wir entschieden uns für einen Klassiker in Schwarz mit Karomuster, preislich in der Mittelklasse. Auf Grund des winzigen Kofferraums unseres Autos, gab es nur zwei Modelle, die für uns in Frage kamen. Mein Mann war skeptisch, ob es wirklich 600 Euro sein müssen … „Ist doch bloß ein Kinderwagen“ – als die engagierte Verkäuferin dann allerdings vorführte, was das gute Stück so alles kann, war mein Mann baff. Stolz zeigte er später zu Hause allen Familienmitgliedern und Freunden, die zigfachen Umbau-Möglichkeiten! Was wir besonders liebten: Die Möglichkeit, das Kind in Bauchlage zu transportieren, mit dem Verdeck vorne offen, aber durch ein festes Netz vor dem Herausfallen geschützt. So konnte unser Kleiner mit dem Blick in Fahrtrichtung liegen, die Fäustchen im Sabber-Mund und alles sehen, was da so auf ihn zukommt.

Darum ist ein Kinderwagen so praktisch

Ich habe den Wagen vor allem wegen des Stauraums schätzen gelernt. Die Wickeltasche hing am Lenker, im großen Fach unter der Liegefläche brachte ich einen mittelgroßen Drogerie-Einkauf locker unter – mit Windeln! Keine Tasche um die Schulter, kein Rucksack … Mein Rücken war entlastet. Im Winter kuschelten unsere Zwerge in einem warmen Fellsack, im Sommer konnten sie nur mit Body in der Wanne liegen, geschützt vom Sonnensegel und mit einem warmen Lüftchen um die Beine. Daneben war noch Platz für die ersten Spielsachen, mit denen sich die Kleinen gern beschäftigten. Im Gegensatz zur Trage haben die Minis im Wagen viel mehr Bewegungsfreiheit. Strampeln, nach der Rassel greifen, sich umdrehen – all das ist in der Trage nur eingeschränkt bis gar nicht möglich. Hat man allerdings ein derart bewegungsfreudiges Kind wie ich, kann das auch mal zum Problem werden. Mit sieben Monaten kam mein Spatz so schnell von der Rückenlage auf die Knie, dass ich ihn wochenlang nicht unbeaufsichtigt im Wagen lassen konnte. Trotzdem liebten beide Jungs lange Spazierfahrten durch die Stadt, mit Bananen oder Breze in der Hand und irgendwann im gesamten Wagen verteilt. Nicht zuletzt war das Gefühl, mit einem Kinderwagen durch die Stadt zu spazieren, einfach wunderbar und genau das, was ich mir als Schwangere für die Elternzeit vorstellte.

Im Café oder Biergarten kann es mit dem Wagen schon mal eng werden. Nachdem ich zusammen mit anderen Mamis die besten Familien-Hotspots erstmal ausgekundschaftet hatte, stand einem gemütlichen Nachmittag oder Abend, mit einem entspannt schlafenden Kind im Wagen, nichts im Weg. Absolut praktisch: Unser Wagen war hoch genug, dass er, schnell umgebaut zum Sitz, perfekt an Bierbank oder Kaffeetisch passte.

Nachteile des Kinderwagens

Ein Kinderwagen ist einfach sperriger und das Ein- und Ausladen aus dem Auto kann richtig anstrengend sein. Dazu kommt die Frage, wo er zuhause verstaut wird. Wir hatten Glück und konnten ihn im Flur abstellen. Eine Bekannte musste ihren Wagen aber täglich über zwei Stockwerke tragen! Was meinen Mann störte: Völlig fremde Menschen fühlen sich plötzlich dazu eingeladen, unser Kind zu betatschen und im Kinderwagen herumzufummeln. Das kann, je nach Person, durchaus befremdlich sein.

Fazit: Tragen UND Schieben!

Ich habe sowohl unseren Wagen als auch meine Trage heiß geliebt. Meist war beides dabei. Benutzt wurde dann gerade das, was im Moment für mich, das Baby und die Situation am praktischsten war. Waren wir etwa mit den Großeltern oder guten Freunden auf einem langen Spaziergang unterwegs, war der Kinderwagen am Start, weil Oma, Opa oder Tanten einfach zu gern den kleinen Wutz beobachteten. Und auch unser Kind konnte besser mit ihnen interagieren. Beim Besuch im Biergarten, Restaurant oder Stadtbummel mit meinem Mann oder anderen Mamis, fand ich die Trage super praktisch, weil der Kleine geschützt und sicher war und stundenlang an meiner Brust geschlafen hat. Letztendlich geht es doch darum, sich das Leben mit Kind so einfach und praktisch wie möglich zu machen.

Kinderwagen oder Babytrage? pin

Kinderwagen oder Babytrage – was ist besser für den Nachwuchs? Eine Mama erzählt von ihren Erfahrungen.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Kollegin aus der Redaktion war nie ein Fan vom Tragen. Sie bekam aber trotzdem von einer Bekannten schon in der Schwangerschaft eine Trage ausgeliehen. Das Baby war da und die Schreiattacken kamen gratis dazu. Nachdem sie eines Abends in ihrer Verzweiflung schon alles Mögliche und Unmögliche ausprobiert hatte, fiel ihr die Trage wieder ein. Und siehe da: Der kleine Spatz schlummerte selig an Mama gekuschelt ein. Die Kollegin konnte sich zwar immer noch nicht wirklich gut mit der Trage anfreunden, aber ab sofort war sie DIE Geheimwaffe, immer wenn das Kleine schwer zu beruhigen war.