Urlaub mit Baby: 20 Anti-Stress-Tipps für die Flugreise

FREITAG, 07.06.2019 Lotte L.

Seit einigen Jahren lebt unsere Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Thailand. Mindestens einmal im Jahr unternimmt sie eine nervenaufreibende Flugreise nach Deutschland. Hier verrät sie Tricks und Tipps, wie das Reisen mit Baby oder Kleinkind insbesondere im Flugzeug erträglicher und manchmal sogar fast schön werden kann.

Jedes Jahr besuchen wir mindestens einmal (meistens öfter) unsere Familie und Freunde in Deutschland. Meine Jungs sind beide zum ersten Mal im Alter von 3 Monaten geflogen und ein paar Mal bin ich auch alleine mit ihnen gereist. Zugegeben, es war nie schön und meistens furchtbar kräftezehrend. Zumal ich ohnehin schon immer ziemliche Panik vorm Fliegen hatte. Über die Zeit habe ich aber ein paar Strategien entwickeln können, wie man Langstreckenflüge mit Babies oder Kleinkindern etwas entspannter für alle gestalten kann. Und wie es sogar ziemlich angenehm werden kann, wenn man sich entsprechend wappnet. Meine Tipps beziehen sich dabei v.a. aufs Reisen mit Babys und Kleinkindern, nicht so sehr auf ältere Kinder.

Vor dem Flug: Maßnahmen zur Stressprävention

1. Kindlicher Schlaf erhöht den Entspannungsfaktor der Eltern natürlich enorm. Daher kann ich einen Nachtflug nur empfehlen, am besten zu Zeiten, zu denen eure Lieblinge normalerweise fest schlummern. Bei allen unseren nächtlichen Reisen haben beide Quarkfrösche ziemlich viel geschlafen - ein Segen für alle Beteiligten. Tagflüge ziehen sich hingegen erfahrungsgemäß sehr in die Länge und erfordern viel Einfallsreichtum von Mama und Papa, um die Kleinen bei Laune zu halten.

2. Zur Sitzwahl (zumeist als Online-Reservierung möglich): Für Familien mit Kindern eignet sich die vorderste Sitzreihe besonders gut. Sie bietet die meiste Beinfreiheit und für Babies bis zu 10-11kg kann nach dem Start an der angrenzenden Wand ein kleines Babybettchen (Bassinett) aufgehängt werden. Leider muss man das schlafende Kind aus dem Bassinett hinausnehmen, sobald die Anschnallzeichen aufleuchten, was ziemlich frustrierend sein kann. Unsere Jungs haben das Bettchen gehasst und wie am Spieß geschrien, wenn wir sie auch nur kurz ablegen wollten. Wir haben trotzdem immer gern die erste Reihe im Passagierraum reserviert, weil man einfach mehr Platz hat, und weil in dieser Reihe häufig andere Familien sitzen, also Leidensgenossen und potentielle Verbündete. Das Bassinett diente uns als eine äußert praktische Ablage für alles Mögliche, inklusive Kleidung, Fläschchen und Spielzeug.

3. Bei der Sitzauswahl für eine Familie mit drei Personen empfiehlt es sich, in einer Viererreihe zwei Sitze nebeneinander und den dritten am Rande der Sitzreihe zu buchen. Der leere Platz zwischen den drei Sitzen wird in der Regel nicht besetzt, so dass ihr wertvollen Extraraum für euren Krempel oder für schlappe Babybeine bekommt.

4. Beim Check-In, der Sicherheitskontrolle oder Immigration gibt es in der Regel besondere Warteschlangen, sog. fast queues (in der Regel für Diplomaten, behinderte Passagiere etc.). Wir wurden oft aufgefordert, uns dort anzustellen oder wir haben explizit darum gebeten. Zögert nicht, um Erlaubnis zu fragen, es wird eigentlich immer bewilligt!

5. Es kann zur allgemeinen Entspannung beitragen, das Kind in seinem gewohnten Autositz anzuschnallen, den man normalerweise kostenlos mit an Bord nehmen darf. Wir haben das selber nie ausprobiert, da unsere Kinder keine Autositz-Fans sind, aber viele Bekannte schwören darauf. Ihr könnt euch bei eurer Airline nach den genauen Bestimmungen erkundigen.

6. Wir haben meist einen kleinen faltbaren Buggy mit in die Kabine nehmen dürfen (entweder direkt als Handgepäck oder von den Flugbegleitern verstaut). Beim Umsteigen ungeheuer wertvoll, wenn man keine Lust hat, ein übermüdetes und schreiendes Kleinkind durch den Flughafen zu tragen oder wenn man alleine mit zwei Kindern unterwegs ist. Auch hier könnt ihr Details bei eurer Fluggesellschaft erfragen.

Beim Starten: Druck ausgleichen

7. Um den Druck auf den Ohren bei Start und Landung auszugleichen, wird empfohlen Babies zu stillen. Das hat bei uns immer sehr gut funktioniert. Unsere Kleinen haben sich beruhigt und sind bestenfalls sogar eingeschlafen. Zum Druckausgleich hilft auch das Saugen am Schnuller oder am Fläschchen. Bei allen Sicherheitskontrollen wurde es uns erlaubt, einige Kuhmilchpäckchen (weit über 100 ml) mitzunehmen. Ältere Kinder können auch einen Kaugummi oder ein Kaubonbon kauen, um den Druckanstieg im Ohr zu reduzieren. Unser Kinderarzt hat uns für den Flug Nasentropfen verschrieben, um Schwellungen und damit den Innendruck im Mittelohr zu reduzieren. Das ist besonders sinnvoll, wenn euer Spatz leicht erkältet ist.

Auf dem Flug: Hilfsmittel zur Entspannungsförderung

8. Überlegt euch vor dem Flug, welche Spielsachen eure Kinder normalerweise besonders interessieren und welche sie auch über längere Zeit unterhalten. Das können z.B. Autos, Magneten, Spidermans oder Dinosaurier sein. Ich habe immer ein besonders beliebtes Spielzeug mitgenommen und zudem noch einige unbekannte Bücher und neue Sachen, die eine längere Beschäftigung erlaubten, z.B. etwas zum Zusammenbauen. Einige meiner Freunde haben neuen Spielsachen als Überraschungstüte oder Geschenk verpackt, so dass das Kind auch mit dem Entpacken eine Zeitlang zugange war.

9. Besonders gut kamen bei meinen Kleinen Stickerbücher zu bestimmten Themen (z.B. Flughafen, Zoo) an, die man problemlos vorher im Internet bestellen kann. Man kann nach Herzenslust ca. 200 Sticker auf den Heftseiten (und darüber hinaus) verteilen, was Spaß macht und ziemlich zeitaufwendig ist. Auch mit Malbüchern oder aus dem Internet ausgedruckten Malvorlagen haben meine Jungs viel Zeit verbracht.

10. Für Babies und ganz kleine Kinder sind Materialien interessant, die sich gut anfühlen, verformen und sonst wie bearbeiten lassen. Als sich unser Kleiner sehr für Schalter interessierte, haben wir kleine Dinge mit Knöpfen mitgenommen (z.B. eine Taschenlampe), die er dann stundenlang an-und ausknipsen konnte. Als hilfreich erwiesen sich auch Knisterpapier, Pfeifenputzer, die sich zu beliebigen Formen verbiegen lassen, eine Plastikdose mit Pompoms zum Ein-und Ausräumen, und Taschentücher, die endlich mal nach Belieben auseinandergerupft werden durften.

11. Bei meinen krabbelnden oder gerade so laufenden Buben war das Auf-und Ablaufen durch die Gänge ein absoluter Dauerbrenner. Neben der Bordküche und bei den Toiletten gibt es zudem Zwischenräume, in denen man schön spielen kann, und die oft als Treffpunkt für den Austausch mit Leidensgenossen dienen.

Unentbehrlich: das Unterhaltungsprogramm!

12. Größere Kinder begeistern sich natürlich für das Filmprogramm. Unsere Rabauken haben sich etwa ab dem Alter von 2 Jahren für den Bildschirm interessiert und sind dann stets zu nicht ansprechbaren Salzsäulen erstarrt (zugegeben, auf dem Flug sehr praktisch). Beim Fliegen sind bei uns sonst herrschende Regeln aufgehoben, und man darf fast unbegrenzt fernsehen (Aber Vorsicht: manche Kinder reagieren auf langes Fernsehen mit Unruhe und Stimmungsschwankungen!). Wir haben auch zahlreiche Lieblingsfolgen (z.B. Peppa Wutz) auf dem I-Pad mitgenommen, um Wartezeiten im Flughafen zu überbrücken.

Unverzichtbares Equipment: Snacks, Wechselkleider ect.

13. Wir packen in unserer Tasche immer eine Reihe von kleineren Zip-bags, so dass man ganz schnell findet, was man im Notfall gerade sucht. Unverzichtbar sind beliebte Snacks und Süßigkeiten, da sie die allgemeine Stimmung und Kooperationsbereitschaft oft schlagartig verbessern können.

14. Wechselkleider sind nicht nur für die Kinder essentiell, sondern auch für Mama und Papa. Ich war schon unendlich dankbar über meine Extrasachen, als unser Älterer zwei Milchflaschen über mein komplettes Outfit gespuckt hat.

15. Ein absoluter Lebensretter ist der Babytrage, besonders wenn die Kinder noch sehr klein sind. Ich habe sie so problemlos viel herumtragen und dabei sogar stillen können, und sie haben oft stundenlang auf meinem Bauch geschlafen.

16. Ganz wunderbar ist ein aufblasbares Kissen für den Fußraum, das man zwischen die Rückenlehne des Vordermanns und den eigenen Sitz klemmt (Im Internet bestellbar). Dadurch können sich die Kleinen beim Schlafen ganz ausstrecken, ohne dass die kleinen Beinchen haltlos in der Luft herumhängen. Unsere zwei Jungs haben dadurch viel besser und länger geschlafen.

Um Unterstützung und Hilfe bitten!

17. Besonders, wenn Du alleine fliegst: zögere nicht, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Am besten die Stewardessen, zu deren Aufgaben es ja gehört, sich um das Wohl aller Fluggäste zu kümmern. Es hilft, wenn man sich und die Kinder zu Beginn mit Namen vorstellt und klar macht, dass man sich Unterstützung wünscht. Meiner Erfahrung nach sind sowohl Flugbegleiter als auch Fluggäste meist sehr freundlich und hilfsbereit. Bei meinem ersten Flug alleine mit unserem drei Monate alten Sohn wurde er liebevoll von einigen älteren Thaidamen umsorgt, damit ich zur Toilette gehen und essen konnte. 

18. Wenn man mit dem Ehemann oder einem anderen Erwachsenen plus Kind reist, ist es ratsam, sich mit dem Nachwuchs abzuwechseln, so dass sich immer einer ausruhen kann.

19. Bekannte haben mir empfohlen, an die unmittelbaren Sitznachbarn kleine Tütchen auszuteilen, die Ohrstöpsel, ein paar Süßigkeiten und ein "Brief" vom Baby enthalten, in dem es sich im Voraus für Unannehmlichkeiten und für mögliches Schreien entschuldigt. Das habe ich nie selber probiert, es kann aber offenbar sehr zu einer wohlwollenden Gesamtatmosphäre beigetragen.

20. Wenn das alles nicht hilft, können Mama und Papa ihren Entspannungslevel während des Fluges durch ein kleines Gläschen Sekt oder Riesling Spätlese vertiefen.

Last but not least

Mal im Ernst, letztlich ist eine lange Flugreise gar nichts anderes, als einen Tag mit eurem Liebling zusammen auf einem begrenzten Raum zu verbringen. Das habt ihr schon unzählige Mal gemacht, zum Beispiel bei Regen zuhause. Glaubt mir, ihr schafft das! Es gibt sicherlich schönere Unternehmungen im Leben, aber es geht vorbei, und zwar meistens doch schneller und einfacher, als man denkt. Und es lohnt sich auf jeden Fall, wenn man am Ende der langen Reise geliebte Menschen in die Arme schließen oder eine ganz neue Welt für sich entdecken kann!

pin

Eine Flugreise mit Baby oder Kleinkindern kann ziemlich aufregend und anstrengend für die ganze Familie sein. Mit diesen Tipps können stressige Situationen verhindert und das Fliegen ganz entspannt werden.

MeinSpatz Gezwitscher

In ihrem Podcast Fernreise mit Baby - Folge 3: Langstreckenflug berichten Carmen und Stan hautnah, wie sie mit ihrem 5 Monate alten Baby einen Flug nach Neuseeland meistern.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.