Vaterrolle: Wie baue ich eine Bindung zu meinem Baby auf?

MITTWOCH, 09.05.2018

Während sich Mamas neun Monate lang auf ihr Baby vorbereiten, werden Männer plötzlich Papa. Wie klappt es trotzdem mit der Vater-Kind-Bindung? Unser Autor verpackt seine Gefühle in einem Erfahrungsbericht.

Es war der wohl unglaublichste Moment in meinem Leben, als meine Tochter geboren wurde. Zunächst noch leicht bläulich, dann rosig. Und vor allem: sehr laut! Sie hat sich die Seele aus dem Leib gebrüllt. Dieses kleine, hilflose Bündel, das mir die Hebamme in die Arme legte, gleich nachdem sie abgenabelt und in Tücher gewickelt worden war. Kaum auf meinem Arm passierte ein kleines Wunder: Die Kleine beruhigte sich. Und ich? Ich weinte. Die Tränen liefen nur so. Ich wusste: Das ist meine Tochter. Mein Fleisch und Blut. Und fragte mich gleichzeitig: Ist das wirklich mein Kind?

Was kommt da auf mich zu?

Nicht, dass ich irgendwelche Zweifel an meiner (biologischen) Vaterschaft hegte. Aber es war für mich einfach unvorstellbar, dass dieses kleine Wesen tatsächlich von nun an für schätzungsweise 18 Jahre bei mir, bei uns, leben sollte. Und dass ich es beschützen musste, vor allem, was da auf meine Tochter wartete in dieser Welt, die mir auf einmal so voller Gefahren erschien. Ob ich mich jemals daran gewöhnen würde? War ich überhaupt bereit, diese enorme Verantwortung zu übernehmen? War es nicht vielleicht sogar fahrlässig, mich für ein Kind zu entscheiden?

Braucht mich mein Kind?

In den ersten Tagen nach der Geburt trug ich meine Frau und meine Tochter auf Händen. Auch wenn mir die Kleine fremd schien. Wie beneidete ich meine Partnerin darum, dass sie neun Monate lang Zeit hatte, sich auf unser Kind vorzubereiten. Und ich? Ich wurde von einem Tag auf den anderen Vater – einfach mal so ins kalte Wasser geworfen. Während meine Frau stillte und eine offensichtlich innige Beziehung zu unserer Tochter pflegte, stand ich daneben und fühlte mich wie das fünfte Rad am Wagen. Ja, es war wirklich mein Kind. Das sagte mir mein Verstand. Aber mein Gefühl sagte mir etwas anderes. Niemals würde ich so einen Draht zu ihr finden. Vergessen war dieser Moment nach der Geburt, als sich meine Tochter in meinen Armen beruhigte. Ich musste mich wohl oder übel damit abfinden, dass ich niemals eine solch wichtige Rolle im Leben meiner Tochter spielen würde, wie meine Frau.

Ob das gut geht?

Die ersten Wochen im Leben meiner Tochter liefen wie ein Film vor mir ab. Ich liebte sie, irgendwie. Sie war ja schließlich meine Tochter. Ich war auch begeistert davon, wie sie jeden Tag etwas Neues lernte. Das erste Lächeln. Das (scheinbar bewusste) Wahrnehmen von Menschen und Gegenständen. Ihre Reaktion auf das immergleiche Gute-Nacht-Lied – sie schien es tatsächlich wiederzuerkennen. Der erste Griff nach ihrem Lieblingspüppchen. Das alles erlebte ich mit. Und ganz langsam baute sich sowas wie ein zartes Band zwischen uns auf. Wir näherten uns tatsächlich aneinander an! Zum Glück – schließlich plante ich, bald sechs Monate in Elternzeit zu gehen, weil meine Frau wieder ein paar Stunden arbeiten wollte.

Eine Liebe fürs Leben

Was mir wochenlang unvorstellbar schien, wurde Wirklichkeit! Meine Tochter und ich hatten tatsächlich eine Bindung zueinander aufgebaut. Ohne dass ich es gemerkt hatte. Das halbe Jahr Elternzeit, das ich mit ihr verbringen sollte, war keine unüberwindbare Hürde mehr. Es wurden die (bislang) schönsten sechs Monate, die ich mit meiner Tochter erleben durfte. Wir unternahmen Radtouren, sie ließ sich von mir in den Schlaf wiegen, sie lachte mich an, wenn ich sie morgens aus dem Bettchen hob. Ihr erstes Wort war „Papa!“. Spätestens jetzt wusste ich: DAS ist wirklich mein Kind! Meine Tochter, die ich um nichts in der Welt wieder hergeben will. Und für die ich immer da sein will. So gut ich kann. Ich gebe mein Bestes!

Vater-Kind-Bindung pin

Das Baby wächst in der Mutter heran. Sie bringt es auf die Welt und stillt es häufig ein paar Monate lang. Was die Mutter-Kind-Bindung anbelangt, sind die Weichen gestellt. Ganz anders sieht es da bei der Vater-Kind-Bindung aus. Papa hat es von Natur aus nicht ganz so einfach. Unser Autor berichtet von seinen Erfahrungen.

MeinSpatz Gezwitscher

Es gibt ein paar Punkte, die wichtig sind, damit sich eine Vater-Kind-Bindung entwickeln kann:

- Körperliche Nähe: Öfter mal mit dem Baby kuscheln, empfiehlt Diplom-Psychologe Michael Thiel.

- Nicht wie die Mama sein wollen, sondern eine eigene Rolle finden. Denn Unterschiede in der Erziehung tun dem Kind gut. Allerdings nur, wenn eine Einigkeit in den grundsätzlichen Erziehungsfragen herrscht.

- Lernen die Signale des Kindes zu verstehen und prompt darauf reagieren.

Geborgenheit, Sicherheit und Trost spenden. Auch und gerade, wenn sich das Baby/Kind unwohl fühlt und viel schreit oder weint.

Wertschätzung und Liebe vermitteln.