Warum ich nicht immer die beste Mama der Welt sein kann

DONNERSTAG, 08.03.2018

Mama zu sein ist manchmal schwierig. Und darum ist es auch nicht weiter verwunderlich, warum wir nicht immer und überall alles perfekt machen können. 

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen nichts, aber auch gar nichts, so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Meine Laune ist entsprechend. Und das bekommt auch mein Kleiner zu spüren. Leider. Er ist zwar erst ein knappes Jahr alt, treibt mich heute aber latent in den Wahnsinn.

„Ich bin auch noch wer!“

Angefangen hat alles damit, dass ich mit einer Freundin zum Frühstück verabredet war. Wochenlang habe ich mich darauf gefreut. Schließlich haben wir uns schon seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Und jetzt ist sie zufällig in der Stadt. Kein Problem für mich – ich bin ja noch in Elternzeit. Meinen Sohn nehme ich einfach mit. Er ist ja so ein entspanntes Kind, dass er sich bestimmt eine oder zwei Stunden beschäftigen lässt, während wir quatschen. So der Plan. Doch dann wacht er morgens weinend und jammernd auf. Mit hochrotem Kopf und 39 Grad Fieber. Normalerweise würde ich ihn jetzt einfach fiebern lassen und zum Arzt gehen, wenn das Fieber weiter ansteigt oder sich nicht senken lässt. Normalerweise. Heute nicht. Denn heute bin ich dran. Ich will meine Freundin treffen! Das muss einfach sein. Also nichts wie her mit den Fieberzäpfchen. Die helfen auch. Nur nicht meinem schlechten Gewissen, das sich langsam aber sicher zu Wort meldet. Hatte ich mir nicht fest vorgenommen, nicht leichtfertig Medikamente zu verabreichen? Oder eben nur auf ärztliche Anweisung?

Beste Mama der Welt? Fehlanzeige …

Egal. Das schlechte Gewissen kann mir gestohlen bleiben. Ich schiebe es zur Seite, packe den Kleinen warm ein, setze ihn in den Kinderwagen und los geht’s ins Café. Meine Freundin ist schon da und wir fallen uns um den Hals. Endlich mal wieder etwas, was ich nur für mich tue. Eine Stunde lang geht alles gut. Und dann ist es vorbei mit der entspannten Zeit. Mein Sohn wacht auf und hört nicht mehr auf zu weinen. Kein Wunder – seine Stirn fühlt sich schon wieder verdächtig heiß an. Und dass er sich ständig ans Ohr fasst (das zugegebenermaßen sekündlich röter wird), ist auch kein wirklich gutes Zeichen. Die vorwurfsvollen Blicke und das Kopfschütteln der drei Muttis am Nebentisch tun ihr Übriges, damit ich weiß, dass ich etwas unternehmen muss. Ab zum Kinderarzt. Schließlich geht das Kind über alles. Und doch höre ich da auch noch eine andere Stimme in mir, die mir zuflüstert, dass es jetzt auf ein paar Minuten mehr oder weniger auch nicht mehr ankommt. Und ich höre auf sie. Nehme den Kleinen ins Tragetuch, überrede meine Freundin zu einem kleinen Spaziergang und schon können wir noch eine Weile weiterreden. Nach unserer Runde durch den Park kann ich ja immer noch zum Kinderarzt gehen. Was ich dann auch tue.

Dieses dumme Gewissen

Dumm nur, dass der Kinderarzt gerade Mittagspause macht und wir erst um 15 Uhr wiederkommen können. In der Zwischenzeit versuche ich den Kleinen so gut es geht zu beruhigen und werde ihm gegenüber tatsächlich etwas pampig. Denn ich bin wirklich etwas genervt von dem Gequengel, muss ich zugeben. Beim Kinderarzt dann die Diagnose: Mittelohrentzündung. Mist. Hätte ich doch direkt morgens zum Arzt gehen sollen? Dann hätte er nicht so lange leiden müssen. Das schlechte Gewissen lässt sich jetzt wirklich nicht mehr wegdiskutieren. Schließlich bin ich diejenige, die ganz rücksichtslos nur an sich gedacht hat.

Ich fühle mich richtig mies. Auch dann noch, nachdem mir mein Mann am Abend vergewissert hat, dass ich keine egozentrische Zicke bin, sondern eine liebevolle Mama, die eben manchmal auch einfach nur was für sich tun will, ohne immer erst abzuchecken, dass das Baby rundum zufrieden ist. Und ganz nüchtern betrachtet hat er ja auch recht. Ich vernachlässige meinen Sohn nicht, nur weil ich vielleicht mal etwas später zum Arzt gehe. Wenn es wirklich kritisch ist, bin ich für ihn da. Uneingeschränkt. Das weiß ich. Und doch – in solchen Situationen fühle ich mich schlecht und denke, dass ich eine Rabenmutter bin. Weil ich ein schlechtes Gewissen habe oder andere mich schief anschauen. Dabei zählt am Ende doch nur eins: Dass ich für meinen Sohn die beste Mama der Welt bin (und hoffentlich bleibe) – auch wenn ich manchmal einfach nur an mich denke und das tue, was mir guttut.

Mama muss nicht perfekt sein pin

Am Weltfrauentag plädieren wir bei MeinSpatz für weniger Perfektion im Mama-Kosmos: Du musst nicht perfekt sein, du darfst echt sein und glücklich.

MeinSpatz Gezwitscher

Wirt finden, Judith Holofernes, u. a. Sängerin der Band „Wir sind Helden“, hat in einem Interview mit NIDO den Mama-Perfektionswahn auf den Punkt gebracht:

„Frauen haben sich das Recht erstritten, alles gleichzeitig zu können – und zu müssen. Der nächste Schritt in einer feministischen Entwicklung müsste sein, dass Frauen sich erlauben, Sachen auch mal nicht 150-prozentig zu machen. Finde mal eine Frau, die sagt: Ich bin eine ganz okaye Mutter – das wäre eine totale Provokation! Wer keine Perfektion anstrebt, ist sofort suspekt. Ich finde es total wichtig, dass man sich auch erlaubt, Sachen nicht perfekt zu machen.“