Wie beruhige ich mein Baby? Ein Erfahrungsbericht

MONTAG, 25.11.2019 Tina

Das erste Jahr mit Baby kann einen an die Belastungsgrenze bringen: Wie kann so ein süßes kleines Wesen nur so laut und lange schreien? Von Schunkeln, Singen und Pezziball – meine Methoden zur Baby-Beruhigung.

Man weiß, dass das erste Jahr mit Baby anstrengend wird. Es ist ganz klar, dass es viel Geschrei geben wird, an Schlafen kaum zu denken ist und ganz grundsätzlich das Leben Kopf steht. Man weiß es und man freut sich darauf. Das gehört schließlich dazu. Dann ist der Nachwuchs endlich da und es ist alles viel schlimmer als gedacht. Während man mit Ohropax in den Ohren in einer bespuckten Jogginghose das seit zwei Stunden schreiende Baby verzweifelt von einem Zimmer ins nächste trägt fühlt man sich von der Welt betrogen. Wieso sagt einem denn vorher keiner, wie es wirklich ist? Wahrscheinlich, weil die Menschheit dann aussterben würde. Oder vielleicht haben sie es einem auch gesagt, aber man hat einfach nicht richtig zugehört, war abgelenkt durch die schnuckeligen rosa Babysöckchen mit dem "Ich bin der süßeste Fuß der Welt" Aufdruck.  

Es gibt mit Sicherheit Babys, die tiefenentspannt sind, viel schlafen, die Befriedigung ihrer Bedürfnisse durch nachvollziehbares Schreien einfordern und sich auch sonst wunderbar in das Leben der Eltern integrieren. Meine Tochter Matilda war nicht so ein Exemplar. Im Gegenteil, als Schreibaby war sie das andere Extrem und ich wusste sehr selten, warum sie so laut und ausdauernd schrie, dass meine Ohren rauschten. Ich habe mich durch sämtliche Beruhigungstechniken probiert, die auf diesem Planeten existieren. Nummer 1? Der Schnuller. Ohne den hätte ich das erste Jahr nicht durchgestanden. Hier kommt eine kleine Auswahl, was bei uns außerdem noch funktioniert hat (und was gar nicht):

Beruhigung durch Musik und Geräusche

Musik kommt in jeder Mama-Phantasie vor, wenn das Baby noch im Bauch ist. Man sieht sich abends am Kinderbettchen stehen, gemeinsam der Spieluhr lauschend, die eine akustische Version von "Somewhere over the Rainbow" spielt. Oder das Baby sanft im Arm wiegend, leise ein Schlaflied summend. Bei uns hat das nicht funktioniert. Einfach deswegen, weil Matilda scheinbar überhaupt nicht auf mein Singen reagiert hat. Konnte sie auch nicht, denn ich hätte "Schlaf, Kindlein, Schlaf"  mit 90 Dezibel schmettern müssen, damit sie es durch ihr Schreien überhaupt hätte wahrnehmen können. Das habe ich auch manchmal gemacht, aber entgegen einiger Ratgeber, die genau das empfehlen (Kind durch lautere Geräusche aus dem Anfall reißen), erschien es mir kontraproduktiv, mein Baby zurück anzuschreien.

Ich habe es außerdem mit von Kindern gesungenen Kinderliedern versucht, klassischer Musik, Heavy Metal mit wummernden Bässen und Techno. Ich konnte keine Präferenz entdecken. Der nächste Versuch waren Geräusche. Ich habe mir eine App aufs Handy geladen, die auf Klick monotone Geräusche wie Fön, Autobahn, Waschmaschine und weißes Rauschen abspielte. Hier gab Matilda im ersten Moment konsterniert Ruhe, was aber leider nur dem Überraschungseffekt zugeschrieben werden konnte, denn nach fünf Minuten ungläubigen Lauschens ging der Terror wieder los.

Mir erschien es trotz wenig Wirkung ratsam, selbst zu singen oder zu summen, einfach um eine angenehme Grundstimmung zu schaffen. Ich habe es eher getan, um mich zu beruhigen. So hatte ich zumindest das Gefühl, ich tue überhaupt irgendwas. Bei einem Schreianfall ist es nämlich wichtig, selbst ruhig zu bleiben. Mir hat Singen geholfen. Und zwar fast immer das gleiche Lied. Monotonie beruhigt, Mama und Baby.

Beruhigung durch Bewegung

Gemeinsam mit einem selbst gesungenen Schlaflied ist das langsame Schunkeln im Arm der Klassiker in der Baby-Beruhigung. Ich habe sämtliche Varianten ausprobiert, bei uns hat eine schnellere Methode besser geholfen: Gemeinsam mit Matilda im Arm habe ich mit schnellen Bewegungen den gesamten Oberkörper in einem Halbkreis geschwungen, Hin und Zurück, die Beine fest auf dem Boden. So ähnlich wie beim Bauchtrainer im Fitnessstudio. Überhaupt war Bewegung die Nummer eins der Baby-Beruhigung. Matilda hat sowohl im Auto als auch im sich bewegenden Kinderwagen und in der Bauchtrage am längsten geschlafen. Wir hatten außerdem einen Pezziball, auf dem ich stundenlang mit Kind im Arm auf und nieder hopste. Dabei immer fleißig Beckenboden anspannen, kann nach einer Geburt nicht schaden. Irgendwann setzen allerdings bei diesen Methoden zwangläufig die Rückenschmerzen ein, die Erlösung kam bei mir mit der Schwebeliege. An der Decke befestigt ließ ich Matilda hin und her schwingen oder auf  und ab hüpfen, manchmal langsam, manchmal schnell, je nach Schreiintensität. Ich hatte in drei Zimmern Haken in der Decke, um die Liege variabel aufhängen zu können. Einen über dem Bett, wo ich sie an einer Schnur befestigt selbst im Liegen sanft Schaukeln konnte. Heute ist die Schwebeliege zur Schaukel umfunktioniert und hängt in Matildas Kinderzimmer, Anschaffung absolut empfehlenswert.

Außergewöhnliche Beruhigungs-Methoden

Verzweiflung führt manchmal zu seltsamen Verhaltensweisen. Ich bin wirklich ein Mensch, der fest mit beiden Beinen in der Realität verankert ist, und trotzdem habe ich Matildas Bett zwischendurch nach Feng Shui ausgerichtet und einen "Schlafkristall" im Zimmer platziert. Und dann selber über mich gelacht, als ich ernsthaft auf ein positives Ergebnis hoffte. Hat natürlich nichts gebracht. Was ich auch ausprobiert habe: Die Kosmetiktuch Methode. Schreiendes Kind aufs Bett legen und mit ein oder zwei Kosmetiktüchern immer wieder sanft über das Gesicht streichen. Auch wenn das Internet hier sagenhafte Ergebnisse präsentiert, eingeschlafen ist Matilda nicht, aber zumindest konnte ich sie damit ein paar Mal aus einem Schreianfall reißen. Außerdem habe ich einen Gummihandschuh mit Reis befüllt, zugebunden und ihn meinem Kind auf den Rücken gelegt, was eine beruhigende Wirkung haben soll. Und man muss nicht selbst die ganze Zeit neben dem Bettchen stehen. Meine Tochter hat den Trick leider sofort durchschaut, aber im Bett ist sie eh nie eingeschlafen. Auch auf YouTube habe ich mich durch jede Menge seltsamer Tipps gewühlt, die wenigsten empfehlenswert. Aber ein Clip hatte es mir besonders angetan: In How To Calm A Crying Baby beruhigt ein kalifornischer Arzt anhand eines besonderen Griffs ein schreiendes Baby. Wie 37 Mio andere fand ich es faszinierend, wie das Kind nur wegen einer bestimmten Haltung von einer Sekunde auf die andere nicht nur aufhört zu quengeln, sondern unglaublich zufrieden aussieht. Trotz mehrmaliger Versuche habe ich die Technik leider nie richtig hinbekommen. Aber scheinbar muss es ja irgendwie funktionieren. Das Internet lügt nicht! 

Am Ende war es bei uns nicht die eine Sache, sondern eine Kombination aus mehreren Methoden, die immer phasenweise Entlastung gebracht haben. Nicht abschrecken lassen von seltsamen Vorschlägen, einfach alles ausprobieren. Am hilfreichsten ist das Mantra: Es geht vorbei! Irgendwann können sie sagen, was sie wollen. Das hält sie zwar auch nicht vom Schreien ab, aber zumindest kann man dann mit Schokoladen-Entzug drohen.

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Spoiler Alarm: Die ultimative Beruhigungsmethode für Babys gibt es nicht. Dafür sind die kleinen Menschen einfach zu individuell. Aber es gibt jede Menge Ansätze, die man ausprobieren kann.

Gezwitscher

Wenn das Baby schreit, sollte man in den ersten Monaten neben dem Check auf offensichtliche körperliche Schmerzen folgende Liste durchgehen: Hunger? Müde? Windel voll? Kuschelbedürfnis? Danach schreien Babys auch aus anderen Gründen, zum Beispiel Überforderung oder Langeweile. Und manchmal auch einfach nur, um uns zu ärgern. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.