Wie ich Urlaub mit Baby und Kleinkind erst lernen musste

MONTAG, 22.07.2019 Tina

Urlaub haben und Verreisen macht glücklich! Mit Baby und Kleinkind auch? Ja, aber es ist anders und anfangs gewöhnungsbedürftig. Von Umstellungsproblemen und falschen Erwartungen – ein Erfahrungsbericht.

Urlaube verändern sich, je nachdem in welcher Lebensphase man sich gerade befindet. Von "Hauptsache Meer und Strand" als Kind über wilde All Inclusive Party-Hochburgen in der Jugend bis hin zu durchorganisierten Städtetrips und schicken Hotels in den 30ern. Die Umstellung empfindet man nicht als einschneidend, da alle Urlaubsarten eins gemeinsam haben: Es geht nur um dich! Es ist dein Urlaub, du machst, was dir und deinen Freunden Spaß macht und Kompromisse werden höchstens bei der Wahl des Abendessens gemacht. Das ändert sich alles wenn du ein Kind hast. Der Sprung von kinderlosem Urlaub zu Reise mit Kind ist nämlich sehr wohl einschneidend, denn jetzt bestimmt ein anderer Mensch, und dann auch noch so ein kleiner, über deine Freizeitgestaltung – und das musste ich erst mal verkraften.

Umstellungsprobleme

Bis zu unserem ersten Urlaub mit Kind haben wir uns 10 Monate Zeit gelassen. Gezwungenermaßen, denn der Start ins Leben war für Matilda und uns nicht ganz so entspannt (kann man hier nachlesen). Aber dann ging es los: Urlaub in Sardinien, mit den besten Freunden inkl. Kleinkind. Ein Ferienhäuschen nah am einsamen Sandstrand mit Strandbar, abends entspannt Grillen und ein Gläschen Wein trinken, während die Kinder zusammen spielen und dann erschöpft vom langen Badetag von alleine ins Bett fallen. So habe ich mir das zumindest vorgestellt.

In der Realität war schon die Planung ein Kraftakt. Da ich eine so lange Autofahrt inkl. Fähre mit Matilda, die zwar die extreme Schreiphase hinter sich gelassen, aber immer noch keinen Preis für "entspanntestes Baby der Welt" bekommen hatte, nicht auf mich nehmen wollte, kam nur das Flugzeug in Frage. Aber wie schaffen wir Kinderwagen, Kindersitz, Reisebettchen und den gefühlt halben Hausstand ins Flugzeug, ohne die Flugkosten noch mal an Übergepäck draufzuzahlen? Am Ende sind die Väter mit Auto und Krimskrams vorgefahren und meine Freundin und ich mit den Kindern geflogen.

Endlich am Häuschen angekommen, scannte ich alles mit dem Mami-Blick. Statt mir wie früher ein kaltes Bierchen aufzumachen, im Garten den ersten Sonnenuntergang zu genießen oder schon mal kurz dem Meer Hallo zu sagen, überlegte ich mir, wie ich Matilda davon abhalten konnte, die drei Stufen in die Küche herunterzupurzeln, sich am ungesicherten Grill Verbrennungen 2. Grades zu holen und ob das Gartentor zur Straße abschließbar ist. Und diese Stimmung zog sich durch den ganzen Urlaub. Ich plante den Tagesablauf nach Matildas Schlafbedürfnis, schüttete das Glas Wein an der Strandbar unentspannt herunter, bevor das Kind es umwerfen konnte und schlief abends nach dem üblichen Gute-Nacht-Gezeter, denn natürlich fiel Matilda auch nach einem Tag in der Sonne nicht einfach so ins Bett, völlig fertig und schlecht gelaunt am Tisch ein. Während die Wurst noch auf dem Grill brutzelte. Hungrig war ich also auch noch. Was war nur passiert? Sind ab jetzt etwa alle Reisen so? Dann kann ich gleich daheim bleiben, denn Entspannung ist was anderes. Die Leichtigkeit des Seins, die man im Urlaub so schön fühlen kann, war mir abhanden gekommen.

Akzeptiere das Neue

Die Wahrheit ist, ich war enttäuscht. Dass ein Urlaub mit Baby anders ist als früher, war mir schon irgendwie klar, aber trotzdem bin ich mit falschen Erwartungen an die Sache herangegangen. Ich habe mich an die bewährten und gelernten Muster der Urlaubsfreude geklammert, anstatt mich an die neue Situation anzupassen. Und das hat Stress verursacht und verhindert, dass ich Veränderungen locker sehen konnte. Heute weiß ich: Man muss nicht nur mit ganzem Herzen akzeptieren, dass es nicht mehr so ist wie früher, man muss es feiern!

Und je älter die Kinder werden, desto besser geht das. Ein Kinderhotel mit Animation den ganzen Tag stand bisher für dich auf Platz 1 der Folterliste? Genieße die Vorzüge, die eine 24/7 Kinderbespaßung hat (Buch lesen, Schwimmen, Cocktail an der Bar) und tanze ohne Scham in der Minidisco zu "Veo Veo". Die Uffizien in Florenz sind zwar wirklich schön, allerdings sind sie in 15 Jahren ohne quengelndes Kind am Arm noch viel schöner. Lieber ab in den Aquapark um die Ecke, den ganzen Tag die Wasserrutschen runtersausen und abends müde und glücklich eine Familien-Pizza essen gehen.

Gewöhn dich dran, dass du für die nächsten Jahre auf die Frage, wie dein Urlaub war, antworten wirst: Also dem Kind hats super gefallen. Weil du dich innerlich immer noch weigerst, zuzugeben, dass du auch Spaß hattest. Nur eben anders als früher. Und sind wir mal ehrlich: Das Gefühl, wenn deine Tochter jauchzend aus dem Wasser gerannt kommt, du sie in ein Handtuch einwickelst und ihr kuschelnd die Wellen beobachtet ist einfach toll. Das ist jetzt mein neues Urlaubsgefühl!

In der Galerie gibt's noch ein paar mehr meiner Erfahrungen zum Urlaub mit Baby und Kleinkind, z.B. ob Auto fahren oder Flugzeug besser ist und dass man im Urlaub ruhig mal seine Prinzipien über Bord werfen sollte. 

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Ein neues Familienmitglied verändert dein Leben. Und deinen Urlaub. Wenn man das Neue akzeptiert, wird auch das Reisen mit Baby und Kleinkind glücklich machen. 

Gezwitscher

Epilog: Zwei Wochen nach dem Italien-Urlaub im Familienhotel sitze ich allein im Auto mit offenem Fenster und schmettere lauthals "Tschu Tschu Wa", weil ich die CD, die wir auf der Fahrt in die Krippe gehört haben, nicht rausgenommen habe. An der Ampel hält eine Familie neben mir, der Vater auf dem Beifahrersitz schaut mir wissend in die Augen und sagt zwinkernd "Ja, irgendwann bekommen sie alle".   

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.