Windelfrei - geht das überhaupt?

DONNERSTAG, 12.07.2018

"Was? Eure Kleine trägt gar keine Windeln? Keine Pampers? Und auch nichts aus Stoff? Das kann doch gar nicht gutgehen ..." Tut es aber! Wir müssen es ja wissen. Schließlich praktizieren wir das Windelfrei-Konzept erfolgreich.

Ja, ich habe ein grünes Gewissen. Sogar ein ziemlich ausgeprägtes. Das ist auch mit dafür verantwortlich, dass ich mich überhaupt erst mit der Möglichkeit auseinandergesetzt habe, meine Tochter windelfrei aufwachsen zu lassen. Wenn ich mir vorstelle, dass eine Wegwerfwindel etwa 200 Jahre braucht, bis sie sich zersetzt, wird mir ganz anders. Zumal ich ja weiß, dass in anderen Kulturen die Kinder ganz ohne Windeln aufwachsen. Warum sollte ich das nicht auch schaffen?

Windelfrei? Muss das sein?

Die größte Hürde auf dem Weg zum windelfreien Glück war mein Mann. Der wollte sich während der Schwangerschaft nicht mit dem Thema Windeln auseinandersetzen. Schon gar nicht mit dem Thema windelfrei. "Ist doch eklig", war sein einziger Kommentar dazu. Also nahm ich ihn zu einem Treffen von Windelfrei-Anhängern mit (wir haben das Glück, in einer Stadt zu leben, in der es so etwas gibt). Was ihn letztlich davon überzeugte, dass wir es wenigstens mal versuchen sollten. Die Leute dort sind nämlich nicht irgendwelche Freaks, sondern ganz normale Menschen.
Das Treffen, auf das noch einige andere folgen sollten, war wichtig. Wichtig, um zu verstehen, dass es bei windelfrei nicht in erster Linie darum geht, dass das Kind möglichst schnell trocken wird. Sondern um zu begreifen, dass man durch das Windelfrei-Konzept lernt, mit seinem kleinen Spatz (besser) zu kommunizieren. Und das schon im Säuglingsalter.

Aller Anfang ist schwer …

Ich will nichts beschönigen. Die ersten Wochen waren echt anstrengend. Ständig habe ich unsere Tochter über das Minitöpfchen gehalten. Ah, sie hat mit der Wimper gezuckt - sie muss bestimmt mal. Oh, sie hat kurz aufgeschrien - sie muss bestimmt mal. Und nein - es hat natürlich nicht immer funktioniert. Ich hatte bestimmt mehr Wäsche als eine Mama mit einem Wickelbaby. Doch der Stress hat sich gelohnt, und wir leben mittlerweile sehr glücklich damit - auch mein Mann. Auch dank des Windelfrei-Treffs, bei dem wir uns mit Gleichgesinnten austauschen können.

Windeln für unterwegs

Zugebenermaßen ist unser kleiner Spatz nicht immer ganz ohne Windeln unterwegs. Aber zuhause funktioniert das prima. Dann nämlich können mein Mann und ich sofort reagieren, wenn unsere Tochter mal muss. Anfangs war es echt schwierig zu wissen, wann es Zeit ist, die Kleine über den Topf zu halten. Aber inzwischen wissen wir, dass sie sich sehr eindeutig bemerkbar macht. Sie fängt dann auf diese eine besondere Art an zu meckern. Für uns bedeutet das: Ab auf den Topf!

Windelfrei und glücklich

Inzwischen ist unsere kleine Maus neun Monate alt - und wir leben noch immer windelfrei. Weil wir fest davon überzeugt sind, dass keine Windel dieser Welt (egal, ob Stoff oder Plastik) unserer Tochter so viel Freiheit geben kann. Vom Umweltgedanken ganz zu schweigen. Wir sind uns auch sicher, dass sie kein Töpfchen-Trauma davontragen wird, nur weil sie es von Anfang an kannte. Im Gegenteil: Das Töpfchen ist für sie ganz normal. Windeln mag sie hingegen gar nicht. Aber wie gesagt: Ganz ohne Auslaufschutz trauen wir uns dann doch (noch) nicht aus dem Haus. Nachts trägt sie eine Stoffwindel. Da muss sie durch.
Was ich als besonders positiv empfinde ist, dass ich schon sehr früh gelernt habe, in den Emotionen meiner Tochter zu lesen. Weil ich eben darauf achten musste, wann es denn jetzt Zeit fürs Töpfchen ist - und wann sie etwas anderes bedrückt, freut oder begeistert. Und das ist etwas sehr Kostbares, was ich um nichts in der Welt hergeben möchte.

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Windelfrei: Ein Revival aus der Steinzeit oder eine ganz neue Art der Freiheit?

MeinSpatz Gezwitscher

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