Zähneputzen schon im Babyalter? So haben wir das gemacht

DIENSTAG, 19.03.2019 Andrea Huber

Zähneputzen ab dem ersten Milchzähnchen? Ist das nicht übertrieben? Nein! Eine Mama verrät, warum ihr nicht früh genug damit anfangen könnt und wie ihr alle Spaß habt.

Das Geheimrezept für entspanntes Zähneputzen mit deinem Baby? Hätte ich auch gerne. Wir hatten verschiedene Taktiken, die wir je nach Laune miteinander kombinierten – und so klappte es eigentlich ganz gut. Eine unserer besten Entscheidungen war es, schon so früh wie möglich damit zu beginnen. Also bekam unser Kleiner seine erste Gumminoppen-Bürste als er zu Zahnen begann. Er biss begeistert darauf herum. Im Endeffekt nutzten wir das Teil wie einen Beißring. Morgens und abends nahm ich einen feuchten Waschlappen und massierte damit vorsichtig die Kauleisten meines Kleinen. Er liebte das, saugte das kalte Wasser und guckte interessiert, was Mami da schon wieder macht. Als die ersten Zähnchen endlich da waren, gab es die erste Zahnbürste. Vor dem Zubettgehen schrubbte ich damit ganz sanft über seine kleinen weißen Beißerchen und ließ ihn viel selber experimentieren. Ich hatte auch einen Fingerling, den fand unser Zwerg allerdings richtig doof. Ich auch irgendwie. Vielleicht spürte er das.

Bakterien von den Erwachsenen                

Der abgeschleckte Schnuller, der Löffel, den sich Oma und Enkel teilen, der Finger der abgeschleckt wird und danach beim Füttern in Babys Mund landet – egal auf welchem Weg Speichel von einem Erwachsenen in den Mund eines Kindes gelangt … Auf eben demselben Weg kommen auch Kariesbakterien an die Zähnchen der Kleinen. Und deswegen müssen die Zähne eben von Anfang an gepflegt und geputzt werden. Wenn ich Menschen im Umfeld meiner Kinder bat, darauf zu achten, dass sie die Löffel der Kinder nicht in den Mund nehmen und sich nicht die Finger abzuschlecken, während sie die Kinder fütterten, fanden die das immer komisch. "Glucke" und "So ein Schmarrn, das haben wir früher auch gemacht" bekam ich um die Ohren gehauen. Aber nur, weil Dinge früher anders gemacht wurden, waren sie nicht immer besser. Auch nicht immer schlechter. In diesem Fall aber schon. Dank der Wissenschaft sind die Fakten klar und wenn ich es vermeiden kann, dass Kariesbakterien in den Mund meines Kindes kommen, dann tue ich das.

Zahnarzt macht Spaß

Wir benutzten nur wenig Zahnpasta, da unser Zwerg das süße Zeug immer gleich runterschluckte. Dann empfahl mir der Kinderarzt neutrale Zahnpasta zu kaufen, die verleite weniger zum Schlucken. Damit klappte es besser. Unser Zahnarzt riet uns morgens zu Wasser und einem winzigen Klecks Zahnpasta ohne Fluorid und abends zu einer erbsengroßen Portion mit Fluorid. Apropos Zahnarzt, nach dem fünf oder sechs Zähne sichtbar waren, rief ich beim Zahnarzt an und machte einen Termin für uns. Er meinte, man könne nicht früh genug anfangen. Bei diesen ersten frühen Terminen geht es einfach nur darum, dass die Kids sich an den komischen Stuhl, das Licht und den Besuch an sich gewöhnen. Es wurde kurz in den Mund geschaut und das war's. Ich ging mit beiden Kindern sehr früh und dann regelmäßig alle sechs Monate. Erst saßen sie auf meinem Schoß, später alleine auf dem "Aufzugstuhl". Mittlerweile machen sie den Mund sperrangelweit auf und lassen den Zahnarzt ohne Probleme ihre Zähne untersuchen. Danach gibt es ein kleines Spielzeug und wenn wir rausgehen fragen sie schon, wann sie wieder kommen dürfen. Wir hatten bislang aber auch keine Probleme mit Löchern, was denke ich daran liegt, dass wir extrem viel geputzt haben. Auch in der Phase, in denen die Jungs keine Lust hatten – dann auch schon mal gegen ihren Willen. Wobei die Tränen dann auf beiden Seite flossen.

"Mama darf ich deine Zähne putzen"

Was sich bei uns als Wunderwaffe erwiesen hat: Wenn sie erst die Zähne von mir oder meinem Mann putzen durften. Wir besorgten uns diese kleinen Zahnarztspiegel und sie inspizierten unsere Zähne ganz genau. Außerdem haben wir versucht immer mit Zeit zu putzen: Babys wollen den Gegenstand in ihrem Mund abschlecken, ablutschen, abtasten – das kann schon mal dauern. Waren wir im Stress oder mussten schnell los, war auch das Zähneputzen kein Spaß. Dann half manchmal ein Kuscheltier und in ganz tragischen Fällen ein Zahnputzlied auf YouTube. Als ich den Zahnarzt fragte, ob das Kind kein Trauma bekommt, wenn wir im gegen seinen Willen die Zähne putzen, meinte er nur: "Wägen sie doch mal ab. Was denken sie, wie ihr Kind sich fühlt, wenn es Löcher hat und ich hier mit dem Bohrer seine Zähne bearbeite?" Mehr musste ich nicht hören. Meine Jungs sind mittlerweile übrigens 4 und 5. Sie dürfen selber putzen, abends putzen mein Mann und ich immer noch nach. Und wenn wir das Zähneputzen mittlerweile mal vergessen, erinnern sie uns daran. Wir suchen zusammen coole Zahnbürsten und Glitzerzahnpasta aus, das finden sie sehr toll. Bis jetzt hatten wir Glück und noch kein Loch. Und gerade hat der erste Milchzahn sich verabschiedet …

Zähneputzen schon im Babyalter? So haben wir das gemacht pin

Muss es wirklich sein, schon einem Baby die kaum vorhandenen Zähne zu putzen? Unsere Autorin meint "Ja" und erzählt in ihrem Erfahrungsbericht, wie sie es gemacht hat.

MeinSpatz Gezwitscher:

Fluorid oder nicht? Hier scheiden sich die Geister. Während Zahnärzte fluoridhaltige Zahnpasta empfehlen, halten viele den Zusatz nicht für zwingend notwendig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat dazu eine Stellungnahme abgegeben, die du hier nachlesen kannst.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.