Alles Wissenswerte über den Wochenfluss

MITTWOCH, 14.11.2018

Ja, der Wochenfluss ist nervig. Dicke Binden, Netzunterhosen – nicht gerade sexy. Aber er ist für deinen Körper unglaublich wichtig. Wir verraten dir warum.

Was genau ist der Wochenfluss?

Während der Schwangerschaft war die kuschelige Höhle deines Babys, die Plazenta, fest mit der Gebärmutter verbunden. Mit der Nachgeburt wird sie ausgeschieden und hinterlässt dabei eine offene Wunde an der Gebärmutterwand, die langsam wieder verheilt. Während dieses Prozesses transportiert der Wochenfluss Blut, Eihaut, Wundsekret und auch Gewebereste in Form kleiner Klümpchen ab. Die Stärke der Blutungen variiert dabei und nimmt mit der Zeit kontinuierlich ab. Während die ersten Tage noch durch viel hellrotes frisches Blut gekennzeichnet sind, verändert sich die Farbe deines Wochenflusses allmählich: von Rot, über Rosa, bräunlich bis hin zu gelblich Weiß. Auch die Konsistenz bleibt nicht immer gleich. Anfangs ist der Wochenfluss sehr flüssig, gegen Ende wird er eher schleimig.

Wie lange dauert er?

Der Wochenfluss ist so individuell wie du. Als Faustregel gilt ein Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Es gibt aber Frauen, die nach nur drei Wochen quasi damit durch sind. Ganz klar: Die Dauer richtet sich auch nach dem Ablauf deiner Geburt. Und sie hängt ebenfalls davon ab, ob du dein Kind mittels Kaiserschnitt oder natürlich zur Welt gebracht hast. Viele Mamis berichten, dass der Wochenfluss nach einem Kaiserschnitt deutlich schneller vorbei ist. Auch das Stillen trägt manchmal dazu bei, dass die Blutungen und der Ausfluss rascher zurückgehen, da das Stillhormon ein zügigeres Zusammenziehen der Gebärmutter bewirkt.

Intimpflege beim Wochenfluss

  • Waschen mit lauwarmem Wasser: Nach jedem Toilettengang kannst du deinen Intimbereich mit Wasser spülen. Wichtig ist, dass dabei keine Bakterien oder Keime in deine Vagina gelangen. Also vorher immer gut die Hände waschen. Du kannst zum Beispiel einen kleinen Becher direkt mit zur Toilette nehmen und das Wasser anschließend über die Schamlippen gießen. Wichtig: Wasche dich nur von außen. So löst du vertrocknetes Blut und minimierst das Infektionsrisiko. Manche Mamis finden es einfacher, die Brause in der Dusche zu benutzen. Wähle hier eine ganz sanfte Düsenposition und auf keinen Fall den Massagestrahl.
  • Auf ein schaumiges Vollbad solltest du in der ersten Zeit deines Wochenflusses verzichten. Zum einen sollten die Geburtsverletzungen nicht mit Seife und Co in Berührung kommen, zum anderen können auf diesem Weg auch wieder Keime und Bakterien in deine Vagina gelangen. Außerdem leiden gerade stillende Frauen in den ersten Tagen und Wochen an offenen Brustwarzen. Sind diese bei einem Vollbad unter Wasser, finden Keime und Co. auch hier eine Eintrittspforte. Allerdings gibt es auch Mamis, denen Sitzbäder etwa mit Eichenrinde oder Calendula beim Wundheilungsprozess helfen. Wann du dich in der Wanne wieder entspannen kannst, entscheidest du mit deiner Hebamme ganz individuell.
  • Wechsle alle zwei bis drei Stunden deine Binde, auch wenn sie noch nicht vollgesaugt ist. Auch damit minimierst du das Infektionsrisiko und fühlst dich gleichzeitig frischer. Händewaschen nicht vergessen.
  • Verzichte auf Tampons. Sicher wirst du bereits im Krankenhaus darüber aufgeklärt: Tampons und Wochenfluss gehören definitiv nicht zusammen. Beim Einführen gelangen zu leicht – du ahnst es schon – Keime und Bakterien in deine Scheide, was du wegen der offenen Wunde unbedingt vermeiden solltest.

Darf ich während des Wochenflusses Sex haben?

Ja, du darfst. Wenn du Lust hast, mit deinem Partner zu schlafen und eventuelle Nähte verheilt sind, steht Sex nichts im Weg. Um ganz sicherzugehen, rede mit deinem Arzt oder deiner Nachsorgehebamme darüber. Die alte Regel, wonach ein Paar sechs bis acht Wochen nach der Entbindung brav enthaltsam sein sollte, gilt als überholt. Sobald du Lust verspürst, versucht ihr einfach vorsichtig, was schon geht und womit ihr lieber noch wartet. Es kann gerade für dich als Frau auch wunderschön sein, wieder zärtlich berührt zu werden und eine Mami-Pause zu machen. Wichtig ist, dass DU bestimmst, wann du so weit bist – ob nun nach vier Wochen oder vier Monaten. Benutzt aber unbedingt ein Kondom, da du dich ungeschützt über den Wochenfluss sehr leicht mit Bakterien anstecken könntest. Außerdem: Je nach Zeitpunkt kann auch bald der erste Eisprung wieder anstehen und damit bist du theoretisch wieder fruchtbar.

Was du alles für den Wochenfluss brauchst:

  • Unterhosen: Im Krankenhaus bekommst du geeignete Netzunterhosen, die zwar wirklich nicht hübsch sind, aber ihren Zweck erfüllen. Am besten besorgst du dir für das Wochenbett zu Hause gemütliche Panties (am besten eine Nummer größer, als du sonst trägst), die eine Binde an Ort und Stelle halten. Achte darauf, dass dein Bauch anfangs noch ein wenig größer sein wird und das Höschen nicht einschneiden sollte. Für Kaiserschnitt-Patientinnen gibt es extra "Kaiserschlüpfer", die höher geschnitten sind und die Naht unterstützen.
  • Binden: Die ersten Binden bekommst du direkt nach der Entbindung, und die fühlen sich, ganz ehrlich, nicht besonders toll an. Die dicken Watteeinlagen sind aber wichtig, damit die starken Anfangsblutungen gut aufgefangen wird. Und du bist sowieso damit beschäftigt, dein kleines Baby anzuhimmeln. Wenn du wieder zu Hause bist, kannst du zuerst Binden für die Nacht auch tagsüber verwenden (die sind besonders saugstark) und dann langsam zu den mittlerweile wirklich ultradünnen Binden mit Seitenflügeln übergehen. 
  • Weite, dunkle Hosen: Leg dir ein paar weite und gemütliche Jogger in dunklen Farben zu. Nicht immer kannst du gerade dann zur Toilette gehen, wenn die Binde auszulaufen droht – etwa weil du dein Kind stillst oder gerade in den Schlaf wiegst. So wirst du dich wohler und sicherer fühlen.
  • Unterlagen fürs Bett: Bei sehr starker Blutung eignen sich für Bett und Couch wasserundurchlässige Unterlagen, die du einfach in der Waschmaschine bei 90 Grad waschen kannst. 

Bei diesen Anzeichen heißt es: Ab zum Arzt

Im Normalfall verläuft der Wochenfluss unproblematisch und reguliert sich selbständig. Es gibt aber Anzeichen, die auf Komplikationen hindeuten. So bleiben in seltenen Fällen Teile der Plazenta in der Gebärmutter zurück. Es kommt auch vor, dass sich frischgebackene Mamis zu wenig Ruhe gönnen, sich zu viel zumuten und die Blutung der Wunde so wieder in Gang setzen. Sollte dir irgendetwas komisch vorkommen, rufe sofort deine Hebamme oder deinen Gynäkologen an. Sie werden dir gerne weiterhelfen. Bei diesen Anzeichen solltest du stutzig werden:

  • Deine Blutung ist so stark, dass die Binde innerhalb einer Stunde durchtränkt ist.
  • Auf der Toilette rinnt das Blut wie ein zarter Wasserstrahl aus dir heraus.
  • Nach einer Woche hat die Intensität der Blutung immer noch nicht nachgelassen oder wird sogar wieder stärker.
  • Extrem große Blutgerinnsel treten aus oder der Geruch verändert sich extrem.
  • Du bemerkst Krankheitssymptome wie Fieber oder Schüttelfrost.

Denke immer daran, du hast ein kleines Menschlein gemacht und dein Kind zur Welt gebracht. Dein Körper muss sich erholen und du brauchst Ruhe, gutes und gesundes Essen, ausreichend Flüssigkeit und viiieeeel Zeit, um diese kostbaren ersten Momente mit deinem Baby zu genießen.

Alles Wissenswerte über den Wochenfluss pin

Der Wochenfluss: Keiner spricht darüber. Deshalb gibt´s alle wichtigen Infos bei uns.

MeinSpatz Gezwitscher

Auch Geburtsverletzungen wie Dammrisse oder Abschürfungen an den Schamlippen beeinflussen den Umgang mit deinem Wochenfluss. Wie du sie am besten pflegst, und was du dabei beachten musst, verrät dir Hebamme Anja auf ihrem Blog.