Beckenbodentraining – darum ist es so wichtig

DONNERSTAG, 29.03.2018

Dein Körper hat sich von der Geburt erholt. Jetzt heißt es, den Beckenboden zu trainieren. So beugst du Inkontinenz vor und verbesserst dein Sexleben.

Nach einer Geburt, egal ob natürlich oder mit Kaiserschnitt, braucht dein Beckenboden besondere Aufmerksamkeit. Er ist ein echter Wahnsinnsmuskel, der deine Organe an Ort und Stelle hält, deinen Rumpf stützt und dein Baby trägt. Während der Geburt dann dehnt er sich, streckt sich und macht sich weich, um deinem Kind den Weg nach draußen zu ermöglichen. Und genau dieser Muskel wir leider oft vernachlässigt, seine Wichtigkeit unterschätzt. Das Problem: Es rächt sich nicht sofort, sondern oft erst Jahre später. Auch dann kann er zwar noch trainiert werden. Aber zu viel Beanspruchung und zu wenig Aufmerksamkeit sind auch für den Supermuskel irgendwann zu viel. Die Folgen sind Rückenschmerzen, eine schlechte Haltung und Inkontinenz. Sogar dein Sexleben ist beeinträchtigt.

Schon während der Schwangerschaft sanft trainieren

Zur Vorbereitung auf die Geburt und zur Kräftigung deines gesamten Körpers solltest du deinen Beckenboden bereits während der Schwangerschaft sanft trainieren. Du denkst jetzt vielleicht: „Puh! Schon wieder ein neuer Punkt auf meiner To-do-Liste.“ So viel vorneweg: Es geht auch ohne. Aber die einfachen Übungen helfen dir gegen Rückenschmerzen und stärken die Muskeln, die aufgrund der Hormonschwemme immer weicher werden. Und: Wenn du den Muskel gut spüren, entspannen und anspannen kannst, hilft dir das während der Geburt. Er ist dann schön elastisch und du kannst ihn aktiv entspannen, wenn dein Baby nach draußen will. Also vielleicht doch keine so schlechte Idee. Dank eines großen Angebots an Trainings-DVDs und YouTube-Videos übst du einfach zu Hause. Du brauchst nur ein wenig Zeit. Alternative: Auch in Yoga-Kursen für Schwangere wird der Beckenboden trainiert.

Nach der Geburt

Nach der Geburt ist erst mal Relaxen angesagt. Damit du deinen Muskel schonst, gibt es im Alltag ein paar Dinge zu beachten: Ruhe dich aus. Im Wochenbett soll sich dein Körper regenerieren. Trau dir nicht zu schnell zu viel zu. Eine MeinSpatz Autorin hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Mehr dazu im Artikel „So habe ich mir den Alltag mit Baby nicht vorgestellt…“ Trage lieber nichts, das schwerer ist als dein Kind. Versuche, dich beim Wickeln aufrecht zu halten und spanne Po- und Bauchmuskeln leicht an, das stabilisiert deinen Rumpf und deinen Beckenboden.

Sechs bis acht Wochen nach der Entbindung kannst du dann mit sanftem Beckenbodentraining beginnen. Hier gibt es spezielle Rückbildungskurse, die von der Krankenkasse bezahlt werden – frag deine Hebamme danach. Auch Kliniken bieten solche Kurse an.

Das tut dein Beckenboden für dich

Warum ist der Beckenboden eigentlich so wichtig für dich? Aufgespannt wie ein Trampolin schließt er den Bauchraum nach unten ab und ist eine wichtige Stütze für deine inneren Organe. Er stabilisiert deinen gesamten Rumpf und er bildet den Schließmuskel um After und Blase. Ist er untrainiert oder nach der Geburt geschwächt, passiert es schnell, dass bei plötzlichem Husten, Lachen oder Niesen ein paar Tropfen Urin in der Unterhose landen. Auch kannst du deinen Urin nicht so lange halten und musst öfter aufs Klo. Wie der Beckenboden genau funktioniert, siehst du im Video.

Doch nicht nur wichtige Körperfunktionen werden über den Supermuskel gesteuert. Auch dein Lustempfinden hängt mit ihm zusammen. Beim ersten Sex nach der Geburt wirst du feststellen, dass deine Vagina sich irgendwie weiter anfühlt und nicht mehr so empfindlich auf Stimulation reagiert. Auch das liegt an den erschlafften Muskeln deines Beckenbodens. Mit dem richtigen Training und etwas Geduld wirst du auch dein Empfinden beim Sex wieder spürbar verbessern.

Unser Beckenboden hat also wirklich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient!

Beckenbodentraining – darum ist es so wichtig

Keine Lust auf Beckenbodentraining? In unserem Artikel erfährst du, warum du das nicht so einfach abschreiben solltest.

MeinSpatz Gezwitscher

Inkontinenz nach der Geburt ist immer noch ein Tabuthema. Meistens ist sie nur temporär, aber manche Frauen haben ihr Leben lang damit zu kämpfen. So auch Oscarpreisträgerin und 3-fach Mama Kate Winslet. 2015 gab sie in der „Graham Norton Show“ offen zu „Ich kann nicht mehr auf Trampolinen springen. Ich mache mich nass. Es ist schrecklich. Vor allem, wenn Du einen Rock trägst.“ Auch das Niesen sei nicht ganz unproblematisch. Kate, für diese Beichte lieben wir dich noch mehr!

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