Was ist Bonding und wieso ist es so wichtig?

DONNERSTAG, 26.12.2019 Julia M.

Bereits während der Schwangerschaft baust du eine Beziehung zu deinem Baby auf. Nach der Geburt wird dieses noch weiter intensiviert: Für Eltern und Kind das Bonding sehr wichtig. Wir geben dir Tipps, wie du es aktiv unterstützen kannst.

Sicher hast du schon einmal von dem Begriff Bonding gehört, fragst dich aber, was Bonding eigentlich genau ist. Grundsätzlich kommt der Begriff aus dem Englischen und beschreibt die innige Beziehung, die sich schon während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt zwischen Mama, Papa und Baby entwickelt. Besonders Körpernähe, Wärme und Augenkontakt spielen für das Bonding eine wichtige Rolle. Bei dir als Mama werden außerdem beim Stillen Bindungshormone ausgeschüttet, die diesen Prozess zusätzlich unterstützen. 

Bonding mit Baby: Wie lange dauert es?

Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Bereits während der Geburt und der Milchproduktion sorgt unter anderem das so genannte Kuschelhormon Oxytocin dafür, dass eine Bindung zwischen euch beiden aufgebaut wird. Sobald dein Spatz auf der Welt ist, kann das Bonding also beginnen.

Lange Zeit gingen Forscher davon aus, dass vor allem die ersten Stunden nach der Geburt für ein erfolgreiches Bonding zwischen Eltern und Kind entscheidend sind. Neuere Untersuchungen zweifeln diese Hypothese hingegen an und sehen es nicht so eng. Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo schreibt in seinem Buch „Babyjahre“ etwa, dass der Bindungsvorgang zwischen Menschen kein „zeitgebundenes Reflexgeschehen“ ist. Schließlich ist es manchmal nicht möglich, dass Eltern und Kind direkt nach der Geburt Zusammensein können: Etwa nach einem Kaiserschnitt, aufgrund medizinischer Komplikationen oder wenn Eltern ein Kind adoptieren. 

Largos Meinung nach, beeinträchtigt es die Eltern-Kind-Beziehung nicht, wenn diese nicht sofort nach der Geburt intensiv Zeit miteinander verbringen können. Gleichzeitig ist der direkte Kontakt nach der Geburt kein Garant für eine enge Bindung. Schließlich sind viele Mütter nach der Geburt erschöpft und überfordert. Nicht immer stellen sich da sofort tiefe Muttergefühle ein. Mama, Papa und Baby müssen sich schließlich erstmal „beschnuppern“, also kennenlernen und aneinander gewöhnen. Bonding kann also auch Tage und sogar Wochen nach der Geburt aktiv nachgeholt und intensiviert werden. 

Was beim Bonding genau passiert

Sobald dein Baby auf der Welt ist, muss es diese erst einmal kennenlernen und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Außerdem kann es sich noch nicht selbst versorgen, braucht also seine Eltern um es zu füttern, zu wickeln, zu streicheln, es warm zuhalten usw. Es braucht Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen in dieser neuen Welt, außerhalb von der Geborgenheit in Mamas Bauch.

Beim Bonding spürt dein Baby, dass du und dein Partner für sein Wohlergehen da sind. Indem ihr es umsorgt, mit ihm redet und kuschelt baut es zu euch und in die Welt Vertrauen auf. Es merkt: Hier bin ich sicher, geliebt und muss keine Angst haben. 

Gleichzeitig lernen du und dein Partner euer Baby besser kennen. Schon bald wisst ihr wie ihr die Körpersprache und jeden Mucks und Schrei eures Babys deuten könnt und werdet immer selbstsicherer im Umgang mit eurem kleinen Schatz. Die Liebe, die sich während des Bondings bei den Eltern aufbaut, besitzt eine immense Tiefe. Es entsteht ein festes Band, dass mit der Zeit immer stärker wird. Und das ist auch eines der wichtigsten Stichworte für erfolgreiches Bonding: Zeit. 

Wie oben bereits erwähnt, ist es nicht immer möglich direkt nach der Geburt mit dem Bonding zu beginnen. Es ist zwar sicher ideal, wenn dein Spatz direkt nach einer komplikationsfreien Geburt an deiner Brust liegen kann und ihr die ersten Stunden intensiv miteinander verbringt. Bonding an sich ist aber ein Prozess und kann auch ohne diese Momente direkt nach der Geburt gelingen.

So kannst du das Bonding aktiv fördern

Bonding beginnt, sobald du das erste Mal bewusst mit deinem Spatz zusammen bist. Das erfordert vor allem Ruhe. Dabei hältst du es in deinem Arm, streichelst es und redest mit ihm. Wärme, Körper- und Augenkontakt in einem intimen Setting sind für das Bonding essentiell. Schütze deinen Spatz unbedingt vor Reizüberflutung. Am besten haltet ihr euch in einem warmen Raum mit gedämpftem Licht auf.

Das Timing spielt keine Rolle. Deswegen solltest du dir auch nichts einreden lassen und kein schlechtes Gewissen haben, falls du deinen Spatz nicht direkt nach der Geburt im Arm halten kannst (z.B. nach einem Kaiserschnitt). Sogar Wochen nach der Geburt kann das Bonding nachgeholt werden. Experten sprechen hierbei meist von „Re-Bonding“. Hier gelten dieselben Regeln, du kannst deinen Spatz also auf deine Brust legen, es ansehen, mit ihm reden, streicheln und so eine intime Atmosphäre für euch beide schaffen. Am besten dauern diese Schmusestunden besonders lange an. Manche Eltern machen gar ganze Bonding-Tage daraus.

Auch das Stillen ist Teil des Bonding: Schließlich bist du hier mit deinem Spatz alleine und ihr habt ganz viel Ruhe und Zeit für euch. Schau dein Baby direkt an und genieße diese intensiven Momente. 

Daran erkennst du geglücktes Bonding

Selbstbewusstsein ist eines der Hauptanzeichen: Wenn dein Baby selbstsicher und neugierig die Welt und seine Umgebung erkundet und wenig ängstlich ist, kannst du davon ausgehen, dass das Bonding geglückt ist. Es stärkt das Vertrauen und ein gewisses Gefühl von Sicherheit in deinem Kind. Geglücktes Bonding zeigt sich durch Ausgeglichenheit, Fröhlichkeit und Neugierde.

Bonding zwischen Papa und Baby

Nicht zu Verachten ist das Bonding mit dem Papa. Was körperliche Nähe angeht, bist du deinem Partner zu Beginn zwar einen immensen Schritt voraus, schließlich beginnt das Bonding bereits während der Schwangerschaft. Das heißt aber nicht, dass Väter hier nicht aufholen und eine ebenso starke Bindung aufbauen können. Dabei läuft das Bonding (bis auf das Stillen) genauso ab, wie bei den Mamas: Am wichtigsten ist Körperkontakt und Wärme, indem das Baby gehalten und gestreichelt wird. Bewusste Papa-Kind-Momente und Hautkontakt sind auch hier der Schlüssel für eine tiefe Bindung.

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Es gilt als einer der wichtigsten Momente nach der Geburt: Doch was genau ist Bonding und kann es nachgeholt werden?

MeinSpatz Gezwitscher

Auch PEKiP-Kurse sind dafür konzipiert, um die Eltern-Kind-Beziehung aktiv zu fördern. Auch hier geht es um ganz viel Körpernähe, weshalb die Babys nackt in einem warmen Raum mit ihren Eltern und anderen Gleichaltrigen spielen. Nähere Infos zum Thema findest du hier.

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.