Darum ist das Wochenbett so wichtig

MITTWOCH, 11.07.2018

Wundheilung, Milcheinschuss, Babyblues und Bonding: Das Wochenbett ist eine unglaublich intensive und wichtige Zeit und sollte für Mutter und Kind endlich wieder selbstverständlich werden.

Mütter, die gleich nach der Geburt wieder den Haushalt schmeißen, Gäste bewirten und einen tollen After-Baby-Body präsentieren, werden vor allem in den sozialen Netzwerken gefeiert. Dabei ist die Ruhephase nach der Schwangerschaft und Geburt extrem wichtig. Der Körper regeneriert sich, der Hormonhaushalt pendelt sich langsam wieder ein und die Bindung zwischen Mutter und Kind wird vertieft. „Als Faustregel gilt: 7 Tage im Bett, 7 Tage auf dem Bett, 7 Tage um das Bett herum,“ wie Familienberaterin Susanne Mierau auf ihren blog geborgen-wachsen.de schreibt. Und auch danach sollte Mama langsam machen.

Wundheilung und Wochenfluss

Nach der Geburt muss dein Körper sich erholen. Eventuelle Scheiden- oder Dammverletzungen brauchen Pflege und heilen am besten, wenn du im Bett bleibst und dir Ruhe gönnst. Die Ablösung der Plazenta hat eine große Wunde im Bauch hinterlassen. Blut, Gewebereste und Wundsekret werden über den Wochenfluss ausgeschieden. Die Blutung dauert zwischen zwei und sechs Wochen. Tampons sind in dieser Zeit tabu, denn so könnten Bakterien über die Scheide ins Innere gelangen. Außerdem soll das Sekret aus der Scheide herausfließen können. Auch mit dem Sex solltet ihr warten, bis der Wochenfluss aufgehört hat, und Arzt oder Hebamme das Go geben.

Hormonschwankungen und Babyblues

Nach der Geburt stellt sich dein Körper um: von schwanger auf nicht schwanger. Dein kompletter Hormonhaushalt wird also wieder auf den Kopf gestellt. Noch dazu befindest du dich in einer komplett neuen und emotional überwältigenden Situation. Kein Wunder also, dass dich deine Gefühle immer wieder überrollen und Tränen fließen. Dein Körper braucht Zeit und Ruhe, sich wieder auf das richtige Hormonlevel einzupendeln und du brauchst Zeit und Ruhe, um in deine neue Rolle als Mama hineinzuwachsen. Wenn nach zehn Tagen Babyblues noch keine Besserung eintritt, sprich mit deiner Hebamme darüber. Sie wird mit dir zusammen beraten, wie es weiter geht und ob du vielleicht unter einer postpartalen (auch postnatalen) Depression leidest. Einen Erfahrungsbericht zum Thema findest du hier: „Ich muss schon wieder heulen: So fühlt sich der Babyblues an.“ 

Rückbildung

Auch in den Wochen nach der Geburt leistet dein Körper Schwerstarbeit: Nicht nur die Hormone stellen sich um, auch die Organe, die durch den Babybauch verschoben wurden, rutschen langsam wieder zurück an ihren Platz. Deine Atmung verändert sich, obwohl du das vermutlich gar nicht merken wirst. Während der Schwangerschaft atmen die meisten Frauen lediglich über die Brust. Jetzt stellt dein Körper wieder auf die Bauch-Brust-Atmung um. Kein Wunder also, dass dir ab und zu noch schwindelig wird, vor allem wenn du plötzlich aufstehst.

Auch der Darm findet in seine ursprüngliche Position zurück. Dabei kann es in den ersten Tagen nach der Geburt zu Verstopfung kommen. Eine nährstoffreiche Gemüse- oder Hühnersuppe ist in dieser Zeit ideal für dich. Krampfadern, verstärkte Pigmentierungen an Brustwarzen und Schwangerschaftsstreifen verblassen nach und nach. Dein Uterus bildet sich zurück und ist nach zehn bis zwölf Tagen von außen nicht mehr tastbar. In der Rückbildungsphase sind auch Nachwehen an der Tagesordnung. Sie fühlen sich wie starke Regelschmerzen an, fallen aber bei jeder Frau unterschiedlich stark aus. Je mehr Kinder du hast, desto stärker werden die Nachwehen. Sollten sie zu heftig werden, frag deine Hebamme nach einem Schmerzmittel.

Übrigens: Wenn du nach der Geburt zu schnell wieder spazieren gehst, den Haushalt machst und dir keine Ruhe gönnst, leidet dein Beckenboden stark darunter. Also, Füße hoch und Beine stillhalten! Inkontinenz ist keine schöne Vorstellung, oder? Nach frühestens sechs Wochen beginnst du dann mit leichter Rückbildung.

Milcheinschuss im Wochenbett

Ein paar Tage nach der Geburt beginnt der Milcheinschuss, und dein Körper produziert die dickere, nahrhafte Milch für dein Baby. Jetzt beginnen die Brüste richtig zu spannen. Sie schwellen etwas an und können ein wenig schmerzen. Im Wochenbett lernst du zusammen mit deinem Baby, wie ihr am besten stillt: In welcher Position, zu welchen Zeiten, und auch dein Baby muss erstmal ein klein wenig üben, bis es richtig gut trinken kann. Bei vielen Frauen klappt das Stillen ganz natürlich und mit der Zeit von allein. Andere haben Schmerzen, die Brustwarzen können sich entzünden und das Stillen in den ersten Tagen schwierig machen. Aber auch hier gibt es Hilfe: Stillkompressen oder Stillhütchen pflegen und schonen die schmerzenden Warzen. Bitte deine Hebamme um Hilfe und vor allem: Habe Geduld, auch wenn es mit dem Stillen nicht sofort klappt. Du hast im Wochenbett genug Zeit, die perfekte Technik für dich und dein Baby zu entwickeln. Und falls du und dein Baby zu keinem eingespielten Team in Sachen Stillen werdet, scheu dich nicht auf Flaschennahrung umzustellen, egal, was deine Umwelt dazu sagt.

Wochenbett für Geschwisterkind und Mann

Nicht nur für dich und dein neues Baby ist das Wochenbett wichtig. Wenn du bereits ein Kind hast, lass das größere Geschwisterchen immer wieder zu euch ins Bett oder auf die Couch klettern, sich eng an dich kuscheln und das Baby in Ruhe kennenlernen. Je nach Alter, können sie dir als Mami bei kleinen Dingen helfen, etwa: „Bringst du mir bitte ein Taschentuch?“ oder „Gibst du deinem Bruder den Schnuller?“ So fühlen sich die Großen gebraucht und nicht abgeschoben. Apropos „gebraucht“ - jetzt dürfen die Papas richtig stark sein. Sie helfen, verwöhnen, kochen, bringen Tee, massieren und entdecken, wie gut es tut, wenn sie nach neun Monaten Schwangerschaft auch einen Beitrag leisten können. In manchen Fällen ist es nicht möglich, dass Papa nach der Geburt länger zu Hause bleibt. Dann solltest du frühzeitig überlegen, wie du das Wochenbett organisierst. Großeltern, Familie, Freunde oder auch eine Haushaltshilfe, die manchmal sogar von der Krankenkasse bezahlt wird, dürfen dir jetzt zur Seite stehen. Auch wenn es nicht einfach ist, um Hilfe zu bitten und Schwäche zu zeigen: Es ist für dich und dein Baby unglaublich wichtig. Diese ersten drei Wochen kommen nie wieder. Genieße sie in Ruhe.

Darum ist das Wochenbett so wichtig pin

Das "Wochenbett" heißt tatsächlich so, weil frischgebackene Mamas da im Bett bleiben sollen. Und dafür gibt es ziemlich gute Gründe. Leider ist das bei den Meisten Familien heute in Vergessenheit geraten.

MeinSpatz Gezwitscher

Nutze die letzten Wochen deiner Schwangerschaft für Vorbereitungen: Besorge alles, was du für die erste Zeit im Wochenbett brauchst, wie Binden, Stillkompressen, Netzhöschen, gemütliche und weite Kuschel-Klamotten, leckere Tees, Soulfood. Friere auch ein paar Portionen deines Lieblingsessens ein. In dieser Zeit sollst du dich so wohl wie möglich fühlen und dich um nichts kümmern müssen. Und damit auch dein Mann mal Pause hat, tut's am Abend auch der gute alte Pizza-Lieferservice.