Deine Hebamme: Warum sie "die Richtige" sein sollte

FREITAG, 14.06.2019 Joshena Milena

Unsere Autorin erzählt, warum die Hebammenwahl wirklich so wichtig ist, wie alle sagen. Und wie sie doch noch Glück hatte, obwohl sie viel zu spät dran war.

Ich hatte mich in der Schwangerschaft schon wirklich mit fast allem beschäftigt, was Schwangerschaft und Geburt angeht. Und ja, ich hatte auf dem Schirm, dass man sich relativ früh eine Nachsorgehebamme suchen sollte. Aber irgendwie war dann alles so aufreibend und aufregend, die Monate purzelten nur so dahin, und während ich immer noch fieberhaft am Überlegen war, in welches Krankenhaus ich gehen wollte, ob in ein großes oder kleines und überhaupt welches, merkte ich plötzlich, dass ich schon im letzten Drittel der Schwangerschaft war und noch keine Hebamme ausgesucht hatte, sondern noch immer im Stadium „die sieht nett aus, die wurde mir empfohlen, die könnte ich mir vorstellen“ herumdümpelte.

Zu spät dran, aber immerhin die Krankenhaus-Frage geklärt

Sodann musste ich leider feststellen, dass ich tatsächlich schon viel zu spät dran war. Ich googelte wie wild und telefonierte viel, nur um heraus zu finden, dass all jene, die ich haben wollte, längst keine Kapazitäten mehr hatten. Verzweiflung und ein bisschen Panik machte sich breit. Aber, immerhin: Dank eines Gesprächs mit meinem Frauenarzt und einer alten Bekannten, die seit vielen Jahren als Krankenschwester im Kreißsaal arbeitet, kristallisierte sich endlich die Wahl des Krankenhauses heraus. Nachdem ich dann noch spontan bei dem kleinen Haus meiner Wahl vorbei gefahren und das große Glück hatte, ohne Termin und großes Tamtam ausführlich mit der diensthabenden Hebamme sprechen zu können, hatte ich mich für dieses Haus entschieden. Und ich hatte mal wieder Glück im Unglück: Dort war es so, dass man automatisch eine Nachsorgehebamme aus dem Team bekam. 

Bei der Geburt: Dienst-Hebamme oder Wunsch-Hebamme?

Ich vereinbarte dann doch noch einen Termin, zur ausführlichen Anmeldung. Dieses Mal war eine andere Hebamme da, aber ich verstand mich auf Anhieb auch mit ihr so gut, dass ich sie fragte, ob sie meine Nachsorge machen wolle und sie freute sich und sagte sofort ja. Einziger Wermutstropfen: es gab in dem Haus nicht die Möglichkeit, sie auch gleich für die Geburt zu bestellen, es würde einfach die diensthabende Hebamme da sein. 

Die Richtige für die heftigsten Stunden Deines Lebens?

Herrje, machte mich das plötzlich nervös. Wer würde mich in diesen intimsten und schlimmsten und gleichzeitig schönsten Stunden meines Lebens begleiten? Was, wenn mir die Frau nicht sympathisch sein würde? Wenn ich mich nicht absolut sicher und vertrauensvoll aufgehoben fühlen würde? Ich googelte alle dortigen Hebammen und versuchte, etwas über sie heraus zu finden. Das Bild einer der Hebammen, die mit nur ganz leicht kühl erschien, bescherte mir schon fast Albträume. Ich schickte Stoßgebete zum Himmel, dass der stochastisch relativ unwahrscheinliche Zufall passieren sollte, dass meine Hebamme Katharina ausgerechnet an jenem Tag da sein würde. 

Glücksfall: Geburts-Hebamme wird Nachsorge-Hebamme

Dann war es so weit. Und, na klar: Meine Hebamme hatte nicht Dienst. Aber: Ich kam ganz gut aus mit der, die da war. Sie gab sich viel Mühe und da es ein kleines Haus mit wenig Geburten war, hatte sie anfangs alle ihre Zeit nur für mich. Dann änderte sich die Situation, es kam noch eine Frau in den Geburtswehen, und eine weitere hatte sich angemeldet. Man rief die Bereitschaftshebamme für diesen Tag – und das war meine Katharina! Im Nachhinein betrachtet hätte es sicher auch die andere gut „zu Ende“ führen können, denn der größte Teil war schon vorüber.

Sie hatte mich angeschrien, angefeuert, mir die Hand gehalten

Aber ich fand es dann irgendwie sehr schön bei den späteren Hausbesuchen, dass Katharina meine Kleine von Geburt an kannte – sie hatte sie mit mir auf die Welt gebracht! Und zwar mit voller Power: Sie hatte mich angetrieben, mich angeschrien, mir die Hand gehalten, mich ermutigt, noch einen Schritt weiter zu gehen, wo ich dachte, da geht absolut nichts mehr. Die Frauenärztin kam erst relativ am Ende, machte zwar auch einen super Job, aber die ganze stundenlange Hauptarbeit, das war die Hebamme! Danke, Katharina! 

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Was passiert, wenn die Frau die mich in den intimsten und schlimmsten und gleichzeitig schönsten Stunden meines Lebens begleitet, mir nicht sympathisch ist? 

MeinSpatz Gezwitscher

Mein Rat: Nimm dir für die Hebammensuche viel und rechtzeitig Zeit und hör auf dein Bauchgefühl. Die Chemie muss stimmen, du solltest dich richtig wohlfühlen. Und wenn es irgendwie möglich ist, versuche, dass deine Hebamme auch die Geburt begleitet. 

Joshena Milena

 ... mag ihre Arbeit sehr und ist froh, dass ihre Tochter die Krippe liebt und Papa und Oma auch viel Zeit haben. Vor der Geburt ihrer kleinen Maus (2018) hat sie gerne ausgiebige Kaffee-Zeitungsrituale am Morgen zelebriert und war oft beim Yoga. Nun geht beides nicht mehr ganz so oft, aber dafür gibt es die tägliche extra Portion Glück, wenn sie sich zusammen mit der Kleinen über Quatsch halbtot lacht oder „Mama“ hört