Der Dammschnitt, mein Baby und Ich – Ein Erfahrungsbericht

MITTWOCH, 10.01.2018

Warum ich auf den Dammschnitt nicht vorbereitet war und wie ich die Tage danach trotzdem gemeistert habe.

Irgendwie ist man ja schon ein wenig naiv, wenn es ums Kinderkriegen geht. Ein bisschen schwanger sein, klar die Geburt tut weh – aber es gibt ja schließlich die PDA - und dann beginnt die wunderschöne Zeit mit dem Baby. So ungefähr zeichnete ich mir das Bild vor meinem geistigen Auge. Einmal davon abgesehen, dass die Schwangerschaft unglaublich anstrengend war – Morgenübelkeit, Schwangerschaftsdiabetes und Frühwehen ab dem sechsten Monat machten mir das Leben schwer – war nach der Geburt nichts so wie ich es mir vorgestellt hatte.

Sie passte einfach nicht durch

Meine kleine Erdnuss hatte schon damals einen ordentlichen Dickkopf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit guten 36 cm Kopfumfang und 4,5 Kilo Geburtsgewicht gehörte meine Tochter zu den Brummern auf der Neugeborenen-Station. Leider hat mein Körper bei diesen Maßen gestreikt. Sie passte einfach nicht durch. Und es gab nur einen Ausweg: den Dammschnitt.

Die Ärzte führten den Schnitt während der Presswehen durch und endlich war die Öffnung groß genug für mein Riesenbaby. Den Schnitt und das anschließende Nähen habe ich nicht wirklich gespürt. Ja klar, da war eine Art Druck und definitiv war es etwas unangenehm. Aber nichts im Vergleich zu der Erleichterung, endlich meine Tochter im Arm zu halten. Sie kam am frühen Morgen und bis zum Nachmittag bemerkte ich die Wunde zwischen Po und Scheide nicht wirklich. Ich schiebe es auf die Glückhormone und das Adrenalin. Doch dann musste ich zum ersten Mal aufs Klo. Schlagartig wurde mir bewusst, dass jemand in meinem Intimbereich herumgeschnippelt hatte. Und plötzlich begannen auch die Schmerzen.

Ich fühlte mich verletzlich und ausgeliefert

Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf: Reißt die Naht, wenn ich mich bewege? Brennt es beim Wasserlassen? Und hält sie dem Druck statt, wenn ich Stuhlgang habe? Darf ich überhaupt aufstehen oder duschen oder eine normale Hose anziehen und vor allem: Wie zur Hölle, soll ich das mit Baby schaffen?

Zum Glück konnten das Pflegepersonal und die Hebamme alle meine Fragen beantworten. Dann kam, worüber ich nie nachgedacht hatte: Eine Schwester ging mit mir zur Toilette, half mir die Netz-Unterhose herunter zu streifen, entsorgte die blutige Binde und setze mich aufs Klo. So merkwürdig das im ersten Augenblick auch war, so froh war ich über ihre Hilfe. „Wir machen jetzt auch mal Töpfchentraining!“ –  dabei schmunzelte sie mich so herzlich an, dass meine gesamten Ängste verflogen. Und auch mein Schamgefühl. Es ist nicht so einfach, sich als erwachsene Frau noch einmal so verletzlich und ausgeliefert zu fühlen.

Danach kam die Hebamme zu mir und erklärte mir mit einer herrlichen Unverkrampftheit alles, was es in Punkto Dammschnitt zu wissen gibt. Und ja, wenn alles gut verheilt wäre, würde ich ohne Probleme aufs Klo gehen und auch wieder Sex haben können. Bis dahin musste ich allerdings so Einiges tun. Beim Pipi machen nahm ich immer einen Becher mit kühlem Wasser mit aufs Klo und ließ diesen zeitgleich über mein Schambein und die Wunde laufen. So konnte ich das Brennen besser ertragen. Nach ein paar Tagen hörte es dann von alleine auf. Ich nahm täglich Sitzbäder und legte Binden aus dem Tiefkühler in meine Netzunterhose. Vor dem Stuhlgang hatte ich die ersten Tage wirklich Angst … Nach einer Woche entspannte ich mich langsam.

Ich bewegte mich wie meine eigene Oma

Der Dammschnitt war für mich wirklich keine schöne Sache. Es tat weh, machte mir Angst und irgendwie fühlte ich mich in meiner Weiblichkeit angegriffen. Das Schlimmste aber war, dass ich die ersten Tage mit meiner Tochter nicht so genießen konnte, wie ich mir das erträumt hatte. Beim Stillen taten nicht nur die Brustwarzen weh, sondern auch die Narbe ziepte, zog und brannte im Sitzen. Der Schwimmring, auf den ich mich setzen sollte, brachte nicht wirklich Linderung. Und liegend stillen hat bei uns irgendwie nicht funktioniert. Ich bewegte mich wie meine eigene Oma, wechselte zwischen schmerzenden Brüsten, Windeln wechseln, Sitzbädern und gekühlten Binden hin und her und fühlte mich eher wie eine einzige große Baustelle, als eine glückliche, frisch gebackene Mama. Zehn Tage hielt der Ausnahmezustand an. Dann wurde es besser. Die Narbe verheilte richtig gut, ich konnte wieder ohne Schmerzen sitzen und auf Toilette gehen. Nach drei Wochen traute ich mich in meine Jeans. Und siehe da: alles prima. Was mir in der Zeit am meisten geholfen hat? Meine Hebamme, die mir quasi täglich versicherte, dass alles ganz normal ist. Mein Mann, der Einkauf, Haushalt und meine Launen locker unter einen Hut bekommen hat und seitdem mein großer Held ist. Und natürlich meine kleine Riesenmaus, die mich täglich daran erinnert, warum wir Frauen das alles auf uns nehmen. Und an Kind Nummer zwei wollen wir auch ganz bald arbeiten …

Angst vor einem Dammschnitt?

Die Horrorvorstellung für jede Schwangere: der Dammschnitt. Eine Mama erzählt, wie sie ihn erlebt hat.

MeinSpatz Gezwitscher

Liebe MeinSpatz Mama: Vielen Dank für diesen intimen Einblick in dein Leben. Ein Dammschnitt oder auch Dammriss betrifft viele Frauen. Trotzdem ist er oft ein Tabuthema. Lasst uns darüber sprechen!