Die wichtigsten Fragen zur Geburt: Eine Hebamme antwortet

MITTWOCH, 14.02.2018

Der Entbindungstermin rückt immer näher. Tausend Fragen schießen dir durch den Kopf. Wir haben eine Hebamme zum Gespräch getroffen. 

Neun Monate lang freust du dich auf dein Baby. Zum Glück dauert es so lange, bis dein Kind auf die Welt kommt. Nur so können sich Mamis und Papis in Ruhe auf das unglaubliche Ereignis vorbereiten. Doch je näher die Geburt rückt, desto größer wird die Unsicherheit. Hebamme Tina Winter kennt die Sorgen und Ängste von Gebärenden. Die 29-Jährige arbeitet in einem städtischen Krankenhaus in München und hat sich Zeit genommen uns ein paar brennende Fragen zu beantworten.

Es ist so weit, die Geburt beginnt: Woran kann ich richtige Wehen von Senkwehen oder Übungswehen unterscheiden? 

"Das ist tatsächlich manchmal nicht ganz einfach. Senk- und Übungswehen können schmerzhaft sein und über mehrere Stunden anhalten. Um zu differenzieren, empfiehlt sich eine Wärmebehandlung, das heißt ein warmes Bad, Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf den Unterbauch oder das Kreuzbein legen. Durch die Wärme entspannt sich die Muskulatur, Senk- und Übungswehen hören auf, richtige Wehen bleiben bestehen."

Und wenn es dann tatsächlich losgeht? Kann ich neben meinem Partner auch noch andere Vertraute mit in den Kreissaal nehmen?

„Leider eher nicht. In der Regel gilt in den meisten Kliniken: Eine Begleitperson unter der Geburt ist okay.“

Viele sprechen ja über die Vorteile einer Wassergeburt. Was ich mich immer frage: Ist eine Wassergeburt nicht unhygienisch? Immerhin schwimmt doch irgendwann „alles“ im Wasser.

„Eine Wassergeburt ist keineswegs unhygienisch. Die Bakterien aus der Scheidenflora und dem Darm der Mutter sind sehr wichtig für das Immunsystem des Kindes und schützen es unter anderem vor Allergien.“

Mein Mann hat Angst davor, dass überall Blut fließt. Wie blutig ist eine Geburt denn eigentlich?   

„Eine normale, unkomplizierte Geburt ist nicht wirklich blutig. Der Blutverlust liegt in der Regel zwischen 150-300 ml.“ 

Was ist mit plötzlich auftretenden Komplikationen während der Geburt: Kann es sein, dass mein Baby einfach nicht durch den Geburtskanal passt oder sogar steckenbleibt? Und was passiert dann?

„Wenn es über viele Stunden keinen Geburtsfortschritt gibt und das Köpfchen des Kindes immer an der gleichen Stelle steht, spricht man von einem Geburtsstillstand. Ist das kindliche Köpfchen dann noch am Beckeneingang muss die Geburt per Kaiserschnitt beendet werden. Ist das Köpfchen schon tief im Becken und kommt nicht weiter vor, kann die Geburt mit einer Saugglocke unterstützt und beendet werden.“

Ich möchte so gern natürlich entbinden. Ab wann wird ein Notkaiserschnitt gemacht?

„Wenn ein Kind unter der Geburt zu viel Stress bekommt und sich aus der Stresssituation nicht mehr erholen kann, muss ein Notkaiserschnitt gemacht werden.“ 

Gehen wir mal von einer natürlichen Geburt aus: Was passiert direkt danach mit mir und meinem Kind?

„Wenn es keine Komplikationen unter der Geburt gab, wird dir dein Kind zum Bonding direkt nach der Geburt nackt auf die Brust gelegt und warm zugedeckt.“

Und die Plazenta? Wird die einfach weggeschmissen?

„Die Plazenta wird zunächst auf Vollständigkeit überprüft. Anschließend wird Sie eingefroren und dann verbrannt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Plazenta mitzunehmen. Manche Familien haben ein bestimmtes Ritual, wie zum Beispiel einen Baum auf die Plazenta zu pflanzen.“

Ich will nach der Geburt nicht stillen. Habe aber ein wenig Angst vor schiefen Blicken. Akzeptieren die Hebammen meine Entscheidung?

„Ob du stillen möchtest oder nicht, ist ganz allein deine Entscheidung und muss von den Hebammen akzeptiert werden.“

Wie lange muss ich nach der Geburt liegen bleiben?

„Nach einer unkomplizierten Spontangeburt kannst du direkt aufstehen. Die meisten Frauen gehen zeitnah zum Wasser lassen und einige können auch zu Fuß auf die Wochenbettstation gehen oder sogar duschen.“   

Jetzt noch ein paar organisatorische Fragen rund um den Kreißsaal. Gibt es im Kreißsaal eigentlich etwas zu essen?  

Sobald du im Krankenhaus aufgenommen bist, steht dir ein Stationsessen zu. Allerdings empfiehlt es sich, etwas Proviant dabei zu haben. Also kleine Snacks wie Kekse, Müsliriegel, Obst, Saft etc.“

Gerade in Ballungsräumen sind die Kliniken voll. Kann es sein, dass der Kreissaal belegt ist, wenn mein Kind kommt?  

„In Einzelfällen passiert das. Die Hebammen sind meist gut auf solch eine Situation vorbreitet und es kann spontan ein anderer Raum für eine Geburt hergerichtet werden. Zudem wird tatsächlich wenig Equipment benötigt und eine Geburt ist fast überall möglich. Es kommen ja auch Kinder zu Hause zur Welt.“ 

Kann ich im Notfall denn einfach in die nächste Klinik gehen? Auch wenn ich in einer anderen angemeldet bin?  

„Ja, kannst du. Jede Klinik ist verpflichtet im Notfall Hilfe zu leisten.“

Sicher gibt es noch tausend andere Fragen, die dir als werdende Mama durch den Kopf schießen. Für alle, die sich persönlich und umfassend informieren möchten, sind Geburtsvorbereitungskurse eine gute Wahl. Es gibt aber auch Hebammen, die ihre Dienste online anbieten. Auch ein langes und offenes Gespräch mit einer guten Freundin, die bereits Mutter ist, hilft, aufkeimende Ängste in den Griff zu bekommen. Ein bisschen Nervosität ist immer da und das soll auch so sein. Schließlich hältst du am Ende dieses Weges dein Kind im Arm. Der Gedanke daran, darf dich schon mal aus der Bahn werfen. 

Fragen zur Geburt: Eine Hebamme antwortet

Eine Geburt ist eine große Sache. Gerade beim ersten Mal hat man keine Ahnung was auf einen zukommt. Man ist unsicher, manchmal sogar ängstlich und hat gefühlte 1000 Fragen. Wir haben die wichtigsten einer Hebamme gestellt. Denn die muss es ja wissen.

MeinSpatz Gezwitscher

Und noch eine persönliche Frage an Tina Winter. Wie bist zu eigentlich zu dem Beruf "Hebamme" gekommen?

„Als ich 17 Jahre alt war, durfte ich eher zufällig bei einer Geburt dabei sein. Die zum Teil konträren Emotionen und Zustände, Kraft, Erschöpfung, Anspannung, Schmerz, Erleiterung, Glück und bedingungslose Liebe, haben mich total aufgewühlt im positiven Sinne und fasziniert und meinen Berufswunsch geweckt. Zudem ist es doch total verrückt, dass aus ein paar Zellen, die etwa 9 Monate im Wasser schwimmen ein so kleines, aber perfekt ausgeklügeltes Wesen entsteht.“