Erfahrungsbericht: Das erste Mal Sex nach der Geburt

FREITAG, 07.09.2018

Ich hatte vor vier Wochen entbunden. Sex war für mich kein Thema. Für meinen Mann allerdings schon. Und jetzt?

Ich bin fest der Meinung: Sex gehört zu einer guten Beziehung. Sonst wird aus einem Liebespaar schnell eine Beste-Freunde-WG. Mein Mann und ich hatten viel Sex. Nicht immer außergewöhnlich, manchmal tat es auch ein Quickie zum Stressabbau. Aber unsere Körper fanden sich, wenn sie sich brauchten. Wir sind sehr offen, was unsere Sexualität angeht, uns ist da wenig peinlich. Als wir versuchten ein Kind zu bekommen, sprachen wir auch darüber, ob und wie sich unser Liebesleben verändern würde. Uns war klar, dass wir ein bisschen weniger Sex haben würden. Bedenken, dass sich diesbezüglich grundlegend etwas ändern würde, hatten wir nicht. Gott. Was waren wir naiv.

Wie auf einem anderen Planeten

Es änderte sich einfach alles. Bereits ab dem fünften Monat mussten wir komplett auf Sex verzichten, da ich starke Vorwehen hatte. Unser Arzt meinte dazu lapidar: "Bitte kein Geschlechtsverkehr bis zur Entbindung." Und auch wenn mein Mann ein tapferes Gesicht machte, konnte ich ihn innerlich vor Kummer leise weinen hören. Ich fand es einfach schade. Nicht mehr und nicht weniger. Bald wurde es mir sogar egal. Ich war irgendwie in ein anderes Universum gerutscht. Ich lebte auf dem Mami-Planeten und machte es mir da gemütlich. Es waren wohl die Hormone, die mich in Sachen Sex völlig desinteressiert werden ließen. Mein armer Mann war auch hormonig – allerdings in eine ganz andere Richtung. Die Ansage des Arztes bedeutete: mindestens fünf Monate kein Sex. Kein Wunder, dass er vier Wochen nach der Entbindung fragte, nein, bettelte: "Süße, können wir wieder Sex haben?"

Sex … äh, was?

Dabei war er wirklich ganz wunderbar. Er drängte mich nicht, er forderte nicht, er zeigte unglaublich viel Verständnis. Also gut. Mein Wochenfluss war tatsächlich schon vorbei, und ich fragte meine Hebamme. Sie riet mir, die erste Nachsorgeuntersuchung abzuwarten. Dann, wenn es mir körperlich gut ginge … Go for it! Aber genau da lag das Problem. Mein Körper glich für mich eher einer leergeräumten Milchbar – Entschuldigung für die drastischen Worte, aber ich war weit entfernt von einem sexy Körpergefühl. Mein Mann fand mich total heiß. Wobei ich nicht sicher bin, ob da eine Art Blutstau seinen Blick vernebelte. Ich war ehrlich überfordert. Einerseits wollte ich es ihm zuliebe gerne tun. Er war ein echt toller Papa und Partner, und ich fand, naja, er hatte sich das verdient. Andererseits regte sich da nicht ein Fünkchen Lust in mir. Außerdem hatte ich Angst. Wer wusste, ob da unten alles noch genauso aussah wie früher, sich so anfühlte? Also beschloss ich, ehrlich zu sein: "Ich kann noch nicht, tut mir leid." Er nahm mich in den Arm: "Okay. Auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht an."

Spieglein, Spieglein …

Der Gedanke an das Aussehen meiner Vagina ließ mich nicht los. Also kaufte ich mir einen kleinen Handspiegel und sah mir alles genau an. Eigentlich komisch, dass so wenige Frauen wissen, wie ihre Klitoris, Schamlippen und Co. wirklich aussehen. Männer sehen sich mehrmals täglich ihr bestes Stück an. Wir Frauen würden das nie tun. Warum eigentlich nicht? Ich beschloss also, emanzipiert zu sein und einen Blick zu wagen. Und hey, so schlimm war es gar nicht. Ich hatte keine Verletzungen bei der Geburt davongetragen, außer ein paar leichten Abschürfungen, die aber schon verheilt waren. Abgesehen von wildem Haarwuchs war alles okay. Mein Selbstvertrauen wuchs wieder. Ich rasierte mich, begann bei meiner Kleiderwahl wieder mehr an meinen Mann zu denken und nicht nur an den größtmöglichen Komfort. Ich kaufte mir zwei Still-BHs, die richtig süß und sexy aussahen und nicht nur praktisch waren. So langsam hatte ich das Gefühl, dass der Planet Mami zu klein für mich wurde. Also verließ ich ihn. Achteinhalb Wochen nach der Geburt. Wir hatten uns zu einem Nachmittags-Nickerchen ins Bett gelegt. Unser Baby schlief tief und fest in seiner Wiege am anderen Ende des Zimmers. Ich spürte meinen Mann neben mir, seine Hand auf meiner Hüfte und plötzlich kribbelte es …

Kein Highlight, aber solider Spaß

Der erste Sex nach der Geburt war komisch und schön zugleich. Einerseits war es ganz wunderbar, meinen Partner so nah bei mir zu spüren. Andererseits merkte ich, dass manche Positionen noch ein wenig unangenehm waren. Wir tasteten uns langsam vor. Es war ein wenig verkrampft und angespannt. Zuerst erschrak ich, denn ich spürte nicht so viel wie vor der Geburt. Aber es tat mir sehr gut, wieder als Frau wahrgenommen zu werden. Vor allem, dass ICH mich wieder als Frau wahrnahm. In den kommenden Wochen "übten" wir. Meine Vorlieben hatten sich geändert, da sich mein Körper verändert hatte. Es machte Spaß, sich wieder neu zu entdecken. Ab und zu mussten wir abbrechen, weil unser Kind weinte und dann doch das Vorrecht auf Mami hatte. Von Mal zu Mal wurde es besser, intensiver. Bald kam meine Lust ganz zurück – wobei das einige Monate dauerte. Ich hatte einfach unglaublich Glück, dass mein Partner so lieb, verständnisvoll, vorsichtig und rücksichtsvoll war. Deswegen war der erste Sex nach der Geburt für mich ein absolut positives Erlebnis. Wir haben lange nicht mehr so viel Sex wie früher. Mittlerweile haben wir noch ein weiteres Kind bekommen, und wenn wir es alle zwei Wochen mal zu einer sexy Date-Night schaffen, feiern wir das mit High Five und Rotwein. Ich bin immer noch der Meinung, dass Sex zu einer guten Beziehung gehört. Auch und vor allem, weil sich mit den Kindern alles geändert hat.

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Unsere Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund: So war das erste Mal Sex nach der Geburt.

MeinSpatz Gezwitscher

Vloggerin Isabell Horn spricht auf Youtube mit ihrer Hebamme ganz offen über Sex nach der Geburt, Lust-Verlust, Scheidentrockenheit, Gleitgel und was rund um das Thema noch spannend ist. Schaut euch das unbedingt an, wir fanden es super interessant.