Erfahrungsbericht: Was tun, wenn die Wehen einsetzen?

DIENSTAG, 01.05.2018

Die Frage, die sich vermutlich fast alle schwangeren Frauen stellen: „Was mache ich, wenn die Wehen losgehen?“ Eine Mama erzählt.

Oh Gott, ich werde dieses Kind auf der Treppe bekommen.“ Das war mein einziger Gedanke, als die Wehen bei meinem zweiten Sohn einsetzten. In einer halben Stunde von null auf hundert – bei meinem Großen hatte das doch ganze 23 Stunden gedauert! Und jetzt stand ich im Treppenhaus, wartete auf unseren Babysitter und hatte das Gefühl, der kleine Bruder fällt gleich raus.

Zehn Tage vor dem ET meines zweiten Sohnes wurde ich um vier Uhr morgens wach. Ich hatte leichte Bauchschmerzen, wohl Senkwehen, dachte ich. Schlafen konnte ich aber nicht mehr. Also stand ich auf, damit mein Mann und der 15 Monate alte Große nicht wach würden und machte mir einen Kaffee. Um kurz vor fünf kam es mir dann doch komisch vor: Sollten das etwa Wehen sein? So richtig konnte ich es immer noch nicht einschätzen und das, obwohl ich vor gar nicht allzu langer Zeit eine Geburt hinter mich gebracht hatte. Damals war aber alles anders. Es ging direkt am Abend des ET los. Wir warteten noch drei Stunden zu Hause, nur um sicher zu sein. Kurz vor Mitternacht waren wir im Kreissaal, nach 23 Stunden Wehen war unser erster Sohn geboren. Es ging alles recht ruhig und bedächtig zu, eben nach Plan. Wir brauchten auch noch keinen Babysitter, sondern konnten uns entspannt mit gepackter Kliniktasche auf den Weg machen.

Beim zweiten Kind ist alles anders

Mir war relativ schnell klar, dass es beim zweiten Mal anders laufen würde. Es war also kurz vor fünf Uhr morgens und ich rief meine Eltern an, ob sie sich bitte auf den Weg zu uns machen könnten. Dazu muss ich erklären, dass sie eine Stunde entfernt wohnen und ich Oma und Opa gerade aus dem Tiefschlaf gerissen hatte. Da es für die beiden aber bereits Enkel Nummer neun sein sollte, waren sie bestens vorbereitet. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, aber sie standen eine Stunde später vor unserer Haustür, um auf den großen Kleinen aufzupassen. Inzwischen hatte ich meinen Mann geweckt. Auch er hatte noch die letzte Geburt im Kopf und machte sich eher gemütlich fertig. Als er mich aber schmerzverkrümmt auf dem Boden im Bad fand, wurde ihm klar, dass es diesmal wohl anders laufen würde. Einen derart schnellen und heftigen Wehenfortschritt hatte ich nicht erwartet. Kaum 1,5 Stunden nach dem ersten Ziehen, konnte ich die Schmerzen und den Druck kaum noch aushalten. Als meine Eltern klingelten, war ich unfassbar erleichtert. Ich brachte kaum ein „Hallo“ über die Lippen, da packte mich mein Mann am Arm und half mir die Treppe herunter. Im Auto konnte ich nicht mehr sitzen, ich musste mich verkehrt herum auf den Beifahrersitz knien und versuchte, die heftigen Wehen zu veratmen. Die Fahrt dauerte nicht einmal zehn Minuten – mir kam es vor wie eine Ewigkeit.

Zum Glück hatte ich mich schon ein paar Tage vorher im Krankenhaus angemeldet, so dass wir gleich in den Kreißsaal spazieren konnten. Die Beleghebamme, die uns in Empfang nahm, verzichtete auf Abtasten oder CTG: „Wir gehen gleich rein, der kleine Mann wird nicht mehr länger warten.“ Zu diesem Zeitpunkt konnte ich kaum noch laufen. Die Hebamme ließ noch Wasser in die Wanne ein, ich hatte mir eine Wassergeburt gewünscht. Doch nach fünf Minuten war klar: Das wird nichts mehr. Von einer PDA ganz zu schweigen. Nach weiteren zehn Minuten begannen die Presswehen und nach drei Mal pressen war unser Sohn da. 2 Stunden und 45 Minuten nach dem ersten leichten Ziehen im Bauch, das ich noch für Bauchschmerzen gehalten hatte. Ich war völlig überwältigt. Auch für unseren kleinen Zwerg ging es viel zu rasant. Er war komplett blau – quasi ein Ganzkörper-Hämatom, weil er zu schnell durch den Geburtskanal gedrückt wurde. Zuerst war ich sehr erschrocken, ich dachte er würde zu wenig Sauerstoff bekommen. Die Hebamme beruhigte mich aber schnell und erklärte mir, warum unser Schlumpfi (so nannten wir ihn die nächsten zwei Tage) so blau war.

Das A und O wenn die Wehen einsetzen: Vorbereitet sein

Ich hätte nie geglaubt, dass die zweite Geburt so anders laufen würde als die erste. Ich dachte, wir hätten bestimmt wieder viel Zeit. Das zeitige Packen der Tasche und das Anmelden in der Klinik hielt ich deshalb für übertrieben, tat es aber dennoch. Zum Glück! Denn siehe da: Die Natur geht eben ihre eigenen Wege. Müsste ich einer Schwangeren jetzt einen Rat geben, würde der lauten: Stell dich darauf ein, dass du dich auf nichts einstellen kannst. Plane so gut es geht vor. Organisiere, wenn nötig, Babysitter oder Haustiersitter, der schnell bei dir ist und packe deine Sachen rechtzeitig zusammen. Melde dich früh in der Klinik an und kümmere dich darum, wie du ins Krankenhaus kommst. Bereite deinen Partner gut vor und erkläre ihm alles, was er beachten oder tun muss, wenn die Wehen einsetzen. Am besten schreibst du ihm einen Zettel. Denn ja, es kann lange dauern bis sich der Nachwuchs zeigt, aber es kann auch so unfassbar schnell gehen, dass du nicht mehr in der Lage bist, zu handeln. Dann konzentrierst du dich nur noch auf dich, deine Wehen, deine Atmung und dein Baby, dass du gleich in den Armen halten wirst.

Erfahrungsbericht: Was tun, wenn die Wehen einsetzen? pin

Wie ist das eigentlich wenn die Wehen einsetzen? Dass es manchmal ganz schön schnell gehen muss, erzählt unsere Autorin in ihrem Erfahrungsbericht.

MeinSpatz Gezwitscher

Wenn du dir unsicher bist, ob es sich um echte Wehen handelt, dann ruf deine Hebamme oder deinen behandelnden Arzt an. Sie wissen, dass sich die Wehen nicht nach den regulären Arbeitszeiten richten und werden sicher auch mitten in der Nacht ans Telefon gehen, wenn du das vorher mit ihnen abklärst. Die Ärzte und Hebammen deiner Klinik oder deines Geburtshauses werden deinen Anruf auf jeden Fall entgegennehmen, egal zu welcher Uhrzeit er kommt. Die meisten Geburtshelfer empfehlen, so lange zu Hause und in vertrauter Umgebung zu bleiben, bis die zeitlichen Abstände zwischen den Wehen sich auf etwa fünf Minuten verkürzt haben.