Wie erkenne ich Fruchtwasser?

DONNERSTAG, 05.12.2019 Lotte L.

Viele Schwangere sind verunsichert, wenn sie vermehrt Flüssigkeit verlieren: handelt es sich um Ausfluss, Urin oder Fruchtwasser? Wir geben Tipps, wie man den Unterschied ganz einfach erkennen kann.

Besonders gegen Ende der Schwangerschaft kann es passieren, dass Frauen plötzlich warme Flüssigkeit zwischen ihren Beinen spüren. Oft sind die werdenden Mütter irritiert, weil sie sich unsicher sind, ob es sich nur um Ausfluss handelt, das Kind möglicherweise auf die Blase drückt, oder ob womöglich doch ein Blasensprung oder –riss vorliegt? Ganz klar, wenn die Fruchtblase geplatzt ist, erfordert schnelles Handeln, da in der Regel die Geburt bald beginnt. Ausfluss, Urin, Fruchtwasser- wo liegt da nun eigentlich der Unterschied?

1.    Ausfluss

In der Schwangerschaft ist es grundsätzlich normal und unbedenklich, dass mehr Scheidensekret abgesondert wird. Denn durch hormonelle Veränderungen im Körper der Frau – eine Zunahme der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron – erhöht sich die Durchblutung im Vaginalbereich und Drüsen produzieren vermehrt Sekret. Das  Scheidensekret schützt vor vaginalen Infektionen, da es Schleimhautzellen aus der Gebärmutter transportiert und diese damit reinigt.

Ausfluss in der Schwangerschaft ist milchig-weiß und durchsichtig, besteht zum Großteil aus Wasser, und seine Konsistenz ist flüssig. Das Sekret ist geruchlos bzw. hat nur einen milden, unauffälligen Geruch. Es wird vermehrt zum Anfang und gegen Ende der Schwangerschaft ausgeschieden. Besonders in den letzten Wochen der Schwangerschaft (etwa ab der 35. SSW) wird der verstärkte Ausfluss zumeist auch dickflüssiger – sehr starker und zäher Ausfluss kann ein Hinweis darauf sein, dass die Geburt näher rückt. Die Konsistenz von Ausfluss unterscheidet sich deutlich von der des Fruchtwassers. Ausfluss ist viel milchiger und schleimiger und (v.a. in der letzten Schwangerschaftsphase) deutlich zähflüssiger als Fruchtwasser.

Weißer Scheidenausfluss während der Schwangerschaft ist also kein Grund zur Besorgnis. Treten allerdings Veränderungen seiner Konsistenz, Farbe oder der Geruch, Juckreiz oder Schmerzen auf, solltest du einen Arzt konsultieren.

2.    Urin

Wenn das Baby im Bauch wächst, erhöht sich auch der Druck auf die mütterliche Blase. Nicht selten leiden Schwangere daher unter leichter Inkontinenz. Auch wenn der Beckenboden belastet wird, z.B. durch Lachen oder Husten, kann Urin abgehen. Dies führt bei vielen Schwangeren zu Beunruhigung und Irritation, da sie nicht sicher sind, ob es sich möglicherweise um Fruchtwasser handelt.

3.    Fruchtwasser

Fruchtwasser ist dünn wie Wasser. In der Regel ist es durchsichtig, aber es kann manchmal auch leicht rosa gefärbt sein oder weiße Flöckchen enthalten. Urin hat hingegen eine leicht gelbliche Färbung. Urin kann man relativ gut am Geruch erkennen. Im Gegensatz zu Urin und auch zu Ausfluss riecht nur Fruchtwasser leicht süßlich bzw. nach Eiweiß. 

Anders als Urin entleert sich Fruchtwasser häufig schwallartig. Fruchtwasser kann zwar auch durch ein stetes Tröpfeln austreten, aber dann lässt es sich im Gegensatz zu Urin durch Anspannen der Beckenmuskulatur nicht willentlich stoppen. Urin geht oft bei einer Beckenbodenbelastung ab, Fruchtwasser tröpfelt auch ohne externen Auslöser unkontrolliert heraus.

Wenn Fruchtwasser tröpfchenweise austritt, dann liegt in der Regel ein sogenannter „hoher Blasensprung" vor, d.h. ein kleiner Riss in der Fruchtblase. Häufig verschließt sich ein solcher Riss von alleine wieder und der Blasensprung bleibt sogar unbemerkt. Wenn die Fruchtblase intakt bleibt, beeinträchtigt ein hoher Blasensprung den Verlauf der Schwangerschaft nicht. Allerdings können Krankheitserreger in die beschädigte Fruchtblase eindringen. So entstandene Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden.

Wenn schwallartig eine größere Menge an warmer Flüssigkeit abgeht, ist ein Blasensprung sehr wahrscheinlich. Dann solltest du dich sofort hinlegen und das Becken hochlagern. Der Transport ins Krankenhaus sollte möglichst im Liegen geschehen. 

Wie kann ich testen, ob es sich um Ausfluss, Urin oder Fruchtwasser handelt?

Ausfluss, Urin und Fruchtwasser lassen sich auf den ersten Blick nicht immer einfach unterscheiden. Es gibt aber einige Tests, die dir bei der Bestimmung der Flüssigkeit helfen können. Zuerst solltest du auf jeden Fall ihren Geruch und ihre Farbe untersuchen, letzteren am besten auf einer weißen Slipeinlage.

Hebammen raten häufig, beim Austreten von Flüssigkeit erst einmal auf die Toilette zu gehen. Wenn du sicher bist, dass deine Blase leer ist, solltest du länger kräftig husten. Wenn dann noch etwas tropft, ist es möglicherweise Fruchtwasser. Alternativ sollte man nach dem Entleeren der Blase den Intimbereich waschen und abtrocknen und sich dann auf ein sauberes, trockenes, weißes Tuch legen. Wenn nach etwa 30 Minuten durchsichtige, leicht süßlich riechende Flecken auf der Unterlage vorhanden sind, deutet dies auf Fruchtwasser hin. Auch mit der Einnahme von wechselnden Positionen verändert sich dann oft der Auslauf der Flüssigkeit. Wenn du eine Weile nach dem Entleeren der Blase wieder aufstehst und dünnes, durchsichtiges Sekret verlierst, spricht auch das für Fruchtwasser.

Darüber hinaus lässt sich anhand eines pH-Wert-Tests schnell erkennen, ob es sich bei der Flüssigkeit um Fruchtwasser handelt oder nicht. Den sogenannten Lackmustest kann man in der Apotheke oder im Internet kaufen.  Da man in der akuten Situation die Teststreifen nicht unbedingt einfach kaufen kann, empfiehlt es sich, ein paar von ihnen vorsorglich zu Hause zu haben; besonders, wenn man bereits zu einer vermehrten Absonderung von Sekreten neigt.

Den pH-Wert einer Flüssigkeit kann man mithilfe des Farbstoffs Lackmus bestimmen. Lackmus verändert seine Farbe in Abhängigkeit davon, ob er mit Säuren oder Basen in Kontakt kommt. Der normale pH-Wert in der Scheide beträgt zwischen 4,0 und 4,5. Urin hingegen hat einen pH-Wert von 5,0 bis 6,0, und der pH-Wert von Fruchtwasser liegt zwischen 7,0 und 7,5.

Beim Lackmustest bringst du einfach das Testpapier mit dem ausgetretenen Sekret (z.B. einfach in der feuchten Unterhose) in Kontakt. Anhand der Färbung des Teststreifens kannst du erkennen, ob es sich tatsächlich um Fruchtwasser handelt. In der Regel färbt sich Lackmuspapier im Kontakt mit Fruchtwasser lila/blau, mit Ausfluss rot, und mit Urin dunkelgrün. Es gibt allerdings Lackmuspapier in verschiedenen Ausgangsfarben, daher sollte man unbedingt die Packungsbeilage beachten.

Der Lackmustest ist leider nicht immer hundertprozentig zuverlässig, denn er kann von vielen Faktoren (z.B. durch gleichzeitig ausgetretenen Urin) beeinflusst werden. Zuverlässiger ist ein Selbsttest mit einem speziellen Testhandschuh, bei dem der pH-Wert direkt in der Scheide gemessen wird. Auch hier lässt sich anhand der Verfärbung der Teststreifen der pH-Wert der Flüssigkeit ablesen. Diese Handschuh-Tests sind allerdings  sehr teuer und bei einer nicht ganz korrekten Anwendung kommen auch sie zu falschen Messwerten.

Wenn du dir also unsicher bist, ob du möglicherweise Fruchtwasser verlierst, solltest du unbedingt deinen Arzt oder deine Hebamme aufuschen. Du brauchst keine Scheu haben, dir Rat und Hilfe zu suchen. Denn diese Fachleute können feststellen, ob die Geburt wirklich schon kurz bevorsteht. Liegt wirklich ein Blasensprung vor, müssen die notwendigen Schritte zeitnah eingeleitet werden. Hier gilt das Motto: Lieber zweimal zu viel checken als einmal zu wenig!

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In der Regel platzt die Fruchtblase während der ersten Wehenphase, also gegen Ende der Eröffnungswehen, wesentlich seltener schon lange vor dem errechneten Geburtstermin. Vermutest du, dass ein Blasensprung vorliegt, solltest du deinen Verdacht umgehend von einem Arzt abklären lassen.

MeinSpatz Gezwitscher

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.