Frühgeburt: Wenn die Angst dich im Griff hat

MITTWOCH, 20.06.2018

Es fühlte sich an wie ein Bombeneinschlag. Meine Vorzeigeschwangerschaft sollte einfach so mit einer Frühgeburt enden? Jetzt hieß es: „Jeder Tag zählt!“

Wir hatten uns noch nicht mal für einen Namen entschieden. Doch unsere kleine Maus hatte es sehr eilig auf die Welt zu kommen. Zu eilig. Und ich hatte höllische Angst

Der Schock beim Routinecheck

Meine Schwangerschaft verlief bis dato wie im Bilderbuch. Kaum Wehwehchen, der Spatz entwickelte sich prächtig, alles gut. Doch dann kam Vorsorgeuntersuchung, mit der sich alles ändern sollte. Mein Frauenarzt begann mit dem Ultraschall und stellte schnell mit einem „Oh, oh…“ fest, dass mein Gebärmutterhals verkürzt war, also viel kürzer war, als er zum jetzigen Zeitpunkt sollte. Sofort hieß es: Ab ins Krankenhaus.

Bangen in der Horizontale

In der Klinik wurde der Gebärmutterhals nochmals gecheckt. Alle waren sich einig: Ich musste bleiben, durfte nur noch liegen und hing am Tropf. Wehenhemmer und Lungenreife-Spritzen folgten. Mit knapp 950 Gramm hätte unser Spatz aber gute Chancen. Ich konnte nur noch weinen. Was hatte ich falsch gemacht? Es war doch bisher alles gut! Jeden Tag wurde die Wehentätigkeit per CTG gemessen, dazwischen immer wieder Ultraschalls. Das Liegen schien zu helfen. Der Muttermund blieb wie er war. Gut so, denn wie man mir sagte: „Jeder Tag zählt!
Doch dann kamen die ersten Wehen und der Muttermund öffnete sich. Um die Geburt weiter hinauszuzögern wurde der Wehentropf verstärkt und ich bekam Magnesium. Einige Tage später schien auch das nicht mehr zu helfen. Es zog in meinem Rücken, im Bauch. Die Angst um mein Baby stieg proportional zur Stärke der Wehen.

Spontangeburt oder Kaiserschnitt

Es war doch immer noch zu früh. Ich wollte mein Baby nicht verlieren. Zwischen Bangen und Weinen platzte die Fruchtblase. Ich wurde in den Kreißsaal verlegt. Per Ultraschall wurde festgestellt, dass unsere Maus mittlerweile 1.400 Gramm wog. „Wollen Sie normal entbinden?“ Meist wird wohl versucht, Frühchen den Stress und Druck der Geburt zu ersparen. Was für eine Entscheidung! Ursprünglich wollte ich immer eine Spontangeburt, aber wenn ich meinem Liebling damit nun schade? Nein! Kaiserschnitt. Also ab in den OP.
Im Vorraum wurde eine Periduralanästhesie (PDA) gelegt und ich verkabelt. Dann ging alles ganz schnell. Mein Mann war neben mir, ich spürte den ersten Schnitt und konnte nur noch weinen. Die Angst um unser Baby stieg ins Unermessliche. „Geburtszeitpunkt: 18:20 Uhr, “ meldete der Oberarzt. Kurz durfte ich unsere Maus sehen. Sie war so winzig, aber sie schrie. Sie schrie! Sie lebte! Eine gefühlte Ewigkeit verging. Ich konnte nur an mein armes Baby denken. Mein Mann war bei ihr. Aber ging es ihr gut? Sie braucht doch sicher ihre Mama!

Wie ein Vögelchen

Nach der OP zeigte mein Mann mir ein Bild von unserer Maus. Ich konnte noch nicht sofort auf die Frühchen-Intensiv. Es hätte auch irgendein Baby sein können. Aber mit ihr war alle o. K. Sie atmete selbstständig. Am nächsten Tag half man mir aufzustehen, so dass ich unseren Liebling mit dem Rollstuhl besuchen konnte. Sie sah so zerbrechlich aus. Wie ein Vögelchen, dass zu früh aus dem Nest gefallen war. Wieder musste ich weinen. Aber unser Spatz kämpfte.

Alles gut

Ja, eine richtige Kämpfernatur war unsere Kleine. Ich pumpte meine Muttermilch ab, womit sie täglich gefüttert wurde, und saß rund um die Uhr an ihrem Bettchen. Weinend, hoffend, bangend. Die Zeit im Krankenhaus war lange, aber die Fortschritte deutlich. Bald konnten wir auf die Frühchen-Station und dann auf die Kinderstation umziehen. Mittlerweile sind wir zuhause und ein eingespieltes Team. Wir freuen uns jeden Tag über unseren Schatz und sind unendlich dankbar, dass sie bei uns ist.

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Eine Frühgeburt ist beängstigend. Unsere Autorin versuchte alles, um sie zu verhindern. Letztendlich kam das Baby trotzdem zu früh: Nur 1400 Gramm wog ihre Tochter bei der Geburt.

MeinSpatz Gezwitscher

Die Überlebenschancen für Früh- und Frühestgeborene haben sich in den letzten Jahren extrem verbessert. Die Grenze der Lebensfähigkeit liegt grob zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche. Die Überlebenswahrscheinlichkeit wird, je nach Gewicht, schon ab der 24. Schwangerschaftswoche mit rund 75 Prozent angegeben.