Geburt: Schluss mit Horrorgeschichten, was stimmt wirklich?

MITTWOCH, 21.03.2018

Um die Geburt ranken sich zahlreiche Mythen. Wir machen den Faktencheck: Was ist Mythos und was Wahrheit? 

Als werdende Mama bekommst du bestimmt so einiges über die Geburt zu hören. Horror-Geschichten solltest du gleich ignorieren. Aber auch ein paar der „nett“ gemeinten Ratschläge, vergisst du besser wieder, wenn du nicht komplett panisch im Kreißsaal ankommen willst. Und damit dich Ratschläge rund um die Geburt nicht weiter verunsichern, kommt hier unser knallharter Faktencheck: Was ist wirklich dran an den Mythen rund um die Geburt?

Mythos Nummer 1: „Lieber schneiden als reißen“

Egal, ob Dammschnitt oder Dammriss: Es tut beides weh. Was sich aber nicht so pauschal beantworten lässt ist, ob es besser ist zu schneiden. Da gehen die Meinungen auseinander. Manche Fachleute sind der Ansicht, dass ein Schnitt wesentlich kontrollierter vonstattengeht, andere glauben, dass es sinnvoller ist, das Gewebe reißen zu lassen, weil es dann später besser zusammenwächst. Besprich deine Angst vor einem Dammriss oder einem Dammschnitt vorab mit deiner Hebamme. Sie wird dir vermutlich eine Dammmassage empfehlen, die das Gewebe weicher macht und wodurch du die Wahrscheinlichkeit für einen Riss oder Schnitt senken kannst. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt: Vertraue dich dem Fachpersonal an! Sie werden in der Situation die richtige Entscheidung für dich und mit dir treffen! Wenn di einen Erfahrungsbericht zum Thema lesen möchtest, klickt dich in unseren Artikel  „Der Dammschnitt, mein Baby und ich“.

Mythos Nummer 2: „Im Liegen tut’s mehr weh“

Rein theoretisch ist es besser, nicht im Liegen zu gebären. Schon allein wegen der Schwerkraft. Sitzt du oder stehst du gar während der Geburt, hilfst du deinem kleinen Spatz damit. Allerdings gibt es genug Frauen, die ihre Kinder auf dem Rücken liegend geboren haben und es jederzeit wieder tun würden. Der Vorteil: Du kannst dich zwischen den Wehen zurücklehnen und dich etwas erholen. Letztlich gilt: Du solltest keine Gebärposition von vornherein ausschließen. Am Ende wirst du dich in die Position begeben, die für dich am angenehmsten ist. Und da soll dir bitte auch niemand reinreden.

Mythos Nummer 3: „Nabelschnurumschlingung durch heftige Bewegungen“

Weil du dich beim Fensterputzen komisch verdreht hast, hat dein Baby die Nabelschnur um den Hals? Das ist absoluter Quatsch. Wird aber trotzdem immer wieder behauptet. Zum einen passiert es relativ häufig, dass sich die Nabelschnur in irgendeiner Form um das Baby wickelt (in den meisten Fällen ist das total harmlos). Zum anderen hat es nichts damit zu tun, ob du dich beim Putzen seltsam gedreht hast. Nabelschnurumschlingungen kommen dadurch zustande, dass sich das Kind bewegt. Du bist also keinesfalls „schuld“, wenn sich die Nabelschnur deines Kindes um irgendein Körperteil gewickelt hat.

Mythos Nummer 4: „Schmales Becken = schwere Geburt“

Du bist sehr schmal und willst darum auf jeden Fall einen Kaiserschnitt? Das Baby wird ja ohnehin nicht durchpassen! Das lässt sich so vorab nicht sagen. Die Breite deines Beckens sagt nichts darüber aus, ob dein Kind leicht oder weniger leicht durch den Geburtskanal „rutscht“. Dazu musst du wissen, dass es entscheidend ist, wie das Köpfchen rauskommt. Und das ist extrem weich und passt durch die unmöglichsten Stellen. Allerdings gibt es Fälle, in denen ein Kaiserschnitt ratsam sein kann, beispielsweise wenn klar ist, dass das Kind sehr groß ist.

Mythos Nummer 5: „Mit Tattoo gibt’s keine PDA“

Es war eine Jugendsünde, dein A…geweih. Jetzt musst du da vielleicht ohne PDA durch –  durch die Geburt. Hilft ja nichts. Denn es gibt einige Anästhesisten, die nicht durch dein Tattoo durchstechen werden. Ihnen ist das Infektionsrisiko zu hoch. Erkundige dich am besten vorab in der Klinik, ob die dortigen Anästhesisten trotz Tattoo eine PDA setzen oder nicht. Zwingend musst du nicht auf diese Art der Betäubung verzichten.

Es gibt so einige Mythen rund ums Thema Geburt. Häufig steckt ein wahrer Kern drin, manchmal aber eben gar nicht. Das Wichtigste: Bleib cool und lass dich nicht in Panik versetzen! Auf vieles gibt es eine ganz einfache, wenig furchterregende Antwort.

Geburt: Schluss mit Horrorgeschichten, was stimmt wirklich?

Das Baby passt nicht durchs schmale Becken? Mit Tattoo am Steißbein keine PDA? Entspann dich erst mal und hör ab jetzt bei Horrorgeschichten einfach weg. Wir klären auf: Welche Mythen rund um die Geburt sind wirklich wahr? 

MeinSpatz Gezwitscher

Und hier noch mal der Erfahruns-Check aus unserer Redaktion:

Dammriss oder Dammschnitt?

„Während des Nähens meines Dammschnitts, unterhielt sich die ausführende Ärztin mit einer Kollegin. Ich „belauschte“ sozusagen die Unterhaltung (konnte ja schlecht weg…). Dabei ging es um das Thema: Dammriss oder Dammschnitt? Obwohl vielfach in Kliniken der Dammriss bevorzugt wird, sprachen sich beide Fachfrauen für einen Dammschnitt aus. Weil er kontrollierbarer ist.“

Schmales Becken = schwere Geburt?

„Ich habe ein breites Becken, aber die Geburt war deshalb leider trotzdem nicht einfach. Meine Tochter wollte ihren Kopf nicht ins Becken eindrehen. Und ich hab´ vorher noch gedacht, dass meine breiteste Körperpartie endlich für etwas gut ist. Von wegen, gebärfreudiges Becken!“

Keine PDA wegen des Tattoos?

„Ich habe trotz Tattoo am Steißbein eine PDA bekommen. Der Anästhesist hat darüber kein Wort verloren.“

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