Ich muss schon wieder heulen: So fühlt sich der Babyblues an

DIENSTAG, 22.05.2018

Ja, es gibt ihn, den Babyblues. Und er macht echt keinen Spaß. Das weiß diese Mama nur zu gut …

Ich hatte eine richtig entspannte Schwangerschaft bei meiner Großen. Bis auf die anfängliche Morgenübelkeit, fühlte ich mich total wohl. Keine Komplikationen, keine nennenswerten Heulattacken, nichts. Daher entlockte mir so manches, was ich im Geburtsvorbereitungskurs oder von anderen Mamas zu hören bekam, nur ein müdes Lächeln. So auch das Thema „Heultage“ oder „Babyblues“. Warum sollte es ausgerechnet mich treffen? Schließlich bin ich ein von Grund auf positiver Mensch, lache gerne und viel und habe keinerlei Neigung zu Depressionen oder auch nur zu depressiven Verstimmungen.

Am dritten Tag liefen die Tränen

Doch dann wurde meine Tochter geboren. Die ersten zwei Tage in der Klinik waren super. Die Geburt verlief problemlos, das Kind war gesund, mir ging es bestens. Dann kam der dritte Tag nach der Entbindung – und damit der Milcheinschuss. Ab sofort war alles anders. Und wenn ich alles schreibe, meine ich wirklich alles. Hatte ich mich zuvor über jeden gefreut, der uns im Krankenhaus besuchen kam und das kleine Wunder bestaunte, so war mir das jetzt alles zu viel. „Ach, ist die süß, die Kleine – ich bin ganz verliebt.“ Das sagten alle. Nur ich schaute meine Tochter an und war alles andere als verliebt … War das wirklich mein Kind? Und warum nur finden alle die Kleine so toll – nur ich, die eigene Mutter, schien keinerlei liebevolle Gefühle für dieses kleine Wesen zu hegen. Und schon liefen sie wieder, die Tränen …

Ausgerechnet jetzt sollte ich nach Hause entlassen werden? Jetzt, wo mein Leben nie wieder so sein würde wie früher? Ja, wo es im Grunde zu Ende war? Denn wie zur Hölle sollte ich mich jemals wieder frei fühlen können, wenn ständig dieses Kind bei mir war? Das ja auch auf mich angewiesen war, so hilflos und verletzlich wie es da vor mir lag? Dazu kam dieses furchtbar schlechte Gewissen, dass ich meiner Tochter gegenüber hatte, die ja schließlich nichts dafürkonnte, dass ich sie nicht so annehmen und lieben konnte, wie ich es wollte (und sollte). Meine Mutter, die mir in so mancher Lebenslage eine echte Stütze war und ist, war da auch nicht besonders hilfreich. Als ich sie anrief, um mir die Seele aus dem Leib zu heulen und ihr mein Leid zu klagen, sagte sie nur: „Komisch, das kenne ich gar nicht. Solche Gefühle hatte ich bei keinem von euch …“

Hormone in Aufruhr

Am vierten Tag nach der Geburt wurde ich aus der Klinik entlassen. Es war alles gut. Zumindest rein körperlich. Stillen funktionierte, Rückbildung war top, Kind fit. Nur leider sah es in meinem Inneren alles andere als gut aus. Als meine Hebamme zur Nachsorge kam, klagte ich ihr mein Leid. Sie zeigte durchaus Verständnis. Erklärte mir aber auch, dass das vollkommen normal sei, solange die Hormone noch so in Aufruhr wären. Erst wenn dieser Zustand länger als drei bis vier Wochen andauern sollte, würde es sich möglicherweise um eine Wochenbettdepression handeln.

Für mich hieß das also: Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Ich stillte meine Tochter, obwohl ich das Gefühl hatte, als ob zwischen uns keine wirkliche Bindung bestand. Ich fing grundlos an zu heulen. Einfach so, aus dem Nichts. Und mein Mann saß hilflos daneben. Ich kümmerte mich um unsere Tochter, wickelte sie, badete sie, cremte sie ein und was eben sonst noch alles so anstand. Und dachte ständig daran, dass sie mir mein Leben gestohlen hatte. Davon war ich überzeugt.

Licht am Ende des Tunnels

Exakt zwei Wochen nach der Geburt meiner Tochter wachte ich morgens auf und wusste: Es ist alles gut! Und wenn ich „alles“ schreibe, meine ich wirklich alles. Mein erster Blick fiel auf meine Tochter, die ich plötzlich über alles lieben konnte, und ohne die ich mir kein Leben mehr vorstellen konnte und wollte. Der Babyblues war überstanden!

Vergessen werde ich diese ersten zwei Wochen im Leben meiner Tochter wohl nie. Und manchmal überkommt mich tatsächlich noch dieses schlechte Gewissen, dass ich sie nicht vom ersten Tag an so lieben konnte, wie sie es verdient hat. Aber ich weiß, dass es nicht meine Schuld war. Und dass es mir nie wieder so gehen wird. Meine Tochter ist und bleibt mein Ein und Alles. 

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Schon während der Schwangerschaft machen einem die Hormone zu schaffen. Der plötzliche Hormonabfall nach der Geburt hat es aber auch in sich. Die sogenannten "Heultage" sind ein kurzzeitiges Stimmungstief. Erschöpfung, Traurigkeit und Empfindsamkeit sind die Folgen.

MeinSpatz Gezwitscher

Ging es dir auch so nach der Geburt? Oder hast du das Gefühl, dass du in eine Wochenbettdepression hineinschlittern könntest? Der Verein „Schatten & Licht“ klärt über diese Erkrankung auf und zeigt dir, wie du Hilfe findest.