Kaiserschnitt – Baby raus, alles gut?

DONNERSTAG, 14.06.2018

Ich hatte es mir anders gewünscht, trotzdem kamen meine Söhne per Kaiserschnitt zur Welt. Wie es dazu kam und warum es im Nachhinein gut so war.

Es soll ja Frauen geben, die bevorzugen einen Kaiserschnitt – schnipp, schnapp, Baby raus, Bauch zu, alles vorbei. Bestimmt haben diese auch ihre Gründe. Wahrscheinlich in erster Linie Angst vor Schmerzen, ich gehöre nicht dazu. Trotzdem hatte ich zwei Kaiserschnitte, ungeplant, ungewollt.

PDA zur Entspannung

Die Geburt unseres Großen startete mit einem Blasensprung. Also, ab ins Krankenhaus, bei leichten Wehen feststellen, dass der Muttermund gerade einmal drei Zentimeter offen ist und abwarten. Die Wehen wurden stärker, ich verkrampfte. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach Ansicht der diensthabenden Hebamme sollte eine PDA her, damit ich entspannen konnte und der Muttermund sich öffnete. Trotzdem ging es nur sehr langsam vorwärts. Aber ich war frei von Schmerzen und konnte etwas schlafen. 19 Stunden vergingen …

Irgendwas stimmt nicht

Schließlich war der Muttermund offen. Ich spürte immer noch keine Wehen. „Sollen wir einmal versuchen zu pressen?“ Schön und gut, aber wann? Ich lugte also auf den Wehenschreiber, um die nächste Welle erahnen zu können, und presste. Es tat sich … nichts. Nach einer vaginalen Untersuchung stellte die Hebamme fest, dass unser Sohn sich gedreht hatte. Ein Sternengucker. Einige Umlagerungs- und Pressversuche später tat sich immer noch nichts. Die diensthabende Oberärztin, die zu Rate gezogen wurde, riet mir erstmals zum Kaiserschnitt.

Genau das wollte ich nie

Hatte ich etwas falsch gemacht? Hätten wir die PDA lassen sollen? Ich wollte doch so gerne spontan entbinden! Die Hebamme bemerkte, dass ich den Tränen nahe war: „Wir versuchen es noch eine Stunde, in Ordnung?“ Doch es half alles nichts. Geburtsstillstand. Nach 21 Stunden unterschrieb ich für den Kaiserschnitt und wurde ins OP-Hemdchen gesteckt.

OP-Vorbereitungen

Die PDA war ja schon gesetzt, ihre Wirkung wurde im Vorzimmer vom diensthabenden Anästhesisten überprüft. Ich war auf die OP-Pritsche verfrachtet worden, während mein Mann im Nebenzimmer steril angekleidet wurde. Fertig? Nein. Trotzdem – ab in den OP.

Festgezurrt und aufgeschnitten

Meine Arme wurden links und rechts von mir festgezurrt. Es war kalt und hell. Klebemarker an meiner Brust und ein Zwicker am Finger überprüften meine Vitalwerte. Ich kann nicht mehr sagen, wie viele Leute im OP anwesend waren, aber es waren bestimmt nicht wenige. Ich spürte, wie der Arzt meine Haut aufschnitt, kein Schmerz, nur die Berührung, den Widerstand der Haut.

Geburtszeitpunkt 19:30 Uhr

An meinem Bauch wurde gezerrt und geruckelt. Was genau geschah, konnte ich wegen des Sichtschutzes nur erahnen. Und dann hörte man einen Schrei. Und plötzlich wurde alles anders. Warm. Die Krankenschwester legte mir meinen Sohn an die Wange. Ich hatte Tränen in den Augen. Unendliches Glück, das nicht lange anhielt. „Wir schicken den Kleinen mit ihrem Mann in den Kreißsaal“. Und weg war er. An mir wurde weiter geruckelt und gezuckelt. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis ich wieder aus dem OP und zu meinen Lieben kam.

Bonding auf Papas Bauch

Im Kreißsaal angekommen erblickte ich unseren Spatz, wie er auf Papas nacktem Oberkörper kuschelte. Bonding. Die Hebamme legte mir das Baby auf den Bauch und dockte es an meiner Brust an. Ich selbst konnte mich ja kaum bewegen. Als die Narkose nachließ, gelang es mir schließlich, unseren Sohn erstmals mit Hilfe auf den Arm nehmen und zu stillen. Wir durften den Kreißsaal verlassen und wurden aufs Zimmer geschickt. Der Papa musste uns verlassen. Um mir Ruhe zu gönnen, übernahm die Nachthebamme unseren Liebling.

Es geht bergauf

Die ersten Tage nach einem Kaiserschnitt sind die Hölle. Ich konnte mich kaum bewegen vor Schmerzen und wurde trotzdem immer wieder gezwungen aufzustehen. Dabei sollte ich auch noch fachgerecht den Schwabbelbauch halten. So geht es besser. Und tatsächlich, es ging schnell bergauf. Nach zwei Tagen war ich wieder in der Lage aufzustehen und mich rund um die Uhr um unseren Sohn zu kümmern. Fünf Tage später waren wir zuhause und bereits ein eingespieltes Team.

Zweifel und neuer Versuch

Obwohl alles gut ging, und unser Sohn gesund war, hatte ich nach dieser ersten Geburt Zweifel, ob alles so hätte laufen müssen. War der Kaiserschnitt wirklich der einzige Ausweg? Geriet ich mit der PDA auf eine Einbahnstraße Richtung OP? Gerade deswegen wollte ich es bei unserem zweiten Sohn anders machen. Ich setzte alles daran, um eine natürliche Geburt erleben zu dürfen. Immerhin sprach augenscheinlich nichts dagegen. Ohne Schmerzmittel, nach viel Schweiß und Schmerzen, musste ich mir aber auch bei unserem zweiten Sohn eingestehen: Es führt anscheinend kein Weg nach draußen. Wieder ein Kaiserschnitt. Aber anders. Selbstbestimmt. Aktiv. Die Geburt unseres zweiten Sohnes versöhnte mich mit der des Großen. Ich hatte alles gegeben. Alles versucht. Der Kaiserschnitt war meine Entscheidung. Letztendlich hatte ich darum gebettelt. Wir sind wohlauf und glücklich.

Kaiserschnitt – Baby raus, alles gut? pin

Unsere Autorin musste ihre beiden Kinder per Kaiserschnitt entbinden. Im Artikel beschreibt sie, wie sich das angefühlt hat.

MeinSpatz Gezwitscher

Ob man sich eine natürliche Geburt oder einen Kaiserschnitt wünscht, bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist: Um Schmerzen kommt man – so oder so – nicht herum. Wichtig für die Seele ist es aber, die Entscheidung selbst zu treffen, wie man sein Baby auf die Welt bringen möchte. Lass dir von niemandem erzählen, was der für dich richtige Weg ist. Du solltest beim Gebären die Zügel in der Hand haben. Natürlich immer unter Berücksichtigung der medizinischen Notwendigkeit.