Kontrovers: Natürliche Geburt vs. Kaiserschnitt

DIENSTAG, 05.12.2017

Die einen schwören auf eine natürliche Geburt, für andere kommt nur ein Kaiserschnitt in Frage. Aber lässt sich tatsächlich sagen, welche Geburtsvariante die bessere ist?

Eine Geburt gehört zu den natürlichsten Dingen der Welt. Warum sollte man sich dafür unters Messer legen? Klingt erstmal logisch. Doch ist eine Spontangeburt tatsächlich die „bessere“ Art zu gebären?

Warum Kaiserschnitt?

Ein Kaiserschnitt hat durchaus Vorteile. Keine stundenlangen Wehen. Kein Dammriss oder Dammschnitt. Stattdessen: Ein Piekser ins Rückenmark, ein kleiner Schnitt – zack, ist das Baby draußen. Das dauert normalerweise nicht mal eine Stunde. Klingt ziemlich entspannt. Aber ist es wirklich so einfach? Gründe, warum sich Frauen für einen Kaiserschnitt entscheiden, gibt es viele.  Dabei spielt die Planbarkeit interessanterweise keine allzu große Rolle. Denn auch wenn du einen Termin für einen Kaiserschnitt hast: Kommt ein Notfall rein, hat der immer Vorrang, und du musst womöglich noch einen Tag länger warten. Bei einigen Mamas ist die Angst vor Inkontinenz oder einem Dammriss so groß, dass sie es gar nicht erst mit einer natürlichen Geburt versuchen wollen. Oder es gibt natürlich medizinische Gründe: So spielen das Alter oder Bluthochdruck eine Rolle. Auch psychische Gründe, beispielsweise ein komplizierter Geburtsverlauf im Bekanntenkreis mit ungutem Ausgang, können bei der Entscheidung für eine Sectio ausschlaggebend sein.

Mögliche Komplikationen

Leichtfertig sollte ein Kaiserschnitt allerdings nie in Betracht gezogen werden. Das Risiko für Komplikationen bei der Mutter ist deutlich höher als bei einer Spontangeburt. Immerhin ist eine Sectio eine Operation, die per se schon Gefahren birgt. Abgesehen von der Narbe, die der einen oder anderen Mutter oft noch Wochen nach der Geburt Schmerzen bereitet, steigen die Risiken für eine Folgeschwangerschaft an. So kann die Plazenta in die Gebärmutterwand einwachsen oder die Gebärmutterwand reißt bei einer späteren Spontangeburt. Außerdem haben Babys, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, häufiger Anpassungsschwierigkeiten, was teilweise zu Atemnot führt. Wissenschaftler vermuten, dass diese Neugeborenen einen wichtigen Entwicklungsprozess verpassen: Während der Wehen werden Hormone freigesetzt, die die Lungen von Flüssigkeit befreien. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Kaiserschnitt-Geborene in späteren Jahren öfter an Atemwegserkrankungen leiden. Der Deutsche Hebammenverband befürwortet einen Kaiserschnitt nur, wenn er medizinisch notwendig ist.

Warum natürliche Geburt?

Doch auch eine natürliche Geburt ist kein Spaziergang. Einmal abgesehen von ziemlich fiesen Schmerzen ist es aus medizinischer Sicht durchaus sinnvoll, wenn das Kind spontan entbunden wird. Allerdings kommt es auch dabei teilweise zu Komplikationen: Die Herztöne bleiben aus, auch die Infektionsgefahr für das Baby unter der Geburt ist höher. Ein deutlicher Vorteil der Spontangeburt: Studien belegen, dass Kaiserschnittkinder mehr schreien als Babys, die natürlich geboren wurden. Was unter anderem daran liegt, dass während einer spontanen Geburt Hormone ausgeschüttet werden, die das spätere Bonding unterstützen. Kinder die per Operation entbunden wurden brauchen oft mehr Zuwendung und Zeit, um eine Beziehung zu den Eltern aufzubauen. Auch der Milcheinschuss setzt bei einer natürlichen Geburt meist schneller ein als nach einer Sectio. Ein weiteres Plus der Spontangeburt:  Die Rückbildung verläuft normalerweise problemloser.

 

Liegen keine offensichtlichen Risikofaktoren vor, raten Frauenärzte meist zur natürlichen Geburt. Doch wenn du auf einem Kaiserschnitt bestehst und dir sicher bist, dass das genau der richtige Weg für dich, dein Baby und letztlich auch deinen Partner ist, werden dich dein Arzt und deine Hebamme gut und ausführlich beraten und dich dabei begleiten. Letztlich entscheidest du, wie du entbinden willst.

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? pin

Warum kommen eigentlich nicht alle Babys per Kaiserschnitt zur Welt?

MeinSpatz Gezwitscher

Die Anzahl der Not-Kaiserschnitte steigt. Medizinisches Personal tendiert heutzutage eher dazu, auch schon bei geringfügigen Risiken eine Operation durchzuführen. Das Problem: Die Angst vor rechtlichen Folgen. Eltern verklagen die Kliniken eher wegen einem unterlassenen oder zu spät durchgeführten Kaiserschnitt, nicht wegen einer unterlassenen vaginaler Entbindung. Solltest du dir eine natürliche Geburt wünschen, vergleiche unbedingt die Kaiserschnittrate der Kliniken deiner Wahl. Warum eine Operation außerdem lukrativer für ein Krankenhaus ist, kannst du in unserem Artikel  „Die beste Geburtsklinik finden – so geht’s!“ nachlesen.