Lachgas gegen Schmerzen: Gefahr oder Alternative?

MONTAG, 09.04.2018

Viele Frauen möchten ein Schmerzmittel für die Geburt, haben aber Angst vor einer PDA. Ist Lachgas eine Alternative oder doch gefährlicher als gedacht?  

Wenn die Geburt allmählich näher rückt, wächst auch die Angst vor den Schmerzen. Manche Frauen kann diese Angst regelrecht blockieren. Sie wünschen sich ein Schmerzmittel, was meist eine Periduralanästhesie (PDA) bedeutet. Doch eine PDA kann Nebenwirkungen nach sich ziehen: Taubheitsgefühle, Beeinträchtigung der Muskelkraft, Blutdruckabfall oder starke Kopfschmerzen sind unter anderem möglich. Kannst du dich also nur zwischen PDA – ja oder nein – entscheiden? Nicht ganz. In immer mehr Krankenhäusern kommt jetzt regelmäßig Lachgas während der Geburt zum Einsatz. Hört sich ja zumindest mal ganz sympathisch an.

Wie wird Lachgas bei einer Geburt angewendet?

Ein Gemisch aus Luft und Lachgas (50 Prozent Sauerstoff, 50 Prozent Gas) wird mittels einer Maske von der Schwangeren selbst über die Atmung dosiert. Im Video kannst du dir ein Beispiel ansehen.

Das Lachgas soll die Schmerzen während der Wehen lindern, die wichtigen Kontraktionen des Uterus jedoch nicht beeinflussen. Dabei muss das Lachgas-Sauerstoff-Gemisch schon vor Beginn der einzelnen Wehen eingeatmet werden. Denn die schmerzlindernde Wirkung tritt bei dieser Behandlung erst mit einer Verzögerung von etwa 30 Sekunden bis zu drei Minuten ein. Mit dieser Methode soll es Frauen ermöglicht werden, eine annähernd „natürliche“ Geburt zu erleben – jedoch mit verminderten Schmerzen, wie Prof. Dr. med. Jörg Weimann auf „Lachgas-Lehrbuch.de“ erklärt. Die Wehen sind also nach wie vor zu spüren. Die starken Schmerzspitzen werden aber abgeschwächt und sind somit besser zu ertragen.

Entgegen des Klischees: Hysterische Lachflashs bleiben aus

Dabei solltest du dich jedoch nicht von dem Namen „Lachgas“ in die Irre führen lassen. Denn entgegen der allgemeinen Erwartung, kommt es beim Einsatz des Gases bei der Geburt nicht zu fröhlichen Lachflashs. Schade eigentlich. Vielmehr wird das Empfinden der werdenden Mutter gedämpft, vergleichbar mit der Wirkung von Alkohol: Die Schmerzen werden dumpfer, die Gebärende entspannt sich. Doch einen entscheidenden Unterschied hat die Wirkung von Lachgas im Vergleich zum Betrunkensein: Nur einige Atemzüge ohne Maske reichen schon aus und die Wirkung lässt wieder nach.

Einen weiteren Pluspunkt erhält die Lachgas-Methode dafür, dass die Frau selbst über die Menge und somit die Wirkung bestimmen kann. Vollkommen eigenmächtig setzt sie die Maske auf und wieder ab. So kann sie die Behandlung selbst steuern und dosieren. Ist es zu viel mit dem Lachgas, genügen einige tiefe Atemzuge ohne die Maske und alles wird wieder normal. Natürlich wird die Selbstmedikation dabei von erfahrenen Hebammen begleitet.

Lachgas bei der Geburt: Mit welchen Nebenwirkungen musst du rechnen?

Dennoch hat auch diese Methode – wie beinahe jedes Schmerzmittel – seine Nebenwirkungen. So wird manchen Müttern beim Konsum des Lachgas-Sauerstoff-Gemischs etwas übel. Wie auf „hebammenblog.de“ zu lesen ist, seien für das Kind jedoch keine Nebenwirkungen zu erwarten, da die Wirkung des Medikaments nur von kurzer Dauer ist.

Allerdings gibt es auch wesentlich vorsichtigere Stimmen zu dem Thema. So schreiben die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Es kann derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas das Potenzial hat, Mutter, Neugeborenes und Personal schädigen zu können.“ 

Nichtsdestotrotz hat sich der Einsatz von Lachgas während der Geburt mittlerweile zu einer gängigen Praxis entwickelt, die besonders bei vielen Hebammen als sanfte Schmerzhilfe beliebt ist. Zieht eine Schwangere dieses Prozedere in Betracht ist es wichtig, dass sie sich wirklich damit wohlfühlt und das Klinikpersonal auf den Einsatz des Analgetikums geschult ist. Sprich dich in solchen Fällen vorzeitig mit deiner Hebamme oder dem Frauenarzt ab, um eine entsprechende Klinik auszuwählen, in der die Methode auch angeboten wird. Frauen, die an gewissen Herzkrankheiten, Folsäuremangel oder Vitamin-B12-Mangel leiden, kommen für die Lachgas-Anwendung jedoch nicht in Frage. 

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Was in anderen Ländern schon gang und gäbe ist, wird hierzulande noch kontrovers diskutiert: Lachgas bei der Geburt.

MeinSpatz Gezwitscher

In Deutschland ist die Behandlung mit Lachgas noch nicht so weit verbreitet. In Ländern wie Kanada, Australien, Finnland und Großbritannien ist die Methode dagegen gängig und wird fast bei jeder zweiten Geburt eingesetzt.