Meine wunderbare Wassergeburt: Ein Erfahrungsbericht

DIENSTAG, 13.08.2019 Lotte L.

Immer mehr Krankenhäuser bieten heutzutage Wassergeburten an. Doch wie erlebt eine werdende Mama eigentlich die Stunden in der Gebärwanne? Hier beschreibt unsere Interviewpartnerin ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit einer Geburt im Wasser.

Dein Geburtstermin rückt näher und du überlegst, ob eine Wassergeburt für dich das Richtige sein könnte? In diesem Interview schildert Martha aus dem MeinSpatz-Team, wie so eine Geburt im Wasser abläuft, und wie entspannt sie die Zeit in der Wanne fand.

Warum hast du dich für eine Wassergeburt entschieden?

Während der Schwangerschaft habe ich mich von Anfang im Wasser wahnsinnig wohlgefühlt. Ich lag gern in der Badewanne und bin fast täglich schwimmen gegangen. Beim Schwimmen und danach war ich körperlich und geistig immer unheimlich entspannt. Dabei hatte ich das Gefühl, dass das Wasser auch meiner Tochter im Bauch guttut.

Als die Geburt näher rückte, habe ich mir im Krankenhaus alles angeschaut. Als ich dort eine Geburtsbadewanne sah, kam ich auf Idee einer Wassergeburt. Ich habe dann natürlich mit meiner Frauenärztin darüber gesprochen und dem Krankenhaus mein Interesse mitgeteilt. Leider kannte ich niemanden, der selber eine Wassergeburt erlebt hat und so konnte keiner seiner Erfahrungen mit mir teilen. Aber die Vorstellung, während der Wehen im Wasser zu liegen, war für mich einfach total angenehm, so dass sich diese Entscheidung richtig angefühlt hat.

Wie ging die Geburt los?

Ich hatte gegen 23 Uhr einen Blasensprung zuhause und bin dann mit meinem Mann ins Krankenhaus gefahren. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Wehen oder Schmerzen. Gegen 3 Uhr begannen dann die ersten Kontraktionen. Als sie etwa zwischen 5 oder 6 Uhr morgens stärker wurden, fragte mich meine Hebamme, ob ich mich in die Wanne legen möchte. Ich habe sofort zugestimmt, die Wehen waren stark, aber noch aushaltbar. Ich fand es eine schöne Vorstellung, mich jetzt ins warme Wasser zu legen. Dann lief alles super entspannt ab. Die Atmosphäre in dem Raum war sehr schön, das Licht war angenehm. Am Anfang war es wirklich so, als würde ich ein Bad nehmen.

Welche Positionen hast du in der Wanne eingenommen?

Obwohl die Wanne größer ist als eine normale Badewanne, kann man nicht richtig darin liegen. Es gibt eine Art Sitz und man hat die Möglichkeit, die Beine links und rechts abzulegen. Bei meiner Badewanne gab es an der Seite Griffe zum Festhalten. Ich war nicht an irgendwelche Geräte angeschlossen, sondern saß in der Wanne und atmete meine Wehen davon, so gut ich konnte. Zwischen den Wehen habe ich mich ausgestreckt und zurückgelegt. Ich konnte einfach so ein bisschen im Wasser liegen, ja, fast schon ein bisschen „floaten“. Das war für mich wirklich sehr entspannend.

Wie ist die Geburt weiter abgelaufen? Wie hast du dich gefühlt?

Als irgendwann zwischen 7 und 8 Uhr morgens die Presswehen kamen, wurde ich von der Hebamme nochmal gefragt, ob ich aus der Wanne aussteigen wollte. Dann hätten sie mich in den Kreißsaal gebracht. Sie hat auch nochmal klar gesagt, dass ich in der Wanne keine PDA bekommen kann. Für mich hat es sich aber in diesem Moment einfach richtig angefühlt im Wasser zu bleiben. Obwohl die Schmerzen natürlich heftig waren, waren sie für mich trotzdem die bessere Option als aus der Wanne auszusteigen und mich in diesen hellen, sterilen OP zu begeben. Das wollte ich nicht und dazu hatte ich auch keine Kraft. Denn ich fand ja die ganze Atmosphäre in dem Raum gerade deshalb so toll, weil es sich eben nicht so nach Klinik und Medizin angefühlt hat. Also habe ich gesagt, dass ich drin bleiben möchte. Dann ging es weiter und immer weiter und so gegen kurz vor 10 war die Isabella da.

Wie erinnerst du den Moment, als deine Tochter geboren wurde?

Den Moment, in dem ich sie zum ersten Mal gesehen habe, werde ich nie vergessen. Die Hebamme sagte: sie ist jetzt da! Und ich habe ja erstmal nichts gesehen und gehört, und dann habe ich mich so langsam vorgelehnt und da schwamm sie zwischen meinen Beinen im Wasser. Sie lag gekrümmt, wie Babys im Bauch liegen, mit dem Gesicht nach unten und ich habe nur ihren Hinterkopf und ihren Rücken gesehen. Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern, das war so ein unglaublicher Anblick. Ich weiß noch, wie die Hebamme sagte: Sie können sie jetzt aus dem Wasser rausnehmen. Ich erwiderte, nein, Sie müssen das machen, ich weiß doch gar nicht, wie das geht (sie lacht). Daraufhin hat die Hebamme meine Isabella aus dem Wasser rausgenommen und hat sie mir direkt noch im Wasser auf die Brust gelegt. Da hat die Kleine dann auch angefangen zu weinen. Und dann lag sie da auf mir, dann war sie da. Meine kleine Tochter.

Wie lang warst du insgesamt in der Wanne? Wer war bei dir?

Insgesamt lag ich zwischen 4 und 5 Stunden in der Wanne. Mein Mann saß die ganze Zeit dabei. Es war durchgehend ziemlich ruhig im Zimmer, nur die Hebamme kam ab und zu herein. Auch die Frauenärztin kam immer mal wieder zum Checken und blieb erst am Ende etwas länger. Im Prinzip hat die Hebamme alles gemacht. Es war nicht meine Nachsorgehebamme, sondern eine Hebamme, die an diesem Tag Dienst hatte. Ich hatte wirklich Glück mit ihr, sie hat mich die ganze Zeit wunderbar motiviert und ermutigt. Sie fand es auch schön, eine Wassergeburt zu betreuen, denn so oft kommt das wohl nicht vor.

Was hattest du an?

Ich hatte nichts an, was für mich völlig in Ordnung war. Die Hebamme fragte mich, ob ich obenrum etwas anziehen möchte, aber in dem Raum war es warm und ich war froh, nichts Störendes oder Einengendes an mir zu haben.

Wie war es nach der Geburt?

Meine Tochter und ich wurden sauber gemacht, die Kleine wurde untersucht und die Nabelschnur durchgetrennt. Dann warteten wir auf die Nachgeburt, die bei mir leider nicht von alleine herauskam. Ab da begann für mich der schlimmere Teil der Geburt: ich musste unter Vollnarkose operiert werden. Wäre dieser Teil nicht gewesen, hätte ich eine richtig tolle Entbindung gehabt. Daher erinnere ich mich auch immer nur gern an den ersten Teil (sie lacht). Denn die Wassergeburt war super.

Würdest du deinen Freunden und Bekannten eine Wassergeburt empfehlen?

Ich würde ihnen empfehlen, es einfach auszuprobieren. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt kann man ja immer noch aus der Wanne aussteigen. Man kann im Krankenhaus direkt nach einer Wassergeburt fragen und sich den Raum anschauen. Für mich war einfach der tolle Gesamteindruck ausschlaggebend. Manche denken vielleicht, dass es eklig ist, wenn man in einer Wanne voller Blut liegt. Aber für mich gab es bei dieser Geburt absolut nichts, was irgendwie eklig war.

Und ich hatte das Gefühl, dass es für die Isabella ein richtig guter Start ins Leben war. Es wirkte so, als sei die Geburt für sie gar kein so großer Wechsel gewesen, sie schwamm da so gemütlich weiter, als wäre nichts passiert. Man sagt ja auch, dass für Kinder der Übergang von Wasser zu Wasser sanfter sein kann als direkt zu Luft und Licht. Für mich war es einfach eine angenehme Art zu gebären. Die Wehen waren natürlich trotzdem heftig, aber ich konnte sie in der Wanne irgendwie besser wegatmen. Eine Wassergeburt kann ich wirklich jedem empfehlen, der sich Wasser wohlfühlt!

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Eine Wassergeburt ermöglicht dem Neugeborenen einen sanften Übergang vom Mutterleib ins warme Wasser.

MeinSpatz Gezwitscher

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.