Worauf musst du dich nach der Geburt einstellen?

DIENSTAG, 17.10.2017

Die Geburtsvorbereitung ist ein großes Thema für Schwangere. Aber was passiert wenn die Geburt vorbei ist? Direkt danach? Wir sprechen über Tabuthemen: Nachwehen, Netzunterhosen und schmerzende Brustwarzen.

Neun Monate lang warten. Neun Monate lang Vorfreude, den kleinen Spatz endlich im Arm zu halten. Neun Monate lang diese Unsicherheit - wie wird die Geburt? Trotzdem: Die Spannung überwiegt, und die Sehnsucht nach dem ersten Blickkontakt, der ersten Berührung, dem ersten Quietschen des eigenen Babys wird täglich größer. Doch niemand bereitet dich auf die Stunden und Tage nach der Geburt vor …

Das passiert nach der Geburt

Die Geburt ist überstanden und du hältst dein Baby endlich in den Armen. Doch was jetzt? Nachdem du mit deinem Kind aufs Zimmer gebracht wurdest, ist es an der Zeit sich auszuruhen. Wären da nicht die Zimmernachbarn (und deren Besuch), die ständigen Untersuchungen und Visiten. Das permanent summende Handy mit lieb gemeinten Glückwünschen und der über allem schwebende Still-Druck. Im Normalfall wird dein Baby noch im Kreißsaal an deine Brust angelegt – manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich. Auf dem Zimmer geht es gleich weiter und nicht jede Schwester hat die Zeit, sich einfühlsam und in Ruhe deinen ersten Still-Versuchen zu widmen. Gerade Neu-Mamas sind schnell verunsichert, wenn es nicht sofort klappen will. Dabei ist das völlig normal. Die Hormone spielen verrückt, der Erwartungsdruck ist immens hoch und du fühlst dich überglücklich und ängstlich zugleich. Mach dich nicht verrückt, das geht allen Frauen in dieser Situation so. Frag die Schwester um Rat, hol dir Tipps von Freundinnen mit Kindern. Sie alle werden dich beruhigen und dir bestätigen, dass auch sie am Anfang nervös waren. Keine Bange, atme tief durch. Bald hast du alles im Griff.

Ruhe im Wochenbett

Nimm Dir die Ruhe und die Zeit, die du brauchst. Auch dein Baby muss zur Ruhe kommen. Wenn deine Zimmernachbarn zu laut sind und der Besuch euch stört, dann bitte sie freundlich, das Zimmer zu verlassen. Das ist dein gutes Recht und hat nichts mit Zickigkeit zu tun. Auf jeder gynäkologischen Station gibt es einen extra Raum für Besuche. Die Ruhe wird dir helfen, dich zu entspannen. So findest du langsam in deine neue Mami-Rolle hinein. Schränke deinen eigenen Besuch im Krankenhaus ein. Klar wollen alle den Neuankömmling begutachten. Dürfen sie aber nicht. Sei egoistisch! Die Bindung zwischen deinem Baby, dir und deinem Partner hat jetzt oberste Priorität. Überlege Dir, wer für dich in dieser Situation wichtig ist. Alle anderen müssen warten und dürfen euch dann zu Hause besuchen. Wenn du das willst!

Nachwehen sind gemein

Die Geburtswehen sind überstanden und du freust dich, dass die Schmerzen endlich vorbei sind. Doch da gibt es ja noch die Nachwehen. Und die sind auch nicht ohne. Denk immer daran: Sie sind wichtig und helfen dabei, dass sich Gebärmutter und Co. wieder zurückbilden. Leider kommen sie oft unerwartet und so heftig, dass du die ersten Stunden oder Tage nicht immer genießen kannst. Aber hier kommt die gute Nachricht: Du musst sie nicht tapfer durchstehen, du darfst – und sollst – dir helfen lassen. Frag einfach das Klinikpersonal nach einer Schmerztablette. Keine Sorge - die darfst du trotz Stillen einnehmen.

Nicht alleine aufs Klo?

Bei einer Geburt müssen wir Frauen jegliches Schamgefühl abgeben. Doch mal ehrlich: Stolz und gutes Aussehen sind uns spätestens während der Presswehen ziemlich egal. Denn ab da liegt die Konzentration der Gebärenden zu 100 Prozent auf Atmung, Schmerz und Geburt. Doch auch danach ist nicht immer alles vorbei. Viele Mamis brauchen nach der Geburt Hilfe beim Aufstehen, Duschen und beim Gang auf die Toilette. Denn entweder verursacht ein Dammriss Schmerzen, oder die Kaiserschnittnarbe schränkt die Bewegung ein. Natürlich ist es nicht immer leicht zu sagen: „Gehst du bitte mit mir aufs Klo?“ Manche Frauen möchten auch nicht, dass der Partner dabei hilft. Zum Glück sind die Schwestern jetzt für dich da. Sie sorgen dafür, dass die Netzunterhosen samt dicker Binde nach der Toilette wieder richtig sitzt und zeigen euch, worauf ihr jetzt in Sachen Hygiene achten müsst. Direkt nach der Geburt setzt der Wochenfluss ein, der mehrere Wochen dauern kann. Es handelt sich dabei um Wundsekret, das durch die Ablösung der Plazenta entsteht und als vaginale Blutung ausgeschieden wird. Sie wird im Krankenhaus mit dicken Binden aufgefangen, die in dehnbare Netzunterhosen gelegt werden. Die sind zwar kein Style-Highlight, halten die Binde aber da, wo du sie brauchst und geben dir in den ersten Tagen ein sicheres Gefühl. Gib dir und deinem Körper Zeit. Du hast gerade ein Kind zur Welt gebracht. Deine Gebärmutter, deine Vagina und deine Wunden dürfen in Ruhe heilen. Und du darfst alle Hilfe in Anspruch nehmen, die du kriegen kannst.

Schmerzende Brustwarzen

Wer sich fürs Stillen entscheidet, kann wunderbar innige Momente mit seinem Baby erleben. Wenn die Brustwarzen abgeheilt sind. Es ist ja eigentlich klar, dass plötzliches Dauernuckeln und Saugen die empfindlichen Brustwarzen erst einmal ordentlich beanspruchen. Vor allem bei Babys mit gesundem Appetit, die gerne und viel an Mamas Busen trinken, werden die ersten Tage manchmal unangenehm. Mitunter entzünden sich die Brustwarzen auch. Es gibt Cremes, Gels, Pads und Stillhütchen, die den Schmerz lindern. Sobald ihr Routine im Stillen habt und die Technik sitzt, verschwindet auch der Schmerz. Bis dahin heißt es: Zähne zusammenbeißen

Trotzdem: Eine Geburt ist magisch

Schmerzen, Heulen und peinliche Momente – all das gehört zu einer Geburt dazu. Und kaum einer redet darüber, weshalb sich frisch gebackene Mamis in diesen Situationen oft vor den Kopf gestoßen fühlen. Aber es gibt auch einen Grund, warum all diese Situationen unter den Tisch fallen: Weil sie im Großen und Ganzen Nebensächlichkeiten sind. Das Wunder des Lebens ist eben doch größer als jeder Schmerz, jedes Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf und jedes Schamgefühl!

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Auf die Geburt bereiten sich die meisten Schwangeren vor. Aber was passiert eigentlich danach?

Das sagt die Redaktion

Übrigens bieten die meisten Krankenhäuser auch Familienzimmer an. Hier bist du mit deinem Nachwuchs ungestört, dein Partner darf sogar mit euch im Krankenhaus übernachten. Das gibt vielen Mamis eine Extra-Portion Sicherheit.

Frag einfach in deinem Krankenhaus rechtzeitig vor der Geburt nach.